Zusammenfassung
Streptokokken stellen eine große Gruppe von Bakterien dar, die zu sehr unterschiedlichen Erkrankungen führen können. Neben Infektionen am Mittelohr, des Pharynx und der Weichteile können Vertreter der Streptokokken u.a. zu einer Pneumonie, Meningitis und Endokarditis führen. Weiterhin kann es zu toxinvermittelten Erkrankungen wie Scharlach und dem Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom kommen. Rheumatisches Fieber ist eine schwerwiegende Folgeerkrankung, die durch eine adäquate antibiotische Therapie verhindert werden kann.
Erregereigenschaften
- Definition: Streptokokken sind grampositive, unbewegliche Kettenkokken, die keine Sporen ausbilden
- Spezies: Vielzahl von Streptokokkenspezies; überwiegend als Teil der Kolonisationsflora der Haut und Schleimhäute (insb. Mundhöhle)
- Humanpathogenität: Nur ein kleiner Anteil der Streptokokkenspezies sind humanpathogen
Einteilung humanpathogener Streptokokkenspezies
Für die Einteilung der Streptokokken bestehen eine Reihe taxonomischer Klassifikationssysteme. Bei den humanpathogenen Spezies haben sich im klinischen Sprachgebrauch die Einteilungen nach Hämolyseart und nach serologischer Gruppe (Lancefield) durchgesetzt.
- Einteilung nach Hämolyseart
- Unterschiedliche Hämolysezonen um Kolonien auf Blutagar
- γ-Hämolyse = keine Hämolyse → keine Hämolysezone
- β-Hämolyse = komplette Erythrozytenlyse → klare Hämolysezone
- α-Hämolyse = Reduktion des Hämoglobins → grüne Hämolysezone
- Unter den α-hämolysierenden (vergrünenden) Streptokokken finden sich zwei klinisch bedeutsame Erreger
- Streptococcus pneumoniae bzw. Pneumokokken (Diplokokken!)
-
Streptococcus viridans
- Ein Vertreter der Viridans-Gruppe ist Streptococcus sanguinis: Fakultativ-anaerober Keim der Mundflora
- Die β-hämolysierenden Streptokokken werden weiterhin nach Lancefield eingeteilt :
- Gruppe-A-Streptokokken: Streptococcus pyogenes
- Gruppe-B-Streptokokken: Streptococcus agalactiae
- Gruppe-D-Streptokokken: Alle Enterokokken (in der Taxonomie mittlerweile als eigene Gattung geführt)
- Unterschiedliche Hämolysezonen um Kolonien auf Blutagar
- Antibiotika-Empfindlichkeit: Streptokokken sind (in Deutschland) meist sensibel gegen Penicillin G
- Weitere gängige Antibiotika zur Behandlung von Streptokokkeninfektionen
- Aminopenicilline: Ampicillin und Amoxicillin
- Makrolide: Bspw. Erythromycin
- Cephalosporine: Bspw. Ceftriaxon oder Cefuroxim
- Dosierungen und Therapieempfehlungen sind in den jeweiligen Wissenskapiteln der Erkrankungen zu finden
- Weitere gängige Antibiotika zur Behandlung von Streptokokkeninfektionen
Organinfektionen durch Streptokokken
α-hämolysierende Streptokokken
- Streptococcus pneumoniae: Wichtigster Virulenzfaktor ist die Polysaccharidkapsel des Erregers, weshalb er vorwiegend bei invasiven Infektionen anzutreffen ist
- Viridans-Streptokokken: Als Bestandteil der Kolonisationsflora in Mundhöhle, Darm und Vagina sind Viridans-Streptokokken auch an Mischinfektionen beteiligt
- Endokarditis
- Karies
- Appendizitis
- Bakteriämien mit Viridans-Streptokokken: Neben der Endokarditis kommen als Fokus für Bakteriämien mit Viridans-Streptokokken in Frage
- Abszesse (bspw. in Weichteilen, aber auch Leberabszess)
- Kolonkarzinome (Übertritt des Erregers in die Blutbahn durch Tumorgefäße und Begleitentzündungen
β-hämolysierende Streptokokken
- A-Streptokokken (nach Lancefield)
- Angina tonsillaris und Peritonsillarabszess
- Scharlach, hierbei zusätzliche toxinvermittelte Krankheitserscheinungen (s.u.)
- Impetigo contagiosa (häufiger durch Staphylococcus aureus)
- Weichteilinfektionen und Osteomyelitis
- Erysipel und Phlegmone
- Panaritium
- Nekrotisierende Weichteilinfektionen, hierbei auch häufig überlappend toxinvermitteltes Streptococcal Toxic Shock Syndrome
- Angina tonsillaris und Peritonsillarabszess
- B-Streptokokken (nach Lancefield): Insb. Streptococcus agalactiae
- Neugeborenenmeningitis und Neugeborenensepsis
- Otitis media, Sialadenitis, Mastitis (selten)
- Hordeolum (selten, häufiger durch Staphylokokken)
- Wundinfektion und Osteomyelitis
- Urethritis
Toxinvermittelte Erkrankungen
Folgeerkrankungen
- Erkrankungen nach Infektionen mit A-Streptokokken (z.B. Angina tonsillaris)
- Pathogenese: Eine molekulare Mimikry wird angenommen
- Erkrankungen
- Streptokokken werden als immunologischer Triggerfaktor von verschiedenen Erkrankungen diskutiert (Psoriasis vulgaris, Erythema nodosum, IgA-Vaskulitis u.a.)
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- B95.-:! Streptokokken und Staphylokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.0!: Streptokokken, Gruppe A, als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.1!: Streptokokken, Gruppe B, als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.2!: Streptokokken, Gruppe D, und Enterokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.3!: Streptococcus pneumoniae als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.4-:! Sonstige Streptokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.41!: Streptokokken, Gruppe C, als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.42!: Streptokokken, Gruppe G, als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.48!: Sonstige näher bezeichnete Streptokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
- B95.5!: Nicht näher bezeichnete Streptokokken als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.