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Insomnien

Letzte Aktualisierung: 17.2.2025

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Insomnien zählen neben Parasomnien zu den häufigsten Schlafstörungen. Gemäß der International Classification of Sleep Disorders (ICSD) versteht man unter Insomnien Ein- und/oder Durchschlafstörungen oder nicht-erholsamen Nachtschlaf, aus denen Tagesmüdigkeit und eine Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten resultiert. Sie können Folge organischer oder psychischer Erkrankungen oder einer Substanzeinnahme sein, aber auch als eigenständiges Krankheitsbild auftreten. Letztere gehören nach ICD-10 zu den „nicht-organischen Insomnien“ (F51.0). Um diese soll es in diesem Kapitel gehen. In der ICD-11 werden Schlafstörungen eigenständig gelistet, sodass die Insomnie nicht mehr zu den psychischen Erkrankungen zählt.

Neben einer schlafmedizinischen Beratung gilt die kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie (KVT-I) als Goldstandard. Im Einzelfall kommen verschiedene schlafinduzierende Medikamente zum Einsatz.

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Einteilung der Schlaf-Wach-Störungentoggle arrow icon

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Insomnie - Hauptdiagnosegruppen [2]
ICD-10 ICSD-3 ICSD-2 (veraltet) Beschreibung (nach ICSD-2)
  • Anpassungsbedingte (akute) Insomnie
  • Psychophysiologische (chronische) Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Konditioniertes Schlafproblem und/oder erhöhte Arousals durch mind. 1 der folgenden Symptome
    • Exzessives Fokussieren auf die Schlafproblematik
    • Einschlafschwierigkeiten zur geplanten Bettzeit, aber Einschlafneigung bei Monotonie am Tage
    • Besserer Schlaf in fremder Schlafumgebung
    • Unfähigkeit, schlafverhindernde Gedanken zu beenden
    • Unfähigkeit, vor dem Einschlafen körperlich zu entspannen
  • Paradoxe Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Mind. 1 der folgenden Kriterien
    • Angegebenes chronisches Muster von wenig/gar keinem Schlaf
    • Im Schlaftagebuch über eine/mehrere Wochen unterdurchschnittliche Schlafzeit ohne darauf folgende Tagschlafepisoden
    • Konsistentes Missverhältnis zwischen objektiven Befunden aus Polysomnografie/Aktigrafie und subjektiven Einschätzungen
  • Mind. 1 der folgenden Symptome
    • Ständige Wahrnehmung von nächtlichen Störgeräuschen, bspw. Glockenturm
    • Anhaltendes Gedankenkreisen in der ganzen Nacht
  • Tagesbeeinträchtigung vorhanden, aber i.d.R. geringer ausgeprägt als bei angegebenem Schlafverlust zu erwarten
  • In Ausnahmefällen Sekundenschlaf, Desorientierung oder Fehler als Folge des Schlafmangels möglich
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Inadäquate Schlafhygiene belegt durch mind. 1 der folgenden Symptome
    • Irregulärer Schlaf-Wach-Rhythmus mit häufigem Tagschlaf
    • Konsum von schlafhindernden Substanzen, bspw. Alkohol, Nikotin oder Koffein, insb. vor dem Schlafengehen
    • Betreiben kognitiv/emotional stimulierender Aktivitäten vor dem Schlafengehen
    • Nutzen des Bettes für andere Aktivitäten als das Schlafen
    • Unfähigkeit, angenehme Schlafsituation zu schaffen
  • Verhaltensabhängige Insomnie in der Kindheit
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Mind. 1 der Folgenden Kriterien
    • Assoziationsbedingte Einschlafstörung
      • Abhängigkeit von bestimmten Stimuli, Objekten oder Ritualen
    • Insomnie aufgrund mangelnder elterlicher Grenzsetzung
      • Hinhaltetaktik oder Verweigerungshaltung vor dem Schlafengehen
      • Nicht konsequentes erzieherisches Verhalten ohne verlässliche Grenzen
  • Andere Insomnie
  • Insomnie durch psychische Erkrankung
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Diagnostizierte psychische Erkrankung
  • Insomnie in zeitlichem Zusammenhang mit der psychischen Erkrankung
  • Insomnie ist ausgeprägter als typischerweise bei der psychischen Erkrankung zu erwarten und führt zu Stress bzw. wird zu unabhängigem Therapiefokus
  • Ein- und Durchschlafstörungen (G47.0, ggf. + Grunderkrankung)
  • Insomnie durch Drogen, Medikamente oder Substanzen
  • Insomnie durch körperliche Erkrankung
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Koexistierende körperliche Ursache, die den Schlaf hindert
  • Insomnie in zeitlichem Zusammenhang mit der körperlichen Erkrankung
  • Nicht näher bezeichnete, unspezifische organische Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Nicht anderweitig klassifizierbar
  • Am ehesten Folge körperlicher Erkrankung oder Substanzmissbrauch
  • Chronische Erkrankung mit Beginn im Säuglings-/Kindesalter
  • Kein eruierbarer Stressor bzw. keine Ursache
  • Persistierende Insomnie ohne längere Remission
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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Akute Insomnien [3]
  • Chronische Insomnien
    • Prävalenz [4][5][6]
      • Kinder und Jugendliche
        • 0–6 Jahre: Einschlafstörungen bei ca. 9%, Durchschlafstörungen bei 9–17,5%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei knapp 3%
        • 7–13 Jahre: Einschlafstörungen bei 13–17%, Durchschlafstörungen bei 5–8%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei knapp 3%
        • 14–17 Jahre: Einschlafstörungen bei 15–18%, Durchschlafstörungen bei 5–11%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei 2–5%
      • Erwachsene: Ca. 6–10% [3]
    • Geschlecht
      • Kinder und Jugendliche
        • Alter 0–13 Jahre: =
        • Alter 14–17 Jahre: >
      • Erwachsene: >

Da ca. 60% der Schlafstörungen einen chronisch-persistierenden Verlauf zeigen, ist die Diagnose und Therapieeinleitung bereits im frühen Lebensalter essenziell!

Sobald es das Alter zulässt, sollten zur Beurteilung der Schlaf-Wach-Thematik bei Kindern Angaben sowohl der Eltern als auch Kinder einbezogen werden!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Risikofaktoren für Insomnien [7][8]

  • Mangelnde Schlafhygiene
  • Übermäßige Reizeinwirkungen, insb. Medienkonsum
    • Übermäßige abendliche und nächtliche Medienaktivitäten [9]
    • Medienaktivitäten tagsüber [10]
    • Potenzielle Gründe für Insomnien im Zusammenhang mit Medienkonsum
      • Übermäßiger Medienkonsum → Bewegungsmangel und erhöhtes Adipositasrisiko → Negative Auswirkung auf einen gesunden Schlaf
      • Computerspiele mit aggressivem Inhalt → Erhöhtes psychophysiologisches Erregungslevel
      • Blaues Bildschirmlicht → Hemmung der Melatoninausschüttung → Negative Auswirkung auf Ein- und Wiedereinschlafen
  • Assoziation mit psychiatrischen Erkrankungen: Insb. Depressionen, Angststörungen

Zusätzliche Risikofaktoren für Insomnien im Kindes- und Jugendalter

  • Belastung des Eltern-Kind-Verhältnisses durch
    • Negatives emotionales Verhalten dem Kind gegenüber
    • Wenig Nähe und häufige Konflikte
  • Mangelnde elterliche Grenzsetzung (insb. im Säuglings- und Kleinkindalter) [11][12]
    • Abnorme Einschlaf- und Wiedereinschlafgewohnheiten → Teufelskreis sich gegenseitig verstärkender, negativer Erwartungshaltung bei Eltern und Kind
      • Inkonsequentes, nachgiebiges Elternverhalten → Zunehmend forderndes, das Einschlafen hinauszögerndes Verhalten des Kindes → Gereiztes Elternverhalten
    • Negative Folgen für die kindliche Sozialisation

Uneingeschränkt nachgiebiges Verhalten der Eltern nimmt den Kindern die Möglichkeit, sich selbst zu regulieren!

Erzieherisches Verhalten ist jedoch nur dann wirksam, wenn es sich nicht nur auf die Schlafthematik bezieht, sondern in ein erzieherisches Gesamtkonzept eingebettet ist!

Eine kindliche Schlafstörung führt i.d.R. zu einer elterlichen Schlafdeprivation mit Schlafschwierigkeiten und Tagesschläfrigkeit, was die Eltern-Kind-Interaktion wiederum zusätzlich belastet!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Nicht-organische Insomnie (F51.0)

  • Ein- und/oder Durchschlafstörungen
  • Zu frühes (morgendliches) Erwachen
  • Nicht erholsamer Schlaf
  • Bei Kindern
    • Hinauszögern des Zubettgehens
    • Schwierigkeit bis Unmöglichkeit, ohne elterliche Intervention einzuschlafen

Folgen [13]

  • Tagesmüdigkeit und/oder Einschlafneigung
  • Unwohlsein und Stimmungsschwankungen
  • Auffälligkeiten des (Sozial‑)Verhaltens, bspw. Hyperaktivität, Impulsivität, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, aber auch Antriebslosigkeit
  • Einschränkung von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis und/oder schulischer/beruflicher Leistungsfähigkeit
  • Erhöhtes Risiko für Fehlleistungen oder Unfälle
  • Sorgen um den Schlaf
  • Bei Kindern und Jugendlichen: Meist Vorstellung primär durch die Eltern, manchmal auch Vorstellung auf Initiative des Kindes wegen unerholsamen Schlafes

Die Tagesmüdigkeit infolge des nicht erholsamen Schlafes ist ein relevanter Diagnosefaktor der chronischen Insomnie!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Basisdiagnostik [14][15]

  • (Fremd‑)Anamnese durch Eltern bzw. Partner, inkl.
    • Zeitlicher Einordnung der Symptomatik im Schlafverlauf
    • Eigen- und Familienanamnese bzgl. Schlaf-assoziierter Auffälligkeiten
    • Gezieltes Fragen bzgl.
      • Schlafdauer
      • Schlafstörenden Faktoren
      • Schlafstörenden Substanzen, insb. Kaffee, Alkohol
      • Medikamenten
      • Psychiatrischen Erkrankungen, insb. Depression, Angsterkrankung
    • Zuhilfenahme von Schlaffragebögen und -tagebüchern über mind. 3 Wochen
      • Bei Kindern zusätzlich
        • Kinderschlafcomic: Zur altersgerechten Befragung von Kindern im Alter von 5–10 Jahren
        • Schlafinventar für Kinder und Jugendliche: Befragung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 5–18 Jahren und deren Eltern
  • Körperliche Untersuchung zum Ausschluss somatischer Erkrankungen, die immer wieder zu einer Unterbrechung des Schlafes führen können
    • Siehe hierzu: Differenzialdiagnosen bei Insomnien

Erweiterte Diagnostik

I.d.R. ist die Diagnose klinisch so eindeutig, dass auf eine apparative Diagnostik verzichtet werden kann!

Bei atypischer oder therapieresistenter Symptomatik, Häufigkeitszunahme oder zusätzlichen Symptomen sowie bei Differenzen zwischen den anamnestisch geschilderten Symptomen und objektiv erfassbaren Parametern sollte eine erweiterte Abklärung erfolgen!

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ICD-10toggle arrow icon

Diagnostische Kriterien der nicht-organischen Insomnie nach ICD-10 (F51.0) [16]
A
  • Klagen über Ein- oder Durchschlafstörungen oder schlechte Schlafqualität ohne erfrischende Wirkung
B
  • Auftreten: Mind. 3×/Woche über mind. 1 Monat
C
  • Leidensdruck oder Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten
D
  • Fehlen ursächlicher organischer Faktoren
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ICD-11toggle arrow icon

  • Eigenständig unter Schlaf-Wach-Störungen gelistet (nicht mehr unter den psychischen Störungen)
  • Mehr Informationen zur ICD-11 (deutsche Entwurfsfassung) unter: Tipps & Links
Einteilung der Insomnien nach ICD-11 [1]
Kurzzeitige insomnische Störung Chronische insomnische Störung
Auftreten
  • Mehrmals pro Woche
  • Dauer: <3 Monate
  • Mehrmals pro Woche
  • Dauer: ≥3 Monate

Symptome

  • Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten trotz angemessener Schlafbedingungen
  • Leidensdruck und Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten
  • Tagessymptome, bspw. Müdigkeit, depressive Symptome, Reizbarkeit, kognitive Defizite
  • Fehlen anderer ursächlicher Faktoren (bspw. andere Schlafstörung, organische/psychische Erkrankung oder Substanzeinnahme)
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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Differenzialdiagnostisch kommen alle Ursachen mit vermehrter Tagesmüdigkeit in Betracht, u.a.:

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Nicht-medikamentöse Therapie

Grundlagen der Insomniebehandlung

  • Gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport
  • Schlafhygiene
    • Regelmäßige Schlaf-Wach-Zeiten
    • Tag am Abend ausklingen lassen, bei Kindern Schlafritual durchführen
    • Ruhiges, dunkles, angenehm kühles Schlafzimmer und bequemes Bett
    • Einige Stunden vor dem Schlafengehen sollte das Folgende vermieden werden
      • Alkohol
      • Stimulanzien, insb. Kaffee und Nikotin
      • Große Mahlzeiten bzw. leerer Magen
      • Medienkonsum, bspw. über TV, Internet und Smartphone
      • Schwere körperliche Anstrengung
    • Nachts kein helles Licht anmachen
  • Stimuluskontrolle
    • Im Bett kein Arbeiten, Lesen oder Essen
    • Erst schlafengehen, wenn man müde ist
    • Bei (Wieder‑)Einschlafproblemen: Aufstehen, sich mit einer entspannenden Tätigkeit beschäftigen und erst bei Müdigkeit wieder ins Bett zurückkehren
    • Nachmittagsschlaf vermeiden; wenn überhaupt, dann max. bis 15 Uhr und max. 1 h
    • Schlafrestriktion (nur bei Erwachsenen)
    • Bei Kindern
      • Schlafen oder Zubettgehen nicht als Strafe verwenden
      • Ggf. sukzessives Verkürzen des Mittagsschlafes
  • Entspannungsverfahren, bspw. autogenes Training, progressive Muskelentspannung, imaginative oder meditative Verfahren

Emotional belastende Reizeinwirkung v.a. im Rahmen des Medienkonsums begünstigt Insomnien und ist insb. abends dringend zu vermeiden!

Das Bett sollte nur zum Schlafen verwendet werden! Ausnahme sind sexuelle Aktivitäten.

Zusätzliche Aspekte der Psychoedukation bei Insomnie im Kindes- und Jugendalter

  • Schlafberatung als Präventivmaßnahme, bspw. bei Vorsorgeuntersuchungen
    • Häufig fehlendes Bewusstsein bei Eltern und Kindern über die Bedeutung des erholsamen Schlafes für eine gesunde Entwicklung
  • Zusammenhang zwischen innerer Uhr und sozialen Zeitgebern
    • Säuglinge
      • Licht hat im frühen Säuglingsalter noch keine hinreichende Zeitgeberfunktion
      • Regelmäßiges Stillen als sozialer Zeitgeber ist der wichtigste Faktor zur Etablierung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus
      • Unnötiges nächtliches Stillen oder Füttern konditioniert wiederholtes Aufwachen und sollte daher vermieden werden
    • Kinder und Jugendliche
      • Stabile Rhythmen auch im späteren Lebensalter bedeutend für erholsamen Schlaf
      • Kinder mit regelmäßigen Zubettgeh- und Aufstehzeiten haben signifikant seltener Ein- und Durchschlafstörungen oder Tagesmüdigkeit als Kinder mit unregelmäßigen Schlaf-Wach-Zeiten
  • Schlafhygiene und Stimuluskontrolle
  • Einschlafrituale
    • Kurzes, etwa 10-minütiges Einschlafritual in Begleitung eines Elternteils
    • Zeit nehmen, den Tag im positiven Sinne Revue passieren zu lassen
    • Relativieren von auftretenden Sorgen und Ängsten, die dem Schlafen entgegenstehen
    • Ggf. Vorsingen eines Liedes oder Vorlesen kurzer Geschichten
    • Konfrontationen sollten nie(!) am Abend ausgetragen werden
  • Fördern der Eigenständigkeitsentwicklung des Kindes
    • Alleine einzuschlafen und nachts alleine wiedereinzuschlafen wird nur gelingen, wenn dem Kind auch tagsüber die Möglichkeit gegeben wird, sich von der Bezugsperson zu lösen
    • Ggf. vorübergehende Fremdbetreuung tagsüber
  • Umgang mit Medienkonsum [17]
    • Empfehlung für altersabhängige Maximaldauer pro Tag: Siehe Empfehlungen zur Bildschirmmediennutzung im Kindesalter
    • Spätestens nach dem Zubettgehen: Medienkonsum (insb. über das Smartphone) reduzieren
      • Maßnahmen möglichst mit anderen Eltern aus der Peergroup des Kindes absprechen – es fällt dem Kind leichter, eine mediale Auszeit zu nehmen, wenn seine Freunde auch nicht erreichbar sind
  • Therapeutischer Ansatzpunkt: Deeskalation der Eltern-Kind-Interaktion
    • Änderung der Schlafumgebung
      • Verhaltensplan in kleinen Schritten, möglichst unter Nutzung positiver Verstärkung durch symbolische Belohnung des Kindes bei Fortschritten
    • Therapeutisches Folgegespräch nach etwa 3 Wochen
    • Beratung von Jugendlichen oft erschwert durch pubertäre Noncompliance

Säuglinge sollten im Elternschlafzimmer bei einer Temperatur von 17–18 °C in einem separaten, evtl. ans Elternbett angedockten Bett in Rückenlage in einem Schlafsack schlafen – ohne(!) Kopfbedeckung, ohne(!) weitere Decke und ohne(!) Nestchen, Kuscheltiere, Himmel, Kopfkissen etc.

Nach anfänglicher Eingewöhnungszeit ist ein regelmäßiger Stillrhythmus förderlich für einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus!

Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn können die meisten Kinder und Jugendlichen mit einer chronischen Insomnie auf diese Weise erfolgreich therapiert werden!

Kognitive Verfahren [18]

Kognitive Verfahren kommen nur bei schwerer Symptomatik zum Einsatz, wenn eine reine Schlafberatung nicht zum Erfolg führt. Der Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) ist möglich

  • Verfahren insb. im Kleinkindalter
    • Positive Verstärkung: Belohnung des Kindes bei erfolgreichem Zubettgehen oder Wiedereinschlafen
    • Diskriminierung: Verstärkung des Zielverhaltens, schlafen zu gehen oder wieder einzuschlafen durch repetitive Ansagen
    • Shaping: Standardisierung der Abläufe durch immer wiederkehrende, aufeinanderfolgende Schritte
    • Positive Routine am Abend: Fördert in entspannender Atmosphäre das Einschlafen
    • Fading: Erleichtern des Einschlafens durch Anwesenheit eines Elternteils in der Einschlafsituation, bei Fortschritten schrittweises Reduzieren der Anwesenheit
    • Graduelle Extinktion [19]
      • Nach dem Zubettbringen verlassen die Eltern das Schlafzimmer
      • Bei ausbleibendem Beruhigen des Kindes kommen die Eltern nach wenigen Minuten zurück ins Zimmer
      • Nach kurzer Beruhigung des Kindes verlassen sie dann wieder das Zimmer
      • Zeit bis zum Wiederkommen jeweils um einige Minuten verlängern
  • Verfahren insb. bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Insb. Fading und graduelle Extinktion sind nur dann sinnvoll, wenn das Kind auch tagsüber an kurze elterliche Abwesenheiten gewöhnt ist (bspw. durch Versteckspiele oder vorübergehende Fremdbetreuung) und von seiner Reifeentwicklung her imstande ist, den Ablauf positiv umzusetzen!

Insb. bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verhindern oft stressbedingte Faktoren mit Grübeln und innerer Anspannung das Einschlafen und Wiedereinschlafen!

Medikamentöse Therapie bei Insomnie [3]

Eine medikamentöse Therapie erfolgt nur im Ausnahmefall bei ausgeprägter, persistierender Symptomatik. Im Kindes- und Jugendalter kommen zur medikamentösen Therapie nur Baldrian oder Melatonin zum Einsatz, während bei Erwachsenen eine Vielzahl an Medikamenten möglich ist. Bei vielen Medikamenten besteht ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeitsentwicklung, insb. infolge einer Langzeitanwendung bei chronischer Insomnie. Daher sollte die Verordnung von schlafinduzierenden Medikamenten möglichst kurz gehalten werden. Auch Bedarfsintervalltherapien können sinnvoll sein.

Schlafinduzierende Medikamente sollten generell zurückhaltend und möglichst nur für kurze Zeit verordnet werden!

Benzodiazepine oder andere Sedativa bzw. Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der 1. Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden.

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  • 60% der Ein- und/oder Durchschlafstörungen zeigen einen chronisch-persistierenden Verlauf [6]
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

F51.-: Nichtorganische Schlafstörungen

G47.-: Schlafstörungen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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