Zusammenfassung
Die Linse (Lens cristallina) ist ein wichtiger Bestandteil des optischen Systems des Auges. Physiologischerweise ist sie glasklar, bikonvex geformt (Sammellinse) und elastisch. Gemeinsam mit der Hornhaut (fixer Brechkraftanteil von ca. 43 dpt) ist die Linse für die Lichtbrechung und Darstellung eines scharfen Bildes auf der Netzhaut verantwortlich. Durch die Elastizität der Linse kann sie in ihrer Form und damit Brechkraft verändert werden. Diese Akkommodationsfähigkeit führt zu einer variablen Brechkraft zwischen 10 und 20 dpt und gewährleistet ein scharfes Sehen in Nähe und Ferne. Die Linse ist über Zonulafasern am Ziliarkörper fixiert, welcher durch Kontraktion den Akkommodationszustand der Linse bestimmt und die Linse in ihrer Position hält. Die Akkommodationsfähigkeit nimmt mit dem Alter ab, was zur sog. Alterssichtigkeit (Presbyopie) führt. Die häufigste pathologische Veränderung der Linse ist die Ausbildung einer (meist altersbedingten) Trübung der Linse (Katarakt), seltener kommt es zu Lageveränderungen oder Formanomalien der Linse.
Lageveränderung der Linse (Luxation und Subluxation)
- Ausprägungsformen
- Subluxation bei gelockerten Zonulafasern
- Luxation bei vollständig abgerissenen Zonulafasern
- Ätiologie
- Trauma (am häufigsten)
- Pseudoexfoliatio lentis (häufig im Alter)
- Störungen des Bindegewebsaufbaus (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom)
- Weill-Marchesani-Syndrom
- Homozystinurie
- Symptome/Klinik
- Subluxation: Bei geringer Verlagerung asymptomatisch; bei stärkerer Verlagerung monokulare Doppelbilder, starke optische Verzerrungen, Visusminderung
- Luxation: Starke Visusminderung durch Änderung der Gesamtbrechkraft
- Diagnostik
- Irisschlottern (Iridodonesis) bei Augenbewegung
- Linsenschlottern (Lentodonesis) bei Augenbewegung
- Ggf. Linsenäquator in der Pupille sichtbar
- Ggf. dislozierte Linse in Glaskörper oder Vorderkammer
- Therapie
- Entfernung der Linse und Implantation einer Kunstlinse
- Komplikationen
- Verlegung des Kammerwinkels und Abflussbehinderung des Kammerwassers → Akutes sekundäres Winkelblockglaukom
Aphakie (Linsenlosigkeit)
- Ätiologie: Meist nach operativer Entfernung der Linse, selten nach Traumata
- Symptome/Klinik: Starke Visusminderung durch verringerte Brechkraft
- Diagnostik: Spaltlampenuntersuchung
- Keine Linse in der Pupillarebene
- Irisschlottern (Iridodonesis)
- Therapie: Ausgleich mittels entsprechend starker Sammellinse ("Starbrille"), ggf. sekundäre Kunstlinsenimplantation
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- H27.-: Sonstige Affektionen der Linse
- Exklusive: Angeborene Linsenfehlbildungen (Q12.‑), Mechanische Komplikationen durch eine intraokulare Linse (T85.2), Pseudophakie (Z96.1)
- H27.0: Aphakie
- H27.1: Luxation der Linse
- H27.8: Sonstige näher bezeichnete Affektionen der Linse
- H27.9: Affektion der Linse, nicht näher bezeichnet
- Q12.-: Angeborene Fehlbildungen der Linse
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.