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Gesichts- und Felsenbeinfrakturen

Letzte Aktualisierung: 5.3.2025

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Mittelgesichtsfrakturen werden nach Le Fort eingeteilt, frontobasale Gesichtsfrakturen nach Escher. Die häufigsten Gesichtsfrakturen sind jedoch Nasenbeinfrakturen sowie die einfache Fraktur von Jochbein (Os zygomaticum) und/oder Jochbogen (Arcus zygomaticus). Letztere können durch Kieferklemme und Monokelhämatom symptomatisch werden. Bei frontobasalen Frakturen und Felsenbeinquerfrakturen ist ein Liquorfluss aus der Nase möglich (Rhinoliquorrhö). Der Austritt von Liquorflüssigkeit lässt sich über das Vorhandensein von β2-Transferrin und/oder β-trace-Protein testen (wird auf einem Schwämmchen gesammelt), da diese Proteine weitestgehend spezifisch für den Liquor cerebrospinalis sind.

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Mittelgesichtsfrakturentoggle arrow icon

Mittelgesichtsfrakturen
Frakturtyp Bezeichnung Beteiligte Strukturen
Le Fort I Horizontaler Oberkieferbruch Basale Absprengung der Maxilla
Le Fort II

Pyramidenförmiger Oberkieferbruch

Absprengung der Maxilla inkl. knöcherner Nase
Le Fort III Transversaler Oberkieferbruch Hohe Absprengung des gesamten Mittelgesichts inkl. knöcherner Nase; die Fraktur führt durch das Os ethmoidale
  • Therapie: Operative Versorgung
    • Fixation mittels Platten- bzw. Miniplattenosteosynthese
    • Reposition der Frakturfragmente unter Einstellung der Okklusion

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Frontobasale Frakturen (Rhinobasisfrakturen)toggle arrow icon

  • Definition: Fraktur der basalen Anteile der vorderen Schädelgrube [1]
  • Epidemiologie und Ätiologie
  • Klassifikation: Bisher in der Klinik keine einheitlich durchgesetzte Klassifikation vorhanden, häufig wird die Klassifikation nach Escher zitiert
Frontobasale Frakturen (Rhinobasisfrakturen)
Frakturtyp nach Escher Bezeichnung Gewalteinwirkung Beteiligte Strukturen
Escher Typ I Hohe frontobasale Fraktur (ca. 65%) Auf das Os frontale Trümmerfraktur mit Beteiligung von Os frontale und Sinus frontalis
Escher Typ II Mittlere frontobasale Fraktur (ca. 15%) Auf die Stirnnasenwurzel Lamina cribrosa, Os ethmoidale und Os sphenoidale
Escher Typ III Tiefe frontobasale Fraktur (ca. 10%) Auf das Mittelgesicht mit Impression von Nasenwurzel und Os ethmoidale Abriss des Mittelgesichts von der Schädelbasis häufig mit Oberkieferfrakturmuster von Le Fort III
Escher Typ IV Laterale frontobasale Fraktur (ca. 10%) Von seitlich vorne Fraktur von Orbitadach und Hinterwand des Sinus frontalis

Symptome / klinisches Bild

Häufigste Ursache für eine Rhinoliquorrhö ist eine Fraktur der äußerst dünnen Lamina cribrosa (Teil des Os ethmoidale) im kranialen Anteil der Nasenhöhle!

Pulsierender Exophthalmus mit Nasenbluten weisen auf eine lebensbedrohliche Verletzung der A. carotis interna hin! [2]

Diagnostik

Die Diagnostik muss der Schwere des Traumas und dem Verletzungsmuster angepasst werden. Bei den meist intubierten und komatösen Patienten ist jedoch die initiale Untersuchung erschwert.

Therapie

Aufgrund der Lokalisation der Verletzung ist meist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Neurochirurgie, Ophthalmologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und/oder Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie erforderlich.

  • Ziele der Therapie
    • Dichter Verschluss von Duraverletzungen
    • Freie Stirnhöhlendrainage
    • Ästhetische Rekonstruktion
  • Allgemeine therapeutische Maßnahmen
    • Schnäuzverbot für ca. 2 Wochen
    • Abschwellende Nasentropfen für bspw. 3–5 Tage
    • Keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe bei Duraläsion empfohlen [4]
  • Konservatives Prozedere: Engmaschige, klinische Kontrollen bei nicht oder nur minimal dislozierten Frakturen ohne neurologische Verletzungen/Symptome [5]
  • Operatives Prozedere

Operative Verfahren [1][2]

  • Darstellung der Fraktur, Reposition und ggf. Osteosynthese [3]
    • Zugänge zur Darstellung der Fraktur: Bügelschnitt/koronarer Zugang, periorbital (Augenbraue oder Oberlid) und sofern vorhanden Nutzung bereits bestehender Wunden oder alter Narben („Gelegenheitszugänge“)
    • Osteosynthese durch Miniplatten oder Titangitter
  • Sicherstellung der freien Drainage der Nasennebenhöhlen durch endonasale Eröffnung
    • FESS (functional endoscopic sinus surgery): Minimalinvasive endoskopische Eröffnung der Nasennebenhöhlen mit Abtragung von Gewebe und Knochen an anatomischen Engstellen
  • Endoskopisch assistierte Duraplastik [1][2][5]
    • Kleine Defekte : Onlay-Technik
    • Mittlere Defekte: Mehrlagiger Verschluss mittels Onlay- und Underlay-Technik
      • Underlay: Auflage von Temporalisfaszie, Knorpel (z.B. vom Septum) oder Knochen (aus der Lamina perpendicularis)
      • Onlay: Analog zu kleinen Defekten
    • Große Defekte : Mehrlagiger Verschluss mittels Onlay- und Underlay-Technik
  • Offene neurochirurgische Duraplastik, bspw. durch gestielten Periostlappen oder künstlicher Dura mit ggf. zusätzlicher Auflagerung von Kollagenvlies mit Fibrinkleber

Autologe freie Transplantate können bis zu 20% an Größe schrumpfen; Defektränder sollen daher mind. 4 mm überlappen!

Nachsorge

  • Bei endonasaler Technik: Nasentamponade für 5–10 d
  • Postoperative Lagerung des Patienten mit erhöhtem Oberkörper (ca. 45°)
  • Bei posttraumatischer Riechstörung: Riechtraining

Komplikationen

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Laterale Mittelgesichtsfrakturen (Jochbein- und Jochbogen-Fraktur)toggle arrow icon

  • Definitionen[6]
  • Ätiologie: Trauma bei Sport oder Autounfällen
  • Symptome
  • Therapie
    • Konservativ
      • Indikation: Kann erwogen werden, wenn keine Dislokation sowie keine Funktionsbeeinträchtigung von Nachbarstrukturen besteht
      • Maßnahmen: Kontrollierte Verlaufsbeobachtung, physikalische Maßnahmen (Kühlung, abschwellende Nasentropfen) sowie funktionelle Entlastung (z.B. weiche Kost)
    • Operative Versorgung
      • Indikation: Bei dislozierten bzw. nicht-reponierbaren Frakturen, motorischen Funktionseinschränkungen der Augenmuskulatur und/oder Sensibilitätsstörungen des zweiten Trigeminusastes
      • Maßnahmen: Frakturreposition und osteosynthetische Fixation

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Nasenfrakturtoggle arrow icon

Epidemiologie und Ätiologie

  • Epidemiologie [2]
    • Häufigste Verletzung im Mittelgesicht
    • Altersmedian bei 27 Jahren
  • Ätiologie: Meist stumpfe Gewalteinwirkung von frontal oder lateral

Nomenklatur

Symptome / klinisches Bild

Sonderform [3][7]

  • NOE-Fraktur: Fraktur des nasoethmoidalen Komplexes mit Ausriss des medialen Lidbandes
    • Epidemiologie: 5–15% aller Gesichtsfrakturen bei Kindern und Erwachsenen
    • Körperliche Untersuchung
      • Doppelbildsehen
      • Ein-/beidseitig verbreiterter interkanthaler Abstand mit fehlender Fixation bei Zug am Ober- oder Unterlid nach lateral
      • Tränendes Auge bei Verletzung des Tränennasengangs (Ductus nasolacrimalis)
    • Besonderheiten bei der Therapie
      • Refixierung des medialen Lidbands zur Vermeidung von permanentem Doppelbildsehen und ästhetischer Einschränkung
      • Technik je nach Frakturmuster, bspw. mittels nicht-resorbierbaren Nähten, transnasaler Drahtligatur oder bei knöchernem Ausriss mittels Plattenosteosynthese

Diagnostik [8]

Je nach Präsentation sollten grob orientierend Begleitverletzungen durch eine Palpation des Mittelgesichts sowie durch eine Überprüfung der Sensomotorik, des Visus und der Okulomotorik ausgeschlossen werden.Ggf. kann zusätzlich eine unfallchirurgische Vorstellung zum Ausschluss weiter Verletzungen, insb. der HWS, sinnvoll sein.

  • Klinische Untersuchung
  • Anteriore Rhinoskopie
    • Inspektion des Naseneingangs mittels Nasenspekulum zum Ausschluss eines Septumhämatoms [9]
    • Palpation des Septums möglich, bspw. mittels Häkchen oder Pinzette
  • Ggf. zusätzliche Endoskopie der Nasenhaupthöhle (innerhalb von 1–3 Tagen nach Trauma)
    • Prüfung auf mögliche begleitende Nasenseptumfraktur
    • Ausschluss eines Septumhämatoms
    • Beurteilung einer Luxation des knorpeligen Septums von der Spina nasalis anterior
  • Apparative Diagnostik (bei rein klinischer Diagnose optional)

Therapie [8][9]

  • Therapieziele: Wiederherstellung der Ästhetik und freien Nasenatmung

Konservativ

Operativ

Komplikationen

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Felsenbeinfrakturtoggle arrow icon

Einteilung

Symptome

Diagnostik [12]

Gegenüberstellung der häufigen Formen der Felsenbeinfraktur
Aspekt Längsfraktur (ca. 60–70%) Querfraktur (ca. 10–20%)
Gewalteinwirkung
  • Seitlich
  • Frontal oder okzipital
Lokalisation
Schwerhörigkeit
Klinisches Bild
Otoskopie
  • Trommelfellriss
  • Stufenbildung an der Gehörgangshinterwand

Der Austritt von Liquorflüssigkeit lässt sich mittels β2-Transferrin im Sekret nachweisen!

Therapie

Prognose und Komplikationen

  • Längsfraktur
  • Querfraktur
    • Irreversibler Schaden von Hör- und Gleichgewichtsfunktion
    • Selten: Spätmeningitiden
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Orbitafrakturtoggle arrow icon

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Unterkieferfrakturtoggle arrow icon

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3D-Anatomietoggle arrow icon

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3D-Modell

Exkurse

Modellansicht

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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