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Normaldruckhydrozephalus

Letzte Aktualisierung: 23.10.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Beim Normaldruckhydrozephalus (Normal Pressure Hydrocephalus, NPH) kommt es zu einer progredienten Symptomatik aus Gangstörung mit breitbasigem und kleinschrittigem Gangbild, Demenz und Harninkontinenz (Hakim-Trias). Die Ätiopathogenese der Erkrankung ist noch unzureichend verstanden. Der mittlere intrakranielle Druck ist normal, was namensgebend für die Erkrankung ist. In der Bildgebung des Kopfes kommen erweiterte innere Liquorräume bei normalen oder engen äußeren Liquorräumen zur Darstellung. Diagnostisch wegweisend ist ein Liquorablassversuch (Tap-Test), der zu einer vorübergehenden Besserung der Symptomatik führt. Durch eine dauerhafte Ableitung des Liquors über einen ventrikulo-peritonealen Shunt kommt es zur Besserung der Symptome.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz: ca. 5 Fälle/100.000 Einwohner pro Jahr
  • Prävalenz: ca. 20 Fälle/100.000 Einwohner
  • Alter
    • Idiopathisch: Insb. >60 Jahre
    • Sekundär: Jedes Lebensalter

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

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Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Möglicher Erklärungsansatz: Liquorresorptionsstörung → Auftreten von Scherkräften → Erweiterung des Ventrikelsystems → Diffusion des Liquors durch Ventrikelwände (Liquordiapedese) → Periventrikuläre Ödembildung → Lokale Durchblutungsminderung → Reduzierter Abtransport neurotoxischer Substanzen
  • Namensgebend für die Erkrankung: Normaler mittlerer intrakranieller Druck
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Symptomatiktoggle arrow icon

  • Hakim-Trias
    • Gangstörung (siehe Video unter Tipps & Links)
      • Verlangsamter, kleinschrittiger und breitbasiger Gang, die Füße sind nach außen rotiert; breitbasiges Stehen
      • Im Verlauf zunehmende Instabilität mit Fallneigung und Stürzen, Start- und Schritthemmung
    • Demenz
    • Harninkontinenz
      • Neurogene Blasenentleerungsstörung mit erhöhter Miktionsfrequenz und imperativem Harndrang
      • Zunehmendes Einnässen durch Fortschreiten der Gangstörung (die Toilette wird nicht erreicht) und abnehmendes Bewusstsein für den Harndrang infolge einer Frontalhirnstörung
  • Die Symptomatik ist chronisch progredient

Bei einer progredienten Gangstörung mit kognitiven Defiziten sollte die Differenzialdiagnose eines Normaldruckhydrozephalus abgeklärt werden!

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Diagnostiktoggle arrow icon

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Die Differenzialdiagnosen des idiopathischen Normaldruckhydrozephalus umfassen v.a. verschiedene neurodegenerative Erkrankungen, die mit Gangstörungen einhergehen können. Komorbiditäten insb. mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ oder einer vaskulären Demenz bestehen häufig.

Demenzielle Veränderungen gehören nicht zum normalen Alterungsprozess. Eine frühzeitige Diagnostik ermöglicht die Einordnung und ggf. Behandlung der Erkrankung!

Gegen die Diagnose eines Normaldruckhydrozephalus sprechen asymmetrische motorische Defizite, Demenz ohne Gangstörung und dominierende Symptome einer kortikalen Demenz!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Operative Liquor-Shunt-Anlage

  • Prinzip
  • Indikation: Normaldruckhydrozephalus und Vorliegen positiver prädiktiver Faktoren für Therapie
    • Prädiktive Faktoren für Therapieerfolg
      • Gangstörung dominiert klinisches Bild und trat vor kognitiven Defiziten auf
      • Kognitive Defizite gering oder moderat
      • Kurze Krankheitsdauer (<2 Jahre)
      • Besserung der Symptomatik durch diagnostischen Liquorablass
      • Fehlende zerebrale Atrophie
    • Prädiktive Faktoren für schlechtes Ansprechen
      • Lange Krankheitsdauer (>2 Jahre)
      • Klinisches Bild von schwerer Demenz dominiert
      • Kortikale Demenz
      • Kognitive Defizite als Erstsymptomatik
      • Ausgeprägte zerebrale Atrophie
  • Formen
    • Ventrikuloperitonealer Shunt (VP-Shunt)
      • Standardverfahren
      • Ventilformen
        • Hydrostatische Ventile (heute i.d.R. Gravitationsventile)
        • Einstellbare Ventile
        • Kombinierte Ventile mit Gravitationsventil und einstellbarer Komponente
    • Ventrikuloatrialer Shunt (VA-Shunt)
      • In Einzelfällen indiziert
      • Höhere Langzeitkomplikationsrate
    • Lumboperitonealer Shunt (LP-Shunt)
  • Nachsorge
    • Klinische Vorstellung: 6 Wochen und 6 Monate nach Shunt-Anlage, dann jährlich (bei unkompliziertem Verlauf)
    • Eine Symptombesserung tritt innerhalb einiger Wochen ein
    • Verlaufsbildgebung:
      • Postoperativ: Kraniales CT und Röntgen des Shuntverlaufs
      • Im ersten Jahr nach Operation: Kraniales CT
      • Einige Wochen nach Änderung des Ventilöffnungsdrucks: Kraniales CT
  • Komplikationen nach Shunt-Anlage

Alternativ

  • Regelmäßige Lumbalpunktionen
    • Indikation: Multimorbide Patienten mit hohem Operationsrisiko, sonstige Kontraindikationen gegen OP
  • Keine medikamentösen Therapieoptionen
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Prognosetoggle arrow icon

  • Nach Shunt-OP klinische Verbesserung bei 70–90% der Patienten
  • Ohne OP: Progrediente Verschlechterung
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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