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Benigne Tumoren und Präkanzerosen des Larynx

Letzte Aktualisierung: 18.3.2024

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Leitsymptom jeder Stimmlippenveränderung ist die Heiserkeit. Meist führt exzessiver falscher Stimmeinsatz zu einer erhöhten mechanischen Belastung des Stimmlippenepithels. Auch bei benignen Wucherungen der Stimmlippe ist i.d.R. eine endoskopische Abtragung mit nachfolgender histologischer Untersuchung angezeigt. Eine Ausnahme stellen Stimmlippenknötchen dar, die durch Stimmbandüberlastung bei „angestrengtem“ Reden entstehen (z.B. bei pädagogischen Berufen). Hier sind zunächst eine Stimmschonung und eine logopädische Behandlung indiziert.

Larynxpapillome bei Erwachsenen und Leukoplakien stellen mögliche Präkanzerosen dar.

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Übersicht benigner Larynxtumorentoggle arrow icon

Tumor Inzidenz Verteilung Therapie
Vorderes bis mittleres Stimmbanddrittel
Stimmlippenpolyp > Einseitig

Chirurgische Abtragung

Stimmlippenknötchen > Beidseitig

Stimmschonung, Logopädie; bei Persistenz: Chirurgische Abtragung

Pars intercartilaginea

Kontaktgranulom

> Einseitig

Kausale Therapie: PPI

Intubationsgranulom

> Beidseitig

Chirurgische Abtragung

Schwellung im Reinke-Raum

Stimmlippenzyste

= , junge Personen Einseitig

Chirurgische Abtragung

Reinke-Ödem

>

Beidseitig

Chirurgische Abtragung

Ventriculus laryngis

Laryngozele

> Meist einseitig Chirurgische Abtragung von innen oder außen

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Stimmlippenpolyptoggle arrow icon

  • Ätiologie [1][2]
  • Epidemiologie
    • Insb. Männer im 30.–50. Lebensjahr
    • Häufigste benigne Stimmbandveränderung
  • Klinik: Heiserkeit, Fremdkörpergefühl, Räusperzwang
  • Diagnostik: Lupenlaryngoskopie
    • Einseitig kugelig, glatt begrenzte Raumforderung
    • Oft am Übergang von vorderem zu mittlerem Stimmbanddrittel
    • Häufig pendelnde Bewegung des Polypen
    • Kontaktreaktion mit Epithelhyperplasien an der gegenseitigen Stimmlippe
  • Therapie: Mikrochirurgische Abtragung
    • Schonung von Lig. vocale und M. vocalis
    • Postoperativ häufig logopädische Therapie empfohlen zur Rezidivprophylaxe

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Stimmlippenknötchen (Phonationsknötchen)toggle arrow icon

  • Ätiologie [1][2]
    • Stimmbandüberlastung (z.B. bei pädagogischen Berufen, Parteiredner:innen)
  • Epidemiologie: Insb. Frauen im 15.–45. Lebensjahr
  • Klinik
    • Heiserkeit, die bei Stimmbelastung weiter zunimmt
    • Fremdkörpergefühl und Räusperzwang
  • Diagnostik: Lupenlaryngoskopie, Stroboskopie
    • Lokalisiert am Ort der höchsten Schwingungsamplitude zwischen vorderem und mittlerem Drittel der Stimmlippe
    • Stets beidseitige, gegenüberliegende stecknadelkopfgroße bindegewebige Verdickungen
  • Pathologie
    • Akute Form („weiche Knötchen“): Weich, rötlich, vaskularisiert, ödematös (Epithelhyperplasie, submuköses Ödem)
    • Chronische Form („harte Knötchen“): Hart, weiß, verdickt, vernarbt (Fibrose, Akanthose, gelegentlich Parakeratose)
  • Therapie
    • Bei „weichen Knötchen“ (Frühstadium): Zunächst konsequente logopädische Stimm- und Übungstherapie für 3 Monate
    • Bei Persistenz (>3 Monate) oder „harten Knötchen“
      • Vorbereitende logopädische Stimmtherapie für 4–6 Wochen
      • Mikrochirurgische Abtragung
      • Nach Abheilung postoperative logopädische Stimmtherapie
  • Prognose: In ca. 80% Wiederherstellung einer normalen Stimme
  • Sonderform: Schreiknötchen des Kindes
    • Epidemiologie
      • Auftreten ab 6. Lebensjahr bis zum Abschluss der Pubertät
      • > (2:1)
    • Ätiologie: Verstärkter und kräftiger Stimmeinsatz
    • Diagnostik: Laryngoskopie
      • Symmetrische, spindelige Verdickung der Stimmlippen in der Mitte des membranösen Stimmlippenabschnitts
    • Therapie

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Intubationsgranulomtoggle arrow icon

Gefahr der Synechie bei ausgeprägter Granulationsbildung!

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Weitere benigne Tumoren des Kehlkopfestoggle arrow icon

Reinke-Ödem [1][2]

  • Definition: Meist beidseitige ödematöse Schwellung der Stimmlippen zwischen Epithel und Lig. vocale (Reinke-Raum)
  • Epidemiologie: Insb. Frauen mittleren Alters betroffen
  • Ätiologie: Risikofaktoren sind Nikotinabusus (etwa 98% der Betroffenen), Stimmbandüberlastung
  • Klinik: Tiefe, raue Stimme, selten Dyspnoe mit inspiratorischem Stridor
  • Diagnostik: Dicke kissenartige Schwellungen der Stimmlippen beidseits
  • Therapie: Mikrochirurgische Entfernung
    • Inzision lateral der freien Stimmlippenkante
    • Absaugen des subepithelialen Ödems
    • Zurückverlagern des Epithels
  • Prognose: Häufig Rezidive

Reinke-Ödeme zählen nicht zu den Präkanzerosen!

Kontaktgranulom [1][2]

  • Definition: Häufig einseitige, entzündlich-reaktive, pseudotumoröse Schleimhautläsionen im dorsalen Teil der Stimmlippen (Pars intercartilaginea)
  • Epidemiologie: >
  • Ätiologie: Neben hartem Stimmgebrauch stellt die Refluxösophagitis einen wesentlichen Risikofaktor dar
  • Klinik: Heiserkeit, evtl. Fremdkörpergefühl, Räusperzwang
  • Diagnostik: Lupenlaryngoskopie
  • Therapie: Versuch der kausalen Therapie mit Protonenpumpenhemmern
    • Bei ausbleibender Besserung: Zusätzlich mikrochirurgische Abtragung und postoperative Stimmtherapie

Stimmlippenzyste [1][2]

  • Definition: Meist einseitig, weiß-gelbliche flüssigkeitsgefüllte Vorwölbung im Reinke-Raum
  • Epidemiologie: Betroffen sind v.a. junge Menschen
  • Klinik: Heiserkeit
  • Diagnostik: Lupenlaryngoskopie
    • Größere Zysten sind gelblich und meist gut zu erkennen
    • Kleinere Zysten lassen sich häufig jedoch nicht von Polypen unterscheiden
  • Therapie: Mikrochirurgische Entfernung

Epiglottiszyste [1]

  • Definition: Paramediane Zyste auf lingualer Epiglottis
  • Epidemiologie: Insb. Männer im mittleren Lebensalter betroffen, > (2:1)
  • Klinik: Fremdkörpergefühl, Schluckbeschwerden
  • Therapie: Mikrochirurgische Entfernung bei subjektiven Beschwerden
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Laryngozeletoggle arrow icon

  • Ätiologie: Dyskinetische Schleimhautausstülpungen im Ventriculus laryngis [1][2]
  • Einteilung: Innere und äußere Laryngozelen
  • Epidemiologie: > , insb. höheres Lebensalter
  • Pathogenese
  • Klinik
    • Heiserkeit, Dyspnoe, Schluckbeschwerden, Hustenreiz
    • Selten äußere Schwellung am Hals
  • Diagnostik
    • Lupenlaryngoskopie: Glatt begrenzte Raumforderung im Bereich der Taschenfalte
    • Röntgenbild/CT-Hals: Im Saug-/Pressversuch (Valsalva) extralaryngeale Ausdehnung evtl. sichtbar
  • Differenzialdiagnosen
  • Therapie
    • Innere Laryngozele: Mikroskopische laserchirurgische Entfernung
    • Äußere Laryngozele: Resektion der Zele über einen Halseingriff von außen
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Mögliche Präkanzerosen der Larynxschleimhauttoggle arrow icon

Epitheldysplasien und Larynxpapillome (siehe auch: Kehlkopfpapillomatose) im Erwachsenenalter stellen fakultative Präkanzerosen dar (→ Larynxkarzinom), die eine histologische Abklärung und Kontrolluntersuchungen erforderlich machen.

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Epitheldysplasie (Leukoplakie) des Larynxtoggle arrow icon

  • Definition: Meist weiße, flache bis erhabene, verschiebliche, aber nicht abwischbare Epithelveränderung mit Verhornung [1][2][4]
  • Lokalisation: Häufig Stimmlippen betroffen
  • Symptome: Evtl. Heiserkeit, häufig Zufallsbefund bei Laryngoskopie
  • Diagnostik
    • Lupenlaryngoskopie (Makroskopisch-deskriptive Sicht)
      • Pachydermie: Erhabene Schleimhautverdickung, Schwiele
      • Hyperkeratose: Weißlich-gräuliche Verhornung der Schleimhaut
      • Leukoplakie (weiße Pachydermie, Hyperkeratose): Weißliche, nicht abwischbare Schleimhautveränderung
      • Erythroplakie (Erythroplasie, rote Pachydermie): Rötliche Schleimhautveränderung
      • CAVE: Anhand makroskopischer Merkmale kann kein malignes Potenzial ausgeschlossen werden!
    • Mikrolaryngoskopische Exzisionsbiopsie und histologische Untersuchung
  • Pathologie
  • Therapie: Komplette Abtragung
    • Dysplasie Grad 1–2: Komplette Abtragung, danach Verlaufskontrollen mit Re-Biopsien
    • Dysplasie Grad 3 / Carcinoma in situ: Komplette Abtragung unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes (bei unzureichendem Sicherheitsabstand Nachbestrahlung/Radiatio)

Regelmäßige Kontrollen wegen Gefahr der Feldkanzerisierung!

In 10–25% der Fälle ist eine maligne Entartung möglich!

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Kehlkopfpapillomatosetoggle arrow icon

  • Definition: Benigne epitheliale Tumoren an den Stimmlippen, mit möglicher Ausbreitung auf die Supra- oder Subglottis [1][2]
  • Epidemiologie
    • Juvenile Form: >
      • Meist vor dem 5. Lebensjahr
    • Adulte Formen: Zwei Häufigkeitsgipfel
      • Ca. 20–40 Jahre ( > )
      • Ca. 50–70 Jahre ( > )
  • Ätiologie: Humane Papillomviren (HPV 6, 11)
  • Klinik
  • Diagnostik: Lupenlaryngoskopie
    • Juvenile Form
      • Multiple himbeerartige, unverhornte Geschwülste
      • “Blumenkohlartige“ Oberfläche
      • Flächenhaft nur gering über dem Schleimhautniveau
      • Insb. Glottis und Supraglottis betroffen
    • Adulte Form
      • Meist solitär
      • Stärkere Verhornung
      • Immer im Stimmlippenbereich
  • Therapie
    • Wiederholt endoskopische Abtragung
      • Sicherung der Atemwege bei Strukturerhaltung des stimmbildenden Organs
      • Vollständige Abtragung bei adulten Papillomen
    • Bei initial schnellem Wachstum: Medikamentöse Behandlung mit interstitieller Gabe von Interferon-α lokal
    • Eine Radiatio ist wegen des Risikos der Malignisierung streng kontraindiziert!
  • Prophylaxe
  • Prognose

Bis ins Erwachsenenalter verbliebene Papillome sind eine fakultative Präkanzerose und entarten in etwa 20% der Fälle!

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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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3D-Anatomietoggle arrow icon

In Kooperation mit Effigos bieten wir dir die Möglichkeit, Anatomie auch in 3D zu erfahren. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Neben Komplettmodellen bieten wir dir auch sprach- oder textgeführte Exkurse zu einzelnen Themen. In allen Versionen hast du die Möglichkeit mit den Modellen individuell zu interagieren, z.B. durch Schneiden, Zoomen oder Aus- bzw. Einblenden bestimmter Strukturen. Eine Übersicht über alle Inhalte findest du in dem Kapitel Anatomische 3D-Modelle. Die unterschiedlichen Pakete zu den 3D-Modellen findest du im Shop.

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