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Abszesse von Haut und Weichteilen - Operative Behandlung

Letzte Aktualisierung: 19.4.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Abszesse der Haut oder Weichteile sind häufige Konsultationsgründe in der allgemeinmedizinischen Praxis und führen häufig zur Ein- bzw. Überweisung in eine chirurgische Klinik. Bei gesicherter Diagnose ist eine Inzision und Drainage des Abszesses die einzig richtige Therapie und darf nicht durch konservative Therapieversuche verzögert werden, bspw. eine topische oder systemische antibiotische Behandlung. Kleine Befunde können durchaus ambulant in einer allgemeinmedizinischen Praxis versorgt werden. Bei Befunden >5 cm oder bei Lokalisation des Abszesses über Gelenken, an den Händen, anogenital sowie im Gesicht sollte die entsprechende Fachdisziplin hinzugezogen werden.

Für eine allgemeine Übersicht siehe: Weichteilinfektion.

Zur spezifischen Therapie bei bestimmten Lokalisationen siehe:

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Indikationtoggle arrow icon

Die chirurgische Behandlung darf nicht durch eine antibiotische Therapie verzögert werden!

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Vorbereitungtoggle arrow icon

Aufklärung

Wahl des Anästhesieverfahrens

Eine Gewebeinfiltration mit einem Lokalanästhetikum am Ort des Abszesses ist bei akuter Entzündung kontraindiziert!

Räumlichkeiten und Personal

Kann die Entlastung des Abszesses nicht in einem aseptischen Bereich durchgeführt werden, muss anschließend eine entsprechende Reinigung erfolgen!

Abszesse über Gelenken, im Bereich der Hände, anogenital und im Gesicht sollten durch ärztliches Personal des entsprechenden Fachgebiets behandelt werden!

Material

Unmittelbare Vorbereitung

Eine präoperative Rasur des OP-Gebietes birgt die Gefahr einer Keimverschleppung und sollte vermieden werden!

Für einen reibungslosen Ablauf sollte vor Beginn des Eingriffs sichergestellt sein, dass das benötigte Material vollständig und einsatzbereit ist!

Lagerung

  • Individuell je nach Lokalisation des Abszesses
  • Zu beachten: Bequeme Position für Patient:in und Behandler:in

Eine bequeme Lagerung ist für eine störungsfreie Durchführung essenziell!

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Im Folgenden ist ein orientierender Überblick über das allgemeine Vorgehen bei Abszessen dargestellt. Die operative Sanierung an spezifischen Lokalisationen wird an anderer Stelle abgehandelt. Siehe auch:

Inzision/Exzision des Abszesses [1][5]

  • Kleinere Abszesse (<5 cm): Langstreckige Inzision über dem gesamten fluktuierenden Bereich
  • Größere Abszesse (>5 cm): Spindelförmige Exzision der Haut über dem gesamten fluktuierenden Bereich

Probenentnahme zur mikrobiologischen Untersuchung

  • Indikation: Immer bei systemischen Infektionszeichen
  • Zeitpunkt: Unmittelbar nach Inzision und möglichst vor Antibiotikagabe
  • Technik
    • Bevorzugt: Aspirat, Punktat oder Gewebe
    • Alternativ bei kleinem Befund: Abstrich
  • Transport
    • Steriles Gefäß
    • Gewebe (knapp mit steriler 0,9% NaCl-Lösung bedeckt)
    • Abstriche im zugehörigen Abstrichröhrchen

Die Gewinnung größerer Mengen Probenmaterial (bspw. als Punktat) ist einem Abstrich möglichst vorzuziehen!

Abszessausräumung [5]

Eine zu sparsame Inzision erschwert die suffiziente Abszessausräumung und erhöht das Rezidivrisiko!

Durch vorsichtiges manuelles Austasten kann bei großen Abszesshöhlen das Übersehen von anhängenden Abszesshöhlen („Fuchsbau“) vermieden werden!

Wundversorgung

  • Lockeres Austamponieren der Abszesshöhle mit geeignetem feuchten Material oder Drainage
  • Abschließend trockene Kompressen (ggf. Bauchtücher)
  • Fixierung des Verbandsmaterials

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Postoperatives Managementtoggle arrow icon

Systemische antibiotische Therapie [6]

Bei unkomplizierten Abszessen ohne Zeichen einer systemischen Infektion besteht keine Indikation zur systemischen antibiotischen Therapie!

Wundmanagement

  • Initial Spülung der Abszesshöhle 1–2-mal täglich, ggf. in Allgemeinanästhesie
  • Weitere Verbandswechsel und Spülung je nach Befund
  • Bei sehr großer Wundhöhle: Ggf. im Verlauf (bei sauberen Wundverhältnissen) VAC-Therapie erwägen
  • Entfernung der Drainage nach 1–2 Tagen
  • Abschluss der Behandlung, wenn sekundäre Wundheilung abgeschlossen

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