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AMBOSS-Pflegewissen: Tracheotomie und Tracheostoma

Letzte Aktualisierung: 20.3.2024

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Die Pflege bei vorliegendem Tracheostoma zielt auf eine Vermeidung von Hautschäden und Wundinfektionen sowie Druckschäden unter dem Kanülenschild und dem Haltebändchen ab. Zudem soll die Kanüle jederzeit sicher fixiert sein. Das Tracheostoma muss mind. einmal täglich gepflegt werden, bei Bedarf auch öfter. Insb. in den ersten Wochen sollte der Verband aseptisch gewechselt werden. Die Verwendung antiseptischer Mittel sowie das Vorgehen orientiert sich an den hauseigenen Standards. Bei den Patient:innen muss i.d.R. regelmäßig Sekret aus den Atemwegen abgesaugt werden, um zu kompensieren, dass sie durch den fehlenden Druck das Atemwegsekret nicht ausreichend abhusten können. Bei Patient:innen mit suffizientem Hustenstoß sollte ggf. die „feuchte Nase“ bei Verlegung mit Sekret öfter gewechselt werden. Darüber hinaus ist auf einen regelmäßigen Wechsel der Trachealkanülen zu achten.

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Grundaspekte der Tracheostoma-Pflegetoggle arrow icon

Formen der Tracheotomie

  • Dilatative Punktionstracheotomie: Das Tracheostoma verschließt spontan, wenn es zugeklebt wird; ist ohne einliegende Kanüle immer instabil!
    • Punktion der Luftröhre von außen, Punktionsort wird mittels Bronchoskopie bestimmt
    • Weitung des punktierten, in Seldinger-Technik per Draht stabilisierten Zugangsweges mittels Plastikdilatator
    • Kostengünstig und komplikationsarm bei kurz- bis mittelfristiger Beatmung
    • Verschluss durch Zukleben und normale Wundheilung
  • Plastisch-chirurgische Tracheotomie (klassisches Tracheostoma): Verschließt nicht spontan, wenn es zugeklebt wird; ist ohne einliegende Kanüle i.d.R. stabiler und einfacher zu rekanülieren, da chirurgisch geschaffen und klaffender
    • Haut mit Luftröhre vernäht
    • Kann dauerhaft angelegt werden, bspw. bei Langzeit- oder Heimbeatmung, aber auch passager, bspw. bei großem Risiko für Dekanülierungen
    • Verschluss erfolgt nie spontan, sondern immer chirurgisch, wenn keine Notwendigkeit für das Stoma mehr besteht
  • Siehe auch: Tracheotomie mit detaillierter Übersicht zu Durchführung und Unterschieden

Beobachtung der Tracheotomie

  • Konsequente Befundkontrollen bei jeder Gelegenheit
    • Stomaeingang: Entzündungszeichen, Sekretaustritt, Blut, Hypergranulationen
    • Stomaumgebung: Haut intakt (insb. unter Halteband und Kanülenschild)

Komplikationen bei liegender Trachealkanüle

Aufgrund der Gefahr einer Dekanülierung besteht bei tracheotomierten Patient:innen die Notwendigkeit, ein Notfallset aus sterilen Ersatzkanülen unterschiedlicher Größe, einem Kilian-Nasen-Spekulum/Trachealspreizer zum Offenhalten, Gleitgel und einer Spritze zum Nachblocken der Kanüle sowie eine Absaugvorrichtung in Bettnähe bereitzuhalten!

Besonderheiten

  • Sekretmobilisierende Maßnahmen durchführen, regelmäßig absaugen
  • Atemluft ausreichend erwärmen und anfeuchten
  • Kein Baden aufgrund der Erstickungsgefahr, wenn das Tracheostoma unter Wasser gerät
  • Tracheostoma vor Wasser bei der Grundpflege schützen
  • Nur Nassrasuren, immer weg vom Stoma rasieren

Kommunikation

  • Alternative Kommunikationsmöglichkeiten: Notwendig bei Patient:innen mit geblocktem Cuff, da sie nicht sprechen können
    • Aufschreiben
    • Lippenlesen“
    • Buchstabentafeln
    • Bildtafeln
    • Piktogramme
    • Vorformulierte Sätze in verschiedenen Sprachen
    • Einfach zu bedienende Computer
  • Sprechventile : Als Aufsatz oder integriert in Innenkanülen verfügbar, während der Nutzung gleichzeitige Sauerstoffgabe nach ärztlicher Anordnung möglich.
  • Besonderheiten beim Einsatz von Sprechventilen: Vor und beim Einsatz auf ausreichende Sauerstoffzufuhr achten; weitere wichtige Aspekte umfassen
    • Bevor Sprechventil (oder ggf. Stöpsel) auf Kanüle aufgesetzt wird: Sicherstellen, dass Cuff vollständig entblockt ist und Patient:innen unangestrengt an Trachealkanüle vorbeiatmen können
    • Vor dem Entblocken: Rachen gründlich absaugen, um Aspiration des Sekrets zu vermeiden
    • Sicherstellen, dass Patient:innen spontan atmen können
    • Bei geblocktem Cuff: Erstickungsgefahr, da Cuff die Trachea abdichtet und Sprechventil nicht ausreichend Luft durchlässt
    • Bei Patient:innen ohne Larynx und ohne Stimmprothese: Niemals Sprechventil aufsetzen
    • Sprechventile nur bei einsichtigen, wachen Patient:innen anwenden und v.a. zu Beginn nur unter ständiger Aufsicht!

Ernährung

Reinigung des Tracheostomas

  • Bei Kanülen mit herausnehmbarem Innenteil
  • Mind. 3× täglich
  • Reinigung nach Herstellerangaben
  • Meist mit sterilem NaCl 0,9%

Aufgrund der Infektionsgefahr bei frisch tracheotomierten Patient:innen sollte die Trachealkanüle nicht mit Leitungswasser gereinigt werden!

Materialien zur Pflege des Tracheostomas

  • Unsterile Handschuhe, sterile Handschuhe
  • NaCl 0,9%, Schleimhautdesinfektionsmittel oder Ähnliches nach hauseigenem Standard
  • Sterile Kompressen / dicke Watteträger
  • Sterile Trachealkompresse/Schlitzkompressen, ggf. Metalline Kompressen
  • Ggf. neues Kanülenhalteband
  • Ggf. weitere Verbandsmaterialien je nach Haut- und Wundzustand
  • Ggf. Waschschüssel, Waschlappen, Handtuch
  • Abwurf, Händedesinfektionsmittel

Durchführung der Pflege des Tracheostomas

  1. In Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt
  2. Ggf. endotracheal und paratracheal absaugen (steril)
  3. Mit unsterilen Handschuhen Kanülenhalteband und alte Trachealkompresse entfernen
  4. Ggf. Hals und äußere Umgebung des Tracheostomas waschen
  5. Mit sterilen Watteträgern unmittelbare Stomaumgebung nach internen Hausstandards reinigen/desinfizieren und auf Veränderungen am Stomaeingang und der Umgebung achten
  6. Ggf. weitere Verbandsmaterialien benutzen
  7. Neue Trachealkompresse mit sterilen Handschuhen steril anlegen
  8. Halteband befestigen, Weite so einstellen, dass 1–2 Finger unter das Halteband geschoben werden können
  9. Ggf. Kanülenschild oder Halteband unterpolstern
  10. Cuff kontrollieren
  11. Materialien entsorgen und Verbandswechsel dokumentieren

Das Tracheostoma sollte möglichst trocken gehalten werden, um Infektionen und Verletzungen zu vermeiden!

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Trachealkanülentoggle arrow icon

Kanülenformen

  • Silberkanülen
    • Verwendung bei Langzeittracheotomierten, die keine Beatmung brauchen
    • Eher selten
    • Sehr starr
  • Kanülen aus Kunststoff
    • Höherer Tragekomfort
    • Flexibler
    • Sekretablagerungen und Beschlagen der Kanülenwand während Exspiration sichtbar
  • Trachealkanülen mit Cuff
    • Mit aufblasbarer Manschette zur Abdichtung der Trachea bei Beatmung oder Aspirationsgefahr
    • Atmung erfolgt nur über Kanüle
    • Kontrolle des Cuffs mittels Cuffdruckmessgerät
  • Trachealkanülen ohne Cuff
  • Trachealkanüle mit Innenkanüle („Seele“, Inlet)
    • Zur Reinigung oder bei Verwendung eines Sprechventils kann Innenteil entfernt bzw. ausgetauscht werden
  • Kanülenlänge
    • Standardlänge entsprechend der Kanülengröße
    • Kürzere oder längere Kanülen erhältlich

Eigenschaften der Kanüleneinlage

  • Krümmungswinkel
    • Zwischen 90 und 110°
    • Auswahl abgestimmt auf Patient:in
  • Außendurchmesser
    • Abhängig vom Tracheostoma
    • Größtmögliche Größe wählen
  • Innendurchmesser
    • Maß für Kanülengröße
    • Beeinflusst Luftdurchströmung

Trachealkanülen mit Metallspirale in der Kanülenwand müssen vor einer MRT ausgewechselt werden!

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Trachealkanülenwechseltoggle arrow icon

Trachealkanülenwechsel

  • Indikationen, z.B.
    • Beschädigte Kanüle
    • Undichter Cuff
    • Verlegung der Kanüle
    • Erreichen der max. Einliegedauer nach Herstellerangaben
    • Versehentliche Dekanülierung, bspw. bei zu kleinem Kanülendurchmesser
    • Ggf. hausintern etablierte Standards
  • Kanülenwechsel bei Punktionstracheotomie: Immer durch erfahrenes ärztliches Personal
    • Personelle Ausstattung: Bei Beatmung oder kurz nach Anlage der Trachealkanüle Wechsel zu zweit durchführen
  • Erster Kanülenwechsel bei operativer Tracheotomie: Immer ärztlich durchzuführen, um ggf. Komplikationen der Tracheostomaanlage zu erfassen; kann bei unkomplizierten Verhältnissen an qualifizierte Pflegekräfte delegiert werden
    • Zeitpunkt: Ca. 7–10 Tage nach Anlage
    • Nüchternheit: Bei starkem Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen Patient:innen bevorzugt nüchtern belassen

Die Trachealkanülen werden aufgrund der hohen Infektionsgefahr immer steril gewechselt!

Trachealkanülen sollten nur gewechselt werden, wenn sich qualifiziertes ärztliches Personal in der Nähe befindet, da lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können!

Benötigte Materialien

  • Sterile Trachealkanüle in der angeordneten Größe
  • Taschenlampe, Stethoskop
  • Materialien zum endotrachealen Absaugen
  • Materialien der Tracheostomapflege
  • Wasserlösliches Gleitmittel oder NaCl 0,9%
  • Bei Kanüle mit Cuff: 20-mL-Spritze zum (Ent‑)Blocken des Cuffs, Cuffdruckmessgerät
  • Notfallausrüstung: Kleinere Trachealkanüle als Notfallkanüle, Trachealspreizer, Handbeatmungsbeutel mit Mund-Nasen-Maske, ggf. Notfallmedikamente wie bspw. Bronchospasmolytikum
  • Schutzhandschuhe, Händedesinfektionsmittel, Abwurf
  • Ggf. HME (feuchte Nase)

Durchführung

  1. Patient:in informieren, Einverständnis des/der Patient:in prüfen
  2. Patient:in für mind. 4–6 Std. nüchtern, ggf. Ablaufbeutel an Magensonde anschließen
  3. Positionierung: 20–40° Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt
  4. Sorgfältige Mundpflege und Absaugen des Mund-Rachen-Raumes
  5. Ggf. vor dem Kanülenwechsel präoxygenieren: Gabe von 6 L/min Sauerstoff für ca. 5–10 min nach ärztlicher Anordnung
  6. Ggf. Monitoring bzw. Pulsoximeter
  7. Vorbereitung der neuen Kanüle: Kanüle auf Funktionalität und Cuff auf Dichtigkeit prüfen, Einführhilfe einstecken, ggf. Kanülenschild in richtige Position bringen, Gleitmittel auftragen
  8. Ggf. Mund-Nasen-Rachenraum erneut absaugen
  9. Kanülenhalteband, Trachealkanüle, Trachealkompresse entfernen, ggf. Cuffkanüle unter endotrachealer Absaugung entblocken und entfernen
  10. Ggf. Tracheostoma reinigen und auf Veränderungen inspizieren (bei Wiedereinsetzen derselben Kanüle)
  11. Neue Kanüle vorsichtig, dem Tracheostomaverlauf entsprechend gerade oder leicht schräg einsetzen
  12. Bei Schwierigkeiten: Ggf. kleinere Kanüle, ggf. Trachea mit Trachealspreizer aufweiten
  13. Ggf. Einführhilfe entfernen, Cuff blocken
  14. Neue Trachealkompresse, Kanüle mit Halteband fixieren
  15. Ggf. Innenkanüle einsetzen, absaugen
  16. Ggf. HME oder Beatmung anschließen
  17. Ggf. Cuffdruck kontrollieren
  18. Atmung beobachten und Vitalparameter kontrollieren, Lunge auskultieren und Belüftung beider Lungen prüfen, Befinden erfragen
  19. In den nächsten Stunden: Auf vermehrte Sekretbildung und (Nach‑)Blutungen achten

Dekanülierung

  • Dekanülierung bei Punktionstracheotomie: Prinzipiell wie oben beschrieben sowie nach hausinternen Standards ohne anschließende Rekanülierung
    • Abkleben: Fester Klebeverband, steril und luftdicht
    • Heilungsverlauf: I.d.R. funktioneller Verschluss binnen weniger Tage, komplette Wundheilung binnen ca. 14 Tagen
    • Vorsichtsmaßnahmen: Überwachung auf Zeichen einer Hypoxämie, ggf. ist Sauerstoff nach ärztlicher Anordnung zu verabreichen
  • Dekanülierung bei operativer Tracheotomie: Stets durch chirurgische Rückverlagerung und Hautnaht!
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