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Injektionsanästhetika

Letzte Aktualisierung: 12.2.2025

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Bei den Injektionsanästhetika handelt es sich um eine pharmakologisch heterogene Gruppe von Medikamenten, deren gemeinsames Merkmal die hypnotische Wirkung ist. Der Einsatz erfolgt typischerweise zur kurzzeitigen oder auch längerfristigen Sedierung sowie zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie. Die meisten Wirkstoffe, die den Injektionsanästhetika zugerechnet werden, haben i.d.R. diverse mögliche Applikationsformen und sind in ihrer Anwendung nicht auf den anästhesiologischen Bereich beschränkt.

Propofol ist das bekannteste Injektionsanästhetikum und das Standardmedikament zur Narkoseeinleitung im klinischen Alltag. Etomidat wird aufgrund seiner geringen Beeinflussung der Hämodynamik v.a. bei Personen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko eingesetzt. Thiopental gehört zur Gruppe der Barbiturate und ist für alle Altersgruppen zugelassen. Ketamin bzw. Esketamin besitzt eine analgetische und sympathomimetische Wirkkomponente, weshalb es häufig in der Notfallmedizin verwendet wird.

Weitere Wirkstoffe, die bisweilen den Injektionsanästhetika zugerechnet werden, sind bspw. Midazolam, Dexmedetomidin sowie die primär in der Anästhesie verwendeten Opioide Fentanyl, Sufentanil, Alfentanil und Remifentanil.

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Übersichttoggle arrow icon

Einteilung [1][2]

Einteilung der Injektionsanästhetika
Wirkstoffgruppe Wirkstoffe
Diisopropylphenole
Phenylethylimidazole
Barbiturate
Allosterische NMDAR-Modulatoren

Benzodiazepine

Selektive α2-Adrenozeptor-Agonisten
μ-Opioid-Rezeptor-Agonisten

Charakteristika [2]

Charakteristika der Injektionsanästhetika
Wirkstoff Kreislauf (HZV) Atmung (AMV) Wirkbeginn Wirkdauer Besonderheiten
Propofol
  • 15–45 s
  • 5–10 min
Etomidat
  • (↓)
Thiopental
  • 20–30 s
  • Keine Altersbeschränkung
  • Schwere Gewebsnekrosen bei paravenöser oder arterieller Injektion möglich
  • Siehe auch: Nebenwirkungen von Thiopental
Ketamin bzw. Esketamin
  • (↓)
  • 45–60 s
  • 10–15 min
Midazolam
  • (↓)
  • 15–30 min
  • Geringe kardiovaskuläre Beeinflussung
  • Kumulationsneigung aufgrund aktiver Metaboliten
  • Paradoxe Reaktion möglich (Erregung statt Sedierung)
  • Anterograde und retrograde Amnesie
  • Siehe auch: Midazolam
Dexmedetomidin [12]
  • (↓)
  • Dosis- und applikationsabhängig [13][14]
  • Wenige Minuten
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Wirkungtoggle arrow icon

Allgemeine Wirkungen [2]

Allgemeine Wirkungen der Injektionsanästhetika
Propofol Etomidat [16][17] Thiopental Ketamin bzw. Esketamin Midazolam Dexmedetomidin

Hypnose

(✓)

Muskelrelaxierung

[18]

(✓)
Bronchodilatation [19] [20] [21] (✓) [22][23]

Analgesie

(✓) [24][25][26]

Amnesie [27] [20][28]

Alle Injektionsanästhetika wirken (in unterschiedlicher Ausprägung) hypnotisch, substanzspezifisch kommen weitere Wirkungen hinzu!

Ketamin bzw. Esketamin ist das einzige Injektionsanästhetikum mit analgetischer Wirkkomponente!

Wirkmechanismen und Rezeptoren

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Pharmakokinetiktoggle arrow icon

Allgemeine Pharmakokinetik [1][2][16][19][20][29][31][32][33][34]

Die zeitabhängige Plasmakonzentration der Injektionsanästhetika nach Bolusgabe lässt sich am besten durch das Drei-Kompartiment-Modell beschreiben, das für die meisten lipophilen Wirkstoffe anwendbar ist.

  • Kompartimente
  • Verteilung innerhalb der Kompartimente
    • Initiale Phase
      • Wirkstoffkonzentration nimmt in gut durchbluteten Organen schnell zu → Wirkeintritt im Gehirn
      • Plasmakonzentration nimmt schnell ab
      • Konzentrationsverlauf wird v.a. durch Umverteilung bestimmt, Geschwindigkeit der Verteilung v.a. abhängig vom HZV und vom Anteil der Organdurchblutung
    • Intermittierende Phase
      • Wirkstoffkonzentration nimmt in geringer durchbluteten Organen zu → Wirkung im Gehirn lässt nach
      • Plasmakonzentration nimmt langsamer ab
      • Konzentrationsverlauf wird v.a. durch Umverteilung und Rückverteilung bestimmt
    • Terminale Phase
      • Wirkstoffkonzentration nimmt in schlecht durchbluteten Organen zu → Anreicherung im Fettgewebe
      • Plasmakonzentration nimmt langsam ab
      • Konzentrationsverlauf wird v.a. durch Elimination bestimmt (terminale Metabolisierung)

Aufnahme und Verteilung [2][20]

Aufgrund ihrer hohen Lipophilie besitzen Injektionsanästhetika nach Bolusgabe typischerweise einen schnellen Wirkeintritt und eine kurze Wirkdauer!

Die Wirkdauer der Injektionsanästhetika wird nach Bolusgabe hauptsächlich durch Umverteilung in die Skelettmuskulatur bestimmt! [1]

Elimination [20]

Alle Injektionsanästhetika werden vorwiegend hepatisch metabolisiert und renal ausgeschieden!

Pharmakokinetische Parameter [20]

Pharmakokinetische Parameter der Injektionsanästhetika
Plasmaproteinbindung Halbwertszeiten nach Bolusgabe
Initiale Phase Intermittierende Phase Terminale Phase
Propofol
  • 98%
  • 2–4 min
  • 5–10 min
  • 4–11 h
Etomidat
  • 75%
  • 1,3–3,9 min
  • 3–7 min
  • 1–4,5 h
Thiopental
  • 65–90%
  • 2,4–15 min
  • 5–17 min
  • 5–22 h
Ketamin bzw. Esketamin
  • 20–30%
  • 2–4 min
  • 5–15 min
  • 2,5–3 h
Midazolam
  • 96%
  • 7–15 min [35]
  • 90–150 min
  • 1,5–4 h
Dexmedetomidin
  • 94% [31]
  • 6–8 min [12]
  • Keine Angabe
  • 2 h [12]
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Nebenwirkungtoggle arrow icon

Nebenwirkungen von Propofol

Für Propofol gibt es kein Antidot!

Nebenwirkungen von Etomidat [16]

Nebenwirkungen von Thiopental [19]

Nebenwirkungen von Ketamin bzw. Esketamin [20]

Nebenwirkungen von Dexmedetomidin [2][12]

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Propofol

Ketamin

Etomidat

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