ambossIconambossIcon

Portale Hypertension

Letzte Aktualisierung: 16.5.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Der Druck in der Pfortader kann aufgrund verschiedener Ursachen pathologisch erhöht sein, bspw. durch prä- (z.B. Pfortaderthrombose), intra- (z.B. Leberzirrhose) oder posthepatische Flussbehinderung (z.B. Rechtsherzinsuffizienz). Diese als „portale Hypertension“ bezeichnete Situation führt über einen Rückstau zur Ausbildung von Kollateralen an periumbilikalen, rektalen und gastralen/ösophagealen Venen sowie zu Splenomegalie und Aszites. Diagnostisch sind vor allem bildgebende Verfahren (z.B. Sonografie) hilfreich: Dabei zeigt sich eine Erweiterung der Pfortader und ihre genannten Folgen. Die Therapie umfasst sowohl die Behandlung der Grunderkrankung als auch die Senkung des Drucks durch nicht-selektive Betablocker wie Propranolol.

Eine gefährliche Komplikation der portalen Hypertension ist die Ösophagusvarizenblutung, bei der es akut zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust kommen kann. Therapeutisch sollte hier der Pfortaderdruck medikamentös gesenkt (z.B. mit Terlipressin durch Reduzierung der Splanchnikusdurchblutung) und eine endoskopische Blutstillung durchgeführt werden. Zur (Rezidiv‑)Prophylaxe kann neben der Ligatur von Ösophagusvarizen auch die transjuguläre Anlage eines intrahepatischen, portosystemischen Shunts (TIPS) erfolgen.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Ätiologietoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Klassifikationtoggle arrow icon

Klassifikation der portalen Hypertension mittels „hepatic venous pressure gradient“ (HVPG)

Der Portalvenendruck kann invasiv gemessen und folglich das Ansprechen auf eine drucksenkende Therapie geprüft werden.

Klassifikation und Risikostratifizierung der portalen Hypertension
HVPG in mmHg Klinik

Folgen/Risiken

2–5 Normaler Pfortaderdruck Keine
6–9 Portale Hypertension Kaum klinische Manifestationen
≥ 10 Klinisch signifikante portale Hypertension Aszites, Ösophagusvarizen, Hepatische Enzephalopathie, Eröffnung portokavaler Anastomosen
≥ 12 Klinisch riskante portale Hypertension Das Blutungsrisiko aus Ösophagusvarizen steigt deutlich an
≥ 20 Hochriskante portale Hypertension Schwer stillbare Blutungen häufig → TIPS-Indikation prüfen
Nach Reiberger T, Pathophysiologie der portalen Hypertension als Voraussetzung innovativer Therapien, Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen 2012; 10 (2), 28–33, Krause & Pachternegg

Paquet-Klassifikation von Ösophagusvarizen

Ösophagusvarizen-Klassifikation, modifiziert nach Paquet
Grad I Varizen überragen das Schleimhautniveau, verstreichen jedoch bei Luftinsufflation
Grad II Kaum in das Lumen vorgewölbte Varizen (≤ 1/3 des Ösophaguslumens), sind durch Luftinsufflation nicht mehr komprimierbar, i.d.R. noch ausreichender Schleimhautüberzug
Grad III Deutlich in das Lumen vorgewölbte Varizen (≤ 1/2 des Ösophaguslumens), die sich teils gegenseitig berühren; sog. „cherry red spots“ als Ausdruck einer Blutungsneigung und Schleimhautschädigung möglich
Grad IV Varizen füllen das Ösophaguslumen aus und ragen häufig bis ins obere Ösophagusdrittel, eine endoskopische Sicht ist meistens nur nach reichlicher Luftinsufflation möglich; „wale sign möglich

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Symptomatiktoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Diagnostiktoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Therapietoggle arrow icon

Medikamentöse Senkung des portalen Drucks

  • Präparat: Mittel der 1. Wahl: Propranolol (nicht-selektiver Betablocker)
    • Bei guter Verträglichkeit und Ausbleiben einer Bradykardie und/oder Hypotonie wöchentliche Steigerung um 10 mg pro Einzeldosis
    • Wirkung: Drucksenkung in der Pfortader vor allem durch β2-Inhibition
    • Alternativ
    • Therapieziele/Therapiesteuerung
      • Senkung des Ruhepulses auf 55/min bzw. Reduktion des Ruhepulses um 25% des Ausgangswertes
      • Medikamentöse Primär- und Sekundärprophylaxe einer Blutung bei Nachweis von Ösophagusvarizen (s.unten), Risikoreduktion um ca. 50%
    • Überprüfung einer Therapie: Sorgfältige Prüfung der Indikation bei Behandlung mit nicht-selektiven Betablockern und ggf. Dosisreduktion oder Pausieren insb. bei therapierefraktärem Aszites, SBP und/oder bei Vorliegen von

Bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose (Child C) verursacht die Betablockertherapie häufig eine Kreislaufdysregulation. Die negativen Effekte können überwiegen, entsprechend ist bei diesen Patienten besondere Vorsicht geboten!

Interventionelle/operative Therapieverfahren

Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS)

Alternative operative portosystemische Shuntverfahren: Komplette oder selektive Umleitung des Pfortaderblutes in die V. cava

  • Komplette portosystemische Shunts: Druckentlastung der gesamten Pfortader durch komplette Umleitung des Pfortaderblutes in die V. cava
    • Portokavale End-zu-Seit-Anastomose (PCA)
    • Portokavale Seit-zu-Seit-Anastomose
  • Selektive portosystemische Shunts: Partielle Umleitung des Pfortaderblutes mit Aufrechterhaltung einer portalen Restperfusion und Senkung des Pfortaderdruckes zur Vermeidung von Varizen
    • Mesenterico-cavaler H-Shunt
    • Distaler splenorenaler Shunt („Warren-Shunt“)
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Komplikationentoggle arrow icon

Ösophagusvarizenblutung

Definition

Die Ösophagusvarizenblutung ist eine Blutung aus erweiterten submukösen Venen des distalen Ösophagus, die infolge einer portalen Hypertension entstehen. Bei Patienten mit einer Leberzirrhose (häufigste Ursache der portalen Hypertension) sind Ösophagusvarizenblutungen die häufigste Form der gastrointestinalen Blutung.

Klinik

Diagnostik

Therapie der Ösophagusvarizenblutung

Akute Therapie

Bei begründetem Verdacht auf eine akute Varizenblutung soll eine intravenöse Therapie mit einem Vasokonstriktor (Terlipressin, Somatostatin oder Octreotid) noch vor der Endoskopie begonnen werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Notaufnahme 2)

Therapie nicht-blutender Ösophagusvarizen

  • Primärprophylaxe
    • Medikamentöse Senkung des portalen Drucks (s.o.) in allen Stadien
    • Endoskopische Ösophagusvarizenligatur (Gummibandligatur)
      • Indikation
        • Primärprophylaxe bei hohem Blutungsrisiko → Child B–C, Koagulopathie, Varizen ab Stadium II nach Paquet
          • Eine Kombination aus medikamentöser und interventioneller Prophylaxe ist bei guter Verträglichkeit sinnvoll, insb. in der Sekundärprophylaxe (s.u.)
        • Bei Kontraindikationen für eine Betablockertherapie großzügigere Indikationsstellung
      • Durchführung
        • Auch bei sehr stabilen Patienten unter stationären Bedingungen
        • Bei ausgedehnten Befunden mehrere Sitzungen mit Ligatur von 3–4 Varizensträngen pro Sitzung, der Abstand zwischen den endoskopischen Behandlungen beträgt i.d.R. 2–4 Wochen
        • Die Varize wird in eine Aufsatzkappe an der Spitze des Endoskops eingesogen. Über einen Ligator werden Gummibänder über die eingesogene Varize appliziert. Die Gummibänder schnüren die Varize unmittelbar mit Applikation ab. Bei erfolgreicher Applikation sollte eine ggf. vorliegende Blutung gestillt sein.
      • Komplikationen
        • Im Rahmen der Abschnürung der Varizen entstehen sog. Ligaturulzerationen, die zu einer Blutung führen können
          • Therapie mit PPI für 2-3 Wochen nach Ligaturtherapie zur Verminderung von Blutungskomplikationen
      • Kontrolle: 3 Monate nach abgeschlossener Ligaturtherapie, ggf. Nachligatur neu entstandener Stränge
  • Sekundärprophylaxe
    • Kombinierte Therapie mit medikamentöser Drucksenkung (z.B. Propranolol) und endoskopischer Varizenligatur bei residualen Varizen
    • Bei Blutungen trotz adäquater Prophylaxe → TIPS

Magenvarizen

  • Definition: Magenvarizen treten am häufigsten in der Fundusregion des Magens auf und können Ursache von Blutungen sein.
  • Akutbehandlung der Blutung
    • Medikamentös: Analog zu den allgemeinen Empfehlungen zur portalen Hypertension
    • Histoacryl-Injektion
      • Indikation: Große Varizen mit Blutungszeichen oder hohem Blutungsrisiko
      • Komplikationen: Thrombosen und Embolien im mesenterialen und pulmonalen Kreislauf, Ulzerationen nach Injektion
  • Sekundärprophylaxe: Medikamentöse Prophylaxe bei Magenvarizen nicht effektiv, sodass die Indikationsstellung zur Histoacryl-Injektion großzügig erfolgt

Portale Gastropathie (Gastropathia hypertensiva)

  • Definition: Portalhypertensiv bedingte Schleimhauthyperämie mit erosiven Anteilen, erhöhter Blutungsneigung und variabel ausgeprägter Dilatation der Magenschleimhautvenen. In der Endoskopie lassen sich ggf. ein Ödem der Schleimhaut, ein Mosaikmuster und eine Venektasie nachweisen.
  • Therapie
    • Medikamentöse Maßnahmen zur Senkung der portalen Hypertension (s.o.) und PPI-Therapie
    • Bei rezidivierenden Blutungsereignissen: TIPS-Anlage

Sonderfälle

  • Ektope Varizen (Rektum und Duodenum)
    • Definition: Portalhypertensiv bedingte Varizenbildung in atypischer Lokalisation
    • Therapie: Im Blutungsfall endoskopische blutstillende Maßnahmen
    • Prophylaxe: Ligatur analog zur Ösophagusvarizenligatur
  • GAVE-Syndrom (gastrische antrale vaskuläre Ektasie, Wassermelonenmagen)
    • Definition: Im Antrum lokalisierte, linear angeordnete oder auch diffuse venöse Ektasien mit angrenzenden Erosionen → Hohe Blutungsneigung
    • Ätiologie: Ungeklärt
    • Therapie: Behandlung von Blutungen und Blutungsprophylaxe durch Gummibandligaturen im Antrum und/oder Argon-Plasma-Koagulation (APC)
      • Die Senkung des portalhypertensiven Drucks zur Blutungsprävention ist nicht effektiv

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Portale Hypertension

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Probiere die Testversion aus und erhalte 30 Tage lang unbegrenzten Zugang zu über 1.400 Kapiteln und +17.000 IMPP-Fragen.
disclaimer Evidenzbasierte Inhalte, von festem ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.