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Fremdkörperingestion im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 20.3.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Bei einer Fremdkörperingestion wird ein Fremdkörper in den Verdauungstrakt (Hypopharynx, Ösophagus, Magen oder Dünndarm) verschluckt. Kritische Fremdkörper im Kindesalter sind insb. Knopfzellbatterien, Magnete, Münzen und spitze/scharfe Gegenstände. Die Ingestion von Batterien oder mehreren Magneten stellen Notfälle dar, da durch mögliche Schleimhautverätzungen oder Drucknekrosen eine hohe Perforationsgefahr besteht. Klinisch kann es u.a. zu Würgen, Schluckstörungen oder vermehrtem Speichelfluss kommen. Der Verlauf kann initial aber auch asymptomatisch sein. Differenzialdiagnostisch sollte insb. bei Husten und Tachy-/Dyspnoe eine Fremdkörperaspiration in Betracht gezogen werden. Neben einer typischen Anamnese sind Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen diagnostisch i.d.R. wegweisend. Bei starkem V.a. Ingestion eines röntgendurchlässigen Fremdkörpers kann eine diagnostische Endoskopie indiziert sein. Je nach Lokalisation und Art des Fremdkörpers ist ggf. eine endoskopische Entfernung erforderlich.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Fremdkörperingestion: Verschlucken eines Fremdkörpers in den GI-Trakt [1]
    • Akut: <24 h nach dem Verschlucken
    • Subakut: ≥24 h nach dem Verschlucken
    • Chronisch: Wochen bis Monate nach dem Verschlucken
  • Nahrungsmittelimpaktion: Einklemmung eines Nahrungsbolus im Ösophagus
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Ätiologietoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Typisch ist ein plötzlicher Symptombeginn während des Spielens mit kleinen Gegenständen!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Knopfzellbatterien unterscheiden sich im Röntgen i.d.R. durch das Halo-Zeichen und eine Stufenbildung von Münzen!

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Therapietoggle arrow icon

Risikoadaptiertes Vorgehen nach Fremdkörperingestion im Kindes- und Jugendalter [2]
Fremdkörper Lokalisation Symptome Indikation zur Entfernung Besonderheiten
Knopfzellbatterie
  • Hohes Risiko für schwere Schleimhautschäden (insb. im Ösophagus)
  • Ggf. akute Lebensgefahr durch Komplikationen
1 Magnet [3]
  • Ja
  • Notfallmäßig
  • MRT kontraindiziert
  • Nein
  • Dringend
  • Ja
  • Ggf. nach 6 h
  • Nein
  • Elektiv
≥2 Magnete
  • Ja
  • Dringend, ggf. notfallmäßig
  • MRT kontraindiziert
  • Gefahr schwerer Schleimhautnekrosen und einer Perforation
  • Nein
  • Dringend
  • Ja
  • Notfallmäßig [3]
  • Nein
  • Dringend
Münzen
  • Ja
  • Dringend, ggf. notfallmäßig
  • Je größer der Durchmesser des Objekts und je jünger das Kind, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Passage
  • Nein
  • Dringend
  • Ja
  • Nein
  • Ggf. elektiv
Spitze Fremdkörper
  • Ja
  • Dringend, ggf. notfallmäßig
  • Bei röntgendurchlässigen Fremdkörpern
    • Ggf. alternative Bildgebung erwägen
    • Bei Symptomen großzügig (diagnostische) Endoskopie durchführen
  • Nein
  • Dringend
  • Ja
  • Notfallmäßig
  • Nein
  • Dringend
Nahrungsmittelimpaktion
  • Ja
  • Dringend, ggf. notfallmäßig
  • Abklärung möglicher Ursache notwendig
  • Nein
  • Dringend

Notfallmäßig = <2 h (unabhängig von Nüchternzeit); dringend = <24 h (Nüchternzeit beachten); elektiv = ≥24 h

Münzen mit einem Durchmesser von >25 mm (z.B. 2-Euro-Münzen) passieren den Pylorus i.d.R. nicht und müssen meist endoskopisch entfernt werden!

Wenn ≥2 Magnete oder zeitgleich metallische Gegenstände verschluckt werden, besteht die Gefahr, dass sich die Objekte magnetisch anziehen und zu schweren Schleimhautnekrosen mit Perforation führen!

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Knopfzellbatterietoggle arrow icon

  • Erstmaßnahmen
    • Überprüfung und ggf. Sicherung der Vitalfunktionen
    • Röntgen-Thorax und Abdomen in 2 Ebenen (inkl. Hals)
  • Lokalisation in den oberen Atemwegen oder im GI-Trakt oberhalb der Claviculae
    • HNO-Konsultation
    • Fremdkörperentfernung mittels starrer Endoskopie
  • Lokalisation im Ösophagus
    • Bei Diagnose <12 h nach Ingestion
      • Sofortige Gabe von Sucralfat [1] oder Honig (bei Kindern ≥12 Monate) [1]
      • Notfallmäßige endoskopische Entfernung (innerhalb von <2 h)
        • Beachte: Bei schweren sichtbaren Schleimhautschäden ggf. chirurgische Mitbeurteilung und Kontrastmittel-CT vor Entfernung des Fremdkörpers
    • Bei Diagnose ≥12 h nach Ingestion oder schwerer Symptomatik
      1. Kontrastmittel-CT
      2. Chirurgische Mitbeurteilung
      3. Endoskopische und/oder chirurgische Entfernung
  • Lokalisation distal des Ösophagus
    • Diagnose <12 h nach Ingestion
      • Symptomatisch oder gleichzeitige Ingestion ≥1 Magnet
        • Im Magen: Notfallmäßige endoskopische Entfernung (<2 h)
        • Distal des Magens: Chirurgische Mitbeurteilung
      • Asymptomatisch
        • Röntgenkontrolle: Nach 7–14 d oder bei einsetzenden Symptomen
        • Endoskopische oder chirurgische Entfernung bei ausbleibender Darmpassage
    • Diagnose ≥12 h nach Ingestion
      • Kontrastmittel-CT und chirurgische Mitbeurteilung
      • Bei Lokalisation im Magen: Endoskopische und/oder chirurgische Entfernung
      • Bei Lokalisation im Dünndarm
        • Mit Symptomatik oder gleichzeitiger Ingestion von ≥1 Magneten: Chirurgische Mitbeurteilung
        • Ohne Symptomatik: Röntgenkontrolle nach 7–14 d (bei einsetzenden Symptomen früher), bei ausbleibender Passage endoskopische oder chirurgische Entfernung
  • Weitere Maßnahmen
    • Stationäre Überwachung
    • Ggf. endoskopische Platzierung einer nasogastralen Sonde
    • Ggf. antibiotische Prophylaxe
    • Ggf. Ösophagusbreischluck
    • Ggf. Kontrastmittel-CT (oder -MRT ) von Hals und Thorax
    • Wiederholung der Endoskopie nach 2–4 d
    • Langsamer Kostaufbau mit weicher Kost ≤4 Wochen

Eine Knopfzellbatterie im Ösophagus muss so schnell wie möglich entfernt werden!

Vor Entfernung der Knopfzellbatterie darf keine MRT durchgeführt werden!

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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