Zusammenfassung
Bandverletzungen des Knies entstehen häufig durch Rotationstraumen bei sportlicher Aktivität. Am häufigsten kommt es zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes, auch die Seitenbandstrukturen können verletzt werden. Die hintere Kreuzbandruptur ist hingegen relativ selten und wird schnell verkannt. Ein akuter Kniebinnenschaden äußert sich meist durch Schmerz und Funktionseinschränkung im Kniegelenk, bei intraartikulären Schäden oder Verletzungen der Gelenkkapsel kann ein ausgeprägter Gelenkerguss die Beweglichkeit komplett aufheben. Bei chronischer Schädigung beklagen Patienten v.a. ein Instabilitätsgefühl und das sog. Giving-Way-Phänomen. Bei akuter Verletzung der Bandstrukturen ist eine klinische Untersuchung häufig nur eingeschränkt möglich, die höchste Validität in der Darstellung möglicher Verletzungen wird in der MRT erreicht.
Insb. bei rupturierten Kreuzbändern und jungen Patienten mit hohem Belastungsanspruch wird die operative Versorgung bevorzugt. Hier erfolgt je nach betroffener Bandstruktur entweder eine Bandnaht ggf. mit zusätzlicher Augmentation oder ein Bandersatz mit der Semitendinosus- und/oder Grazilissehne. Sowohl bei konservativer als auch bei operativer Therapie ist meist eine mehrmonatige Pausierung sportlicher Aktivitäten mit schonendem Belastungsaufbau indiziert. Langfristig ist durch die veränderte Kniekinematik und vermehrte Belastung von Gelenkknorpel und Menisken das Risiko einer sekundären Gonarthrose erhöht.
Anatomische Übersicht der Kniegelenkligamente
Wichtige anatomische Bandstrukturen des Kniegelenks
- Lig. cruciatum anterius [1]
- Verbindung der medialen Fläche der lateralen Femurkondyle zur Area intercondylaris anterior der Tibia
- Kreuzung des hinteren Kreuzbandes in einem Winkel von 90°
- Funktionelle Bündeleinteilung
- Blutversorgung
- Proximal: Endäste der A. genus media
- Distal: Endäste der Aa. genus inferiores medialis und lateralis
- Lig. cruciatum posterius [2]
- Kräftigstes Ligament des Knies: 1,5-facher Durchmesser des vorderen Kreuzbandes
- Bestehend aus 2 Hauptbündeln
- Anterolaterales Bündel (85% des Volumens des hinteren Kreuzbandes): Ursprung in der „Notch“ des Femurs, Ansatz in der Fossa intercondylaris der Tibia, Anspannung in Flexion
- Posteromediales Bündel: Ursprung dorsokaudal des anterolateralen Bündels, Ansatz mediokaudal des anterolateralen Bündels, Anspannung in Extension
- Blutversorgung von dorsal
- A. genus media
- Aa. genus inferior medialis und lateralis
- Lig. collaterale tibiale (MCL)
- Bestehend aus 3 Anteilen: sMCL (oberflächlicher Anteil), dMCL (tiefer Anteil) und POL (hinteres Schrägband)
- Antagonist bei Valgusstress, Innen- und Außenrotation
- Lig. collaterale fibulare (LCL)
Präklinisches Management
- Ersteinschätzung
- cABCDE-Schema: Sicherung der Vitalfunktionen
- Überprüfung GCS
- Bei Hochrasanztrauma: Polytrauma bzw. Begleitverletzungen ausschließen!
- Für weitere Informationen siehe auch: Erste ärztliche Maßnahmen am Unfallort
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Unfallmechanismus und Gewalteinwirkung
- Orientierende Untersuchung mit Fokus Knie
- Basis-Monitoring: RR, EKG, Pulsoxymetrie
- Venöser Zugang und schmerzadaptierte Analgesie
- Bei leichten Schmerzen: Orales NSAR, bspw. Ibuprofen , alternativ Metamizol oder Paracetamol
- Bei starken Schmerzen : Piritramid
- Weitere (medikamentöse) Maßnahmen
- Zur Prophylaxe und Behandlung einer opioidinduzierten Übelkeit: Dimenhydrinat
- Unterstützung einer möglichst schmerzfreien Schonhaltung des Beins und lokale Kühlung
- Achsgerechte Immobilisierung und Transport: Primäre Schienung am Unfallort (bspw. mittels Vakuumschiene)
Vorgehen in der Notaufnahme
- Ersteinschätzung
- cABCDE-Schema: Sicherung der Vitalfunktionen
- Überprüfung GCS
- Bei Hochrasanztrauma: Polytrauma bzw. Begleitverletzungen ausschließen!
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Mit Fokus Knie
- Bspw. nach SAMPLE-Schema
- Prädisponierende Faktoren erfassen
- Venöser Zugang: Zur schmerzadaptierten Analgesie
- Monitoring: RR, EKG, Pulsoxymetrie
- Schmerzadaptierte Analgesie: Unter Berücksichtigung bereits erhaltener Medikamente
- Bei leichten Schmerzen und Vormedikation mit Opioiden: Basisanalgesie, bspw. Paracetamol , alternativ Metamizol
- Bei starken Schmerzen : Opioidanalgetikum, bspw. Piritramid
- Weitere medikamentöse Maßnahmen
- Anordnung einer Thromboseprophylaxe: Mind. für den Zeitraum der gelenkübergreifenden Immobilisation [3] (bspw. mit niedermolekularen Heparinen wie Certoparin , alternativ Enoxaparin )
- Behandlung und Prophylaxe einer opioidinduzierten Übelkeit: Dimenhydrinat
- Bildgebung
- Weitere therapeutische Maßnahmen
- Fortführung der Immobilisation und Entlastung an Unterarmgehstützen
- Bei starken Schmerzen und ausgeprägtem Kniegelenkserguss: Entlastungspunktion erwägen
Diagnostik
Anamnese
- Dolor: Schmerzlokalisation, -ausstrahlung, -verstärkung
- Tumor: Schwellung nach Trauma
- Functio laesa
- (Akute) Funktionseinschränkung: Streck- und Beugehemmung
- Gehstrecke und Gangunsicherheit (Giving-Way-Phänomen): Insb. bei (chronischen) Kreuzbandrupturen
- Unfallhergang
- Rotationstrauma? Landung nach Sprung?
- Rupturgeräusch oder Rissgefühl erinnerlich?
Körperliche Untersuchung
Inspektion
- Kniegelenksschwellung: Häufig aufgrund eines Kniegelenksergusses
- Vorderes Kreuzband: Bei 80–90% Kniegelenkserguss
- Hinteres Kreuzband: Selten Kniegelenkserguss
- Seitenbandrupturen: Kein Erguss
- Kontusionsmale: Hinweis auf ein Anpralltrauma
- Popliteales Hämatom: Schwellung der Kniekehle
- Veränderte Kniekontur: Bspw. Zurücksinken der Tibia gegenüber dem Femur
Palpation
- Druckschmerz
- Über dem Gelenkspalt: Bei Gelenkerguss
- Über den Ansätzen der Kollateralbänder: Bei Verletzung der Seitenbänder
- In der Kniekehle: Bei HKB-Ruptur
- Tanzende Patella: Bei Kniegelenkserguss
- Kapseldehnungsschmerz: Bei Kniegelenkserguss
- Kontrolle der pDMS: Zum Ausschluss einer Läsion des N. peroneus : Insb. bei Verletzung der posterolateralen Ecke
Funktionsuntersuchung
Orthopädische Untersuchung des Knies
- Valgus- und Varusstresstest: Aufklappbarkeit des Kniegelenks
- Isolierte MCL-Ruptur: Vermehrte Aufklappbarkeit im Valgusstresstest nur in 20° Flexion, keine Pathologie in Extension
- Schubladen-Test: Untersuchung beider Kreuzbänder
- Test der anterolateralen Rotationsstabilität: Vorderer Schubladen-Test mit Fuß in Innenrotationsstellung
- Test der anteromedialen Rotationsstabilität: Vorderer Schubladen-Test mit Fuß in Außenrotationsstellung
- Pivot-Shift- und Lachman-Test: Untersuchung des vorderen Kreuzbandes
- Spontane hintere Schublade (Gravity Sign): Untersuchung des hinteren Kreuzbandes
Weitere Tests
Weitere Tests zur Untersuchung des Knies | |||
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Test | Getestete Bandstruktur | Durchführung | Befund |
Aktiver Quadrizepstest |
|
| |
Tibial-Step-Off-Zeichen |
|
| |
Reversed Lachman-Test |
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Außenrotationstest |
|
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Bildgebung
Röntgen
- Indikation: Zum Ausschluss einer ossären Begleitverletzung und knöchernen Bandausrissen
- Durchführung
- Mögliche Befunde
- Knöcherne Ausrisse der Eminentia intercondylaris
- Avulsionsausriss des lateralen Kapsel-Band-Apparats: Segond-Fraktur
- Lateral Notch Sign in der seitlichen Ansicht: Impression der lateralen Femurkondyle durch Ausriss des vorderen Kreuzbandes
- Begleitfrakturen
- Arthrosezeichen
- Gelenkinkongruenz
Eine Patellafraktur ist häufig mit einer Ruptur des hinteren Kreuzbandes assoziiert!
MRT
- Indikation: Bei V.a. Kniebinnenschäden, Verletzung von Bandstrukturen und Weichteilen, Ausschluss von chondralen Verletzungen
- Mögliche Befunde
- Diffus signalangehobenes, aufgetriebenes, unscharf abgegrenztes Kreuzband
- Kontinuitätsverlust von Bandstrukturen im sagittalen und koronaren Bild
- Verändertes Signal der Bandstrukturen in der T2- und T1-Wichtung
- Detektion von Meniskus- oder osteochondralen Läsionen
Die MRT weist eine sehr hohe Sensitivität für Bandverletzungen auf!
Fakultative Diagnostik
- Ergusspunktion : Hämarthros bei Verletzung von Binnenstrukturen innerhalb der Gelenkkapsel, Fettaugen bei osteochondralen Begleitverletzungen
- Sonografie des Kniegelenks bei Gelenkerguss
- Gehaltene Aufnahmen: Bei V.a. eine chronische hintere Kreuzbandruptur
- <5–10 mm : Geringgradige Instabilität
- 10–15 mm: Mittelgradige Instabilität
- >15–20 mm: Höhergradige Instabilität
Vordere Kreuzbandruptur
Einteilung
- Ruptur: Gesicherte Konturunterbrechung des vorderen Kreuzbandes
- Insuffizienz: Aus der Ruptur resultierendes Funktionsdefizit des vorderen Kreuzbandes
- Lokalisation
- Intraligamentär
- Ossäre Bandausrisse an Femur oder Tibia
- Insb. bei Kindern: Ausriss der Eminentia intercondylaris
Epidemiologie
- Häufigste Bandverletzung, die zu einer veränderten Kniekinematik führt [4]
- Inzidenz: 50.000/Jahr in der gesamten deutschen Bevölkerung [5]
- Rupturhäufigkeit: VKB > HKB (9:1)
Vordere Kreuzbandrupturen sind viel häufiger als hintere Kreuzbandrupturen!
Ätiologie
- Rotationstrauma (z.B. beim Sport oder bei Verkehrsunfällen): Häufig
- Flexions-Valgus-Tibia-Außenrotationstrauma: Bspw. durch Einfädeln beim Skifahren
- Flexions-Varus-Innenrotationstrauma: Bspw. bei fixiertem Unterschenkel und gleichzeitiger Rotationsbewegung des Oberschenkels nach lateral
- Hyperextensionstrauma: Bspw. durch Umknicken
Diagnostik
- Klinische Untersuchung
- Positiver vorderer Schubladen-Test bei 90° Flexion
- Positiver vorderer Lachman-Test
- Positiver Pivot-Shift-Test
- Röntgen: Lateral Notch Sign
Sonderform: Unhappy Triad
- Definition: Vordere Kreuzbandruptur + mediale Seitenbandruptur + Meniskusläsion
- Unfallmechanismus: Flexions-Valgus-Rotationstrauma
Therapie
Allgemeine Maßnahmen
- Schmerz- und Schwellungsreduktion durch Schonung, Kühlung und Hochlagerung (Entlastungspunktion bei ausgeprägtem Erguss und starken Schmerzen erwägen)
- Medikamentöse Analgesie: Bei Bedarf (siehe: Vorgehen in der Notaufnahme - Bandverletzungen des Knies)
- Thromboseprophylaxe: Niedermolekulare Heparine (Enoxaparin oder Certoparin ) oder unfraktioniertes Heparin
- Für weitere Informationen siehe auch: Thromboseprophylaxe - Operative Eingriffe und Thromboseprophylaxe - Ambulante Situationen
Konservative Therapie
- Indikation
- Geringe Instabilität
- Höheres Alter und niedrige Belastungsanforderung
- Vorbestehende Arthrose
- Generelle oder lokale Kontraindikationen für eine operative Versorgung
- Verfahren
- Kurzzeitige Ruhigstellung in immobilisierender Orthese und Entlastung an Unterarmgehstützen
- Schmerzadaptierte Aufbelastung nach wenigen Tagen
- Physiotherapie mit geführten Übungen
- Muskelkräftigung durch gezieltes Aufbautraining
- Besonderheiten
- Funktionelle Orthesen: Nur bei zusätzlicher Seitenbandinstabilität
- Bei Bone Bruise: Keine Stoßbelastung für insg. 4 Wochen
Operative Therapie
Indikation
- Kombinierte Kniebinnenverletzung
- Funktionelle und objektivierbare Instabilität
- Junge und sportlich aktive Patienten mit hohem Belastungsanspruch
Zeitpunkt
- Innerhalb von 72 h posttraumatisch
- Alternativ: Nach 4–6 Wochen bei frei beweglichem, reizfreiem Kniegelenk
Verfahren
- Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mit autologem Sehnenmaterial (autologe Kreuzbandplastik) : Standard
- Zugang: Meist arthroskopisch
- Implantate
- Sehne des M. semitendinosus (plus ggf. Sehne des M. gracilis)
- Selten: Mittleres Drittel der Patellarsehne oder Teil der Quadrizepssehne
- Refixation knöcherner Abrissfrakturen
- Arthroskopische Reposition und Fragmentfixierung mittels kanülierter Kleinfragmentschraube
- Selten: Offene Reposition und Fixierung über einen posteromedialen Zugang
- Nicht mehr empfohlen: Vorbereitende oder diagnostische Arthroskopie
Postoperative Komplikationen
- Bei Verwendung der Patellarsehne als Implantat: Patellarsehnenruptur bzw. Patellafraktur
- Kniegelenksinfektion
- Nervenverletzung
- N. saphenus bei Verwendung eines Hamstring-Implantats
- R. infrapatellaris des N. saphenus bei Verwendung eines Patellarsehnenimplantats
- Transplantatversagen
Nachbehandlung
- Ziel: Vermeidung einer Überbelastung als auch einer Überprotektion mit vermehrter Ruhigstellung
- Hilfsmittel: Abhängig von OP-Methode und Implantatwahl
- Bewegungstherapie und Koordinationstraining: Frühzeitig unter physiotherapeutischer Anleitung
- Klinische Kontrollen: Regelmäßig für 8–12 Wochen
- Siehe: Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands
Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands
Allgemeines [6]
- Thromboseprophylaxe
- Basismaßnahmen
- Medikamentöse Prophylaxe : Siehe auch: Thromboseprophylaxe - Operative Eingriffe
- Stabilität
- Woche 1–2: Bewegungsstabilität
- Woche 3–12: Belastungsstabilität
- Ab Woche 13: Trainingsstabilität
Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands | ||
---|---|---|
Zeit | Behandlungsziel | Maßnahmen |
OP-Tag |
|
|
≤ Tag 1 |
|
|
≤ Tag 2 |
|
|
≤ Woche 2 |
|
|
≤ Woche 4 |
| |
≤ Woche 6 |
|
|
≤ Woche 12 |
|
|
≤ Woche 16 |
|
|
≥6. Monat |
|
|
≥9. Monat |
|
|
Hintere Kreuzbandruptur
Epidemiologie
- Seltene Verletzung: 2/100.000/Jahr
- Meist kombiniert mit weiteren Bandverletzungen
Ätiologie
- Sportverletzungen: Sturz auf das flektierte Knie
- Hochrasanztrauma
- Direktes, axiales Anpralltrauma des Knies von ventral: Dashboard Injury
- Häufig kombiniert mit Verletzungen der posterolateralen Ecke
Harner-Klassifikation der hinteren Kreuzbandruptur [7]
Harner-Klassifikation der hinteren Kreuzbandruptur | ||
---|---|---|
Grad | Hintere Schublade (Klinischer Schubladen-Test) | Tibial Step-Off |
1 |
|
|
2 |
|
|
3 |
|
|
Klinik und Diagnostik
- Kontusionsmale, popliteales Hämatom
- Druckschmerz in der Kniekehle
- Klinisch relevante Tests
- Schubladen-Test
- Gravity Sign
- Aktiver Quadrizepstest
- Tibial-Step-Off Zeichen
- Reversed Lachman-Test
- Siehe: Diagnostik - Bandverletzungen des Knies
Häufig ist die Klinik gerade bei isolierter Ruptur des hinteren Kreuzbandes nicht sehr prominent und wird verkannt. Deswegen ist eine ausführliche Untersuchung und Diagnostik essenziell!
Therapie
Konservative Therapie [8]
- Indikation
- Geringgradige Instabilität
- Isolierte Verletzung des hinteren Kreuzbandes
- Hintere Schublade <10 mm
- Verfahren: Konservative Therapie mit 12 Wochen Orthesenbehandlung
Konservative Therapie der hinteren Kreuzbandruptur | |||
---|---|---|---|
Zeitraum | Extension/Flexion | Belastung | Orthese |
Woche 1–6 |
| 24/7: Posterior-Tibial -Support-Schiene: In Streckung immobilisierende Kniegelenksorthese mit leichter Vorlagerung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel zur Vermeidung einer hinteren Schublade | |
Woche 7–12 |
|
|
- Komplikationen: Persistierende Instabilität und Schmerz
Operative Therapie
- Indikation
- Mittelgradige, hochgradige und kombinierte Instabilität
- Persistierende Instabilität und Schmerz nach frustranem konservativen Therapieversuch
- Verfahren: Arthroskopischer Bandersatz des anterolateralen Bündels mit autologem Transplantat in Doppelbündeltechnik
- Transplantat
- Semitendinosussehne oder Gracilissehne
- Seltener: Mittleres Patellarsehnendrittel, Quadrizepssehnendrittel, Allograft
- Zugänge: Lateraler hoher und tiefer Zugang, anteromedial hoher Zugang und dorsomedialer Zugang
- Transplantat
- Postoperative Komplikationen
- Bei Verwendung der Patellarsehne als Implantat: Patellarsehnenruptur bzw. Patellafraktur
- Kniegelenksinfekt
- Nervenverletzung
- N. saphenus bei Verwendung eines Hamstring-Implantats
- R. infrapatellaris des N. saphenus bei Verwendung eines Patellarsehnenimplantats
- Transplantatversagen
- Fixierte hintere Schublade
- Nachbehandlung: Siehe: Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des hinteren Kreuzbands
Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des hinteren Kreuzbands
Allgemeines [6]
- Thromboseprophylaxe
- Basismaßnahmen
- Medikamentöse Prophylaxe : Siehe auch Thromboseprophylaxe - Operative Eingriffe
- Stabilität
- Woche 1–6: Bewegungsstabilität
- Woche 7–16: Belastungsstabilität
- Ab Woche 17: Trainingsstabilität
Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des hinteren Kreuzbands | ||
---|---|---|
Zeit | Behandlungsziel | Maßnahmen |
OP-Tag |
|
|
≤ Tag 1 |
|
|
≤ Tag 2 |
|
|
≤ Woche 2 |
|
|
≤ Woche 4 |
|
|
≤ Woche 6 |
|
|
≤ Woche 9 |
|
|
≤ Woche 12 |
|
|
≤ Woche 16 |
|
|
≤ Woche 20 |
|
|
≥ 6. Monat |
|
|
≥ 12. Monat |
|
|
Seitenbandruptur des Kniegelenks
Mediale Seitenbandruptur (Innenbandruptur, Ruptur des Lig. collaterale mediale, MCL-Ruptur) [9]
Epidemiologie
Ätiologie
- Valgusstress, ggf. mit Rotation
- Meist direkte Krafteinwirkung auf das laterale Knie: Kontaktverletzung beim Sport
- Häufig in Kombination mit medialen Meniskusrupturen
Klassifikation der medialen Seitenbandruptur nach Hughston [10]
Klassifikation der medialen Seitenbandruptur nach Hughston | ||
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Schweregrad der Ruptur | Charakteristika | Mediale Aufklappbarkeit des Kniegelenks |
Grad I |
|
|
Grad II |
| |
Grad III |
|
Therapie
Konservative Therapie
- Indikation
- MCL-Ruptur Grad I + II
- Isolierte MCL-Ruptur Grad III ohne Retraktion der Bandstümpfe
- Verfahren
- Frühfunktionelle Mobilisation in gelenkführender Orthese mit freier Beweglichkeit
- Schmerzadaptierte Belastung
Operative Therapie
- Indikation
- Kombinierte Bandverletzungen von MCL und dorsomedialem Kapselapparat
- Ansatznahe Bandrupturen Grad III
- Retraktion der Bandstümpfe
- Chronische MCL-Ruptur bzw. Versagen der konservativen Therapie
- Verfahren
- Frische Ruptur: Primäre Bandnaht
- Ansatznahe Ruptur: Ggf. Fixierung mittels Fadenanker
- Chronische Ruptur: Bandersatz mittels Hamstring-Transplantat
- Nachbehandlung
- Tragen einer gelenkführenden Orthese mit Restriktion einer endgradigen Flexion
- Teilbelastung an Unterarmgehstützen mit ca. 10–20 kgKG für 4–6 Wochen
Mediale Seitenbandverletzungen sind häufiger als laterale!
Laterale Seitenbandruptur (Außenbandruptur) [2]
Ätiologie
- Meist Kombinationsverletzung mit Ruptur der Kreuzbänder
- Varusstress durch direktes Kontakttrauma
- Hyperextension durch ein Varusrotationstrauma
Diagnostik
- Laterale Aufklappbarkeit des Kniegelenks in Streckung und 20–30° Beugestellung
Therapie
Konservative Therapie
- Indikation
- Akute isolierte Teilinstabilität
- Geringe Aufklappbarkeit: <5 mm im Seitenvergleich
- Verfahren
- Immobilisation in einer Extensionsschiene
- Lokale Kühlung
- Ruhigstellung in Orthese für 2–4 Wochen mit axialer Belastung
- Schmerzadaptierte Aufbelastung
Operative Therapie
- Indikation
- Akute LCL-Ruptur mit deutlicher Aufklappbarkeit: >5 mm im Seitenvergleich
- Akute Avulsionsverletzung
- Dislozierte Bandstümpfe
- Rotationsinstabilität
- Chronische Instabilität
- Verfahren
- Frische Ruptur: Bandnaht, ggf. primäre Augmentation nach Larson
- Avulsionsverletzung: Ggf. Refixation mittels Fadenankern
- Chronische Ruptur: Bandplastik und primäre Augmentation nach Larson
Differenzialdiagnosen
- Traumatisch
- Kniegelenksnahe Frakturen: Distale Femurfraktur, Femurschaftfraktur, Fraktur des Tibiakopfes oder der Patella
- Kniegelenkluxation
- Patellaluxation
- Meniskusläsion
- Atraumatisch
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Prognose
- Erhöhtes Risiko für Meniskus- und Knorpelschäden durch Gelenkinstabilität und -inkongruenz
- Erhöhtes Risiko einer posttraumatischen Gonarthrose
Prävention
- Forciertes Training der Beinmuskulatur
- Koordinations- und Stabilisationstraining
- Adäquate Sportausrüstung
- Training von verletzungsträchtigen Bewegungsabläufen und Spielzügen
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
M23.-: Binnenschädigung des Kniegelenkes [internal derangement]
- Exklusive: Akute Verletzung – siehe Verletzungen des Knies und des Unterschenkels (S80–S89), Ankylose (M24.6‑), Deformität des Knies (M21.‑), Habituelle Luxation oder Subluxation (M24.4‑), Habituelle Luxation oder Subluxation der Patella (M22.0–M22.1), Krankheiten der Patella (M22.‑), Osteochondrosis dissecans (M93.2‑)
- M23.0-: Meniskusganglion
- M23.00: Mehrere Lokalisationen
- M23.01: Vorderhorn des Innenmeniskus
- M23.02: Hinterhorn des Innenmeniskus
- M23.03: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Innenmeniskus
- M23.04: Vorderhorn des Außenmeniskus
- M23.05: Hinterhorn des Außenmeniskus
- M23.06: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Außenmeniskus
- M23.09: Nicht näher bezeichneter Meniskus
- M23.1-: Scheibenmeniskus (angeboren)
- M23.10: Mehrere Lokalisationen
- M23.13: Innenmeniskus
- M23.16: Außenmeniskus
- M23.19: Nicht näher bezeichneter Meniskus
- M23.2-: Meniskusschädigung durch alten Riss oder alte Verletzung
- Alter Korbhenkelriss
- M23.20: Mehrere Lokalisationen
- M23.21: Vorderhorn des Innenmeniskus
- M23.22: Hinterhorn des Innenmeniskus
- M23.23: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Innenmeniskus
- M23.24: Vorderhorn des Außenmeniskus
- M23.25: Hinterhorn des Außenmeniskus
- M23.26: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Außenmeniskus
- M23.29: Nicht näher bezeichneter Meniskus
- M23.3-: Sonstige Meniskusschädigungen
- Meniskus:
- abgerissen
- degeneriert
- retiniert
- M23.30: Mehrere Lokalisationen
- M23.31: Vorderhorn des Innenmeniskus
- M23.32: Hinterhorn des Innenmeniskus
- M23.33: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Innenmeniskus
- M23.34: Vorderhorn des Außenmeniskus
- M23.35: Hinterhorn des Außenmeniskus
- M23.36: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Außenmeniskus
- M23.39: Nicht näher bezeichneter Meniskus
- Meniskus:
- M23.4: Freier Gelenkkörper im Kniegelenk
- M23.5-: Chronische Instabilität des Kniegelenkes
- M23.50: Mehrere Lokalisationen
- M23.51: Vorderes Kreuzband
- M23.52: Hinteres Kreuzband
- M23.53: Innenband [Lig. collaterale tibiale]
- M23.54: Außenband [Lig. collaterale fibulare]
- M23.57: Kapselband
- M23.59: Nicht näher bezeichnetes Band
- M23.6-: Sonstige Spontanruptur eines oder mehrerer Bänder des Kniegelenkes
- M23.60: Mehrere Lokalisationen
- M23.61: Vorderes Kreuzband
- M23.62: Hinteres Kreuzband
- M23.63: Innenband [Lig. collaterale tibiale]
- M23.64: Außenband [Lig. collaterale fibulare]
- M23.67: Kapselband
- M23.69: Nicht näher bezeichnetes Band
- M23.8-: Sonstige Binnenschädigungen des Kniegelenkes
- Bänderschwäche des Kniegelenkes Schnappendes Knie
- M23.80: Mehrere Lokalisationen
- M23.81: Vorderes Kreuzband
- M23.82: Hinteres Kreuzband
- M23.83: Innenband [Lig. collaterale tibiale]
- M23.84: Außenband [Lig. collaterale fibulare]
- M23.87: Kapselband
- M23.89: Nicht näher bezeichnetes Band
- M23.9-: Binnenschädigung des Kniegelenkes, nicht näher bezeichnet
- M23.90: Mehrere Lokalisationen
- M23.91: Vorderes Kreuzband oder Vorderhorn des Innenmeniskus
- M23.92: Hinteres Kreuzband oder Hinterhorn des Innenmeniskus
- M23.93: Innenband [Lig. collaterale tibiale] oder sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Innenmeniskus
- M23.94: Außenband [Lig. collaterale fibulare] oder Vorderhorn des Außenmeniskus
- M23.95: Hinterhorn des Außenmeniskus
- M23.96: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des Außenmeniskus
- M23.97: Kapselband
- M23.99: Nicht näher bezeichnetes Band oder nicht näher bezeichneter Meniskus
S83.-: Luxation, Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes und von Bändern des Kniegelenkes
- Exklusive: Binnenschädigung des Kniegelenkes (M23.‑) Luxation des Kniegelenkes: alt (M24.3‑), pathologisch (M24.3‑), rezidivierend (M24.4‑)
- Patella-Schäden (M22.0–M22.3)
- Verstauchung und Zerrung von Muskeln und Sehen in Höhe des Unterschenkels (S86.‑)
- S83.0: Luxation der Patella
- S83.1-: Luxation des Kniegelenkes
- Articulatio tibiofibularis
- S83.10: Nicht näher bezeichnet
- S83.11: Luxation der proximalen Tibia nach anterior
- Luxation des distalen Femur nach posterior
- S83.12: Luxation der proximalen Tibia nach posterior
- S83.13: Luxation der proximalen Tibia nach medial
- S83.14: Luxation der proximalen Tibia nach lateral
- S83.18: Sonstige
- S83.2: Meniskusriss, akut
- Korbhenkelriss:
- Außenmeniskus
- Innenmeniskus
- o.n.A.
- Exklusive: Alter Korbhenkelriss (M23.2‑)
- Korbhenkelriss:
- S83.3: Riss des Kniegelenkknorpels, akut
- S83.4-: Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes mit Beteiligung des (fibularen) (tibialen) Seitenbandes
- S83.40: Nicht näher bezeichnetes Seitenband
- Seitenbandriss o.n.A.
- S83.41: Distorsion des fibularen Seitenbandes [Außenband]
- S83.42: Distorsion des tibialen Seitenbandes [Innenband]
- S83.43: Riss des fibularen Seitenbandes [Außenband]
- Partieller oder kompletter Riss
- S83.44: Riss des tibialen Seitenbandes [Innenband]
- Partieller oder kompletter Riss
- S83.40: Nicht näher bezeichnetes Seitenband
- S83.5-: Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes mit Beteiligung des (vorderen) (hinteren) Kreuzbandes
- S83.50: Nicht näher bezeichnetes Kreuzband
- Kreuzbandriss o.n.A.
- S83.51: Distorsion des vorderen Kreuzbandes
- S83.52: Distorsion des hinteren Kreuzbandes
- S83.53: Riss des vorderen Kreuzbandes
- Partieller oder kompletter Riss
- S83.54: Riss des hinteren Kreuzbandes
- Partieller oder kompletter Riss
- S83.50: Nicht näher bezeichnetes Kreuzband
- S83.6: Verstauchung und Zerrung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Knies
- Tibiofibular (-Gelenk) (-Band), proximal
- Exklusive: Zerrung des Lig. patellae (S76.1)
- S83.7: Verletzung mehrerer Strukturen des Knies
- Verletzung des (Außen‑) (Innen‑) Meniskus in Kombination mit (Seiten‑) (Kreuz‑) Bändern
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.