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Von-Willebrand-Syndrom

Letzte Aktualisierung: 5.2.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das Von-Willebrand-Syndrom (vWS) ist eine seltene, angeborene oder erworbene Gerinnungsstörung, die sowohl die primäre Blutstillung als auch die sekundäre Blutstillung betreffen kann. Folglich können Symptome eines thrombozytären Blutungstyps (insb. Schleimhautblutungen) und eines plasmatischen Blutungstyps (großflächige Blutungen und Hämatome) gleichzeitig auftreten. Meist ist die Blutungsneigung jedoch nur schwach ausgeprägt und das vWS fällt erstmalig durch Blutungen im Rahmen invasiver Eingriffe auf. Anhand quantitativer oder qualitativer Veränderungen des Von-Willebrand-Faktors werden in erster Linie drei verschiedene vWS-Typen unterschieden. Erste diagnostische Hinweise können eine verlängerte Blutungszeit (durch gestörte Thrombozytenadhäsion) sowie eine erhöhte PTT (bei konsekutivem Faktor-VIII-Mangel) sein. Zur Bestätigung der Diagnose und Bestimmung des vWS-Typen ist allerdings eine spezifische Labordiagnostik erforderlich. Zur Therapie werden je nach vWS-Typ insb. Desmopressin und/oder Von-Willebrand-Faktor-Konzentrat verabreicht.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Insg. selten, weltweit jedoch häufigste angeborene Blutgerinnungsstörung [1]
  • Geschätzte Prävalenz: 0,6–1,3% [2]
  • Prävalenz symptomatischer Formen, die spezifisch therapiert werden müssen: 1:10.000 [2]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

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Klassifikationtoggle arrow icon

Das Von-Willebrand-Syndrom wird anhand quantitativer bzw. qualitativer Veränderungen des Von-Willebrand-Faktors in verschiedene Typen eingeteilt. Beim erworbenen Von-Willebrand-Syndrom handelt es sich meist um einen Typ 2. [5]

  • Von-Willebrand-Syndrom Typ 1 (häufigste Form): Leichter bis mittelschwerer Mangel bei intakter Funktion des vWF
  • Von-Willebrand-Syndrom Typ 2: Funktionseinschränkungen des vWF (Menge an vWF normal oder leicht vermindert) [8]
  • Von-Willebrand-Syndrom Typ 3 (seltenste Form): Schwerer vWF-Mangel
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Symptomatiktoggle arrow icon

Das Von-Willebrand-Syndrom geht mit einer Blutungsneigung unterschiedlicher Stärke einher. Häufig ist sie nur schwach ausgeprägt oder klinisch nicht auffällig und kann erstmalig durch starke oder verlängerte Blutungen im Rahmen von Verletzungen oder invasiven Eingriffen auffallen. Das Ausmaß hängt insb. vom bestehenden vWS-Typen ab.

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

  • Eigen- und Familienanamnese hinsichtlich Blutungsneigung
  • Screening anhand eines validierten Scores: Bspw. ISTH-SSC-BAT
    • Fragebogen zur Einschätzung 14 verschiedener Blutungssymptome
    • Bei auffälligen Werten : Hämatologische Abklärung
    • Für einen Link zum Fragebogen siehe auch: Tipps & Links

Labor

Übersicht: Laborkonstellationen bei Von-Willebrand-Syndrom

Laborkonstellationen bei Von-Willebrand-Syndrom [1][5]
Laborparameter Typ 1 Typ 2A Typ 2B Typ 2M Typ 2N Typ 3
Initialdiagnostik vWF-Antigen

Normal (↓) Normal (↓) Normal (↓)
vWF-Aktivität
Faktor-VIII-Aktivität Normal (↓) Normal (↓) Normal (↓) Normal (↓) ↓↓ ↓↓↓
Weiterführende Diagnostik Quotient: Aktivität/Antigen >0,7 <0,7 <0,7 <0,7 I.d.R. >0,7
Multimeranalyse Normal Mangel an hochmolekularen Multimeren Mangel an hochmolekularen Multimeren Normal Normal
RIPA Normal (↓) Normal (↓) ↑↑ Normal (↓) Normal

Bei von-Willebrand-Syndrom sollte immer eine Subklassifizierung erfolgen, weil die verschiedenen Typen unterschiedlich behandelt und vererbt werden!

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Therapietoggle arrow icon

Die spezifische Therapie ist abhängig vom vorliegenden Typ, dem Ausmaß einer akuten Blutung bzw. der allgemeinen Blutungsneigung sowie der Notwendigkeit einer Blutungsprophylaxe.

Medikamentöse Therapie bei Von-Willebrand-Syndrom

Desmopressin

  • Wirkmechanismus
  • Voraussetzung: Wirksamkeitsnachweis mittels Desmopressin-Test
  • Anwendung: Je nach vWS-Typ
    • Typ 1: Anwendung sinnvoll, i.d.R. wirksam
    • Typ 2A, 2M und 2N: Anwendung kann erwogen werden , allein häufig nicht ausreichend wirksam
    • Typ 2B: Anwendung kontraindiziert
    • Typ 3: Anwendung unwirksam
  • Anwendungshinweise
    • Gabe bei Blutungssymptomen oder ca. 1 h vor geplantem invasiven Eingriff
    • Regelmäßige Kontrollen von: Blutdruck, Herzfrequenz, Laborwerten (insb. Natrium und Serumosmolalität), Diurese und/oder Körpergewicht
    • Restriktion der Flüssigkeitszufuhr auf 1 L/d bis 24 h nach letzter Gabe
  • Applikation

Desmopressin ist bei Von-Willebrand-Syndrom Typ 2B kontraindiziert!

Desmopressin-Test

  • Indikation: Nachweis einer Wirksamkeit und Erfassung von Nebenwirkungen [6]
  • Durchführung
  • Beurteilung
    • Wirksamkeit
      • Mind. 2-facher Anstieg von vWF-Antigen-Konzentration und vWF-Aktivität sowie Faktor-VIII-Aktivität nach 30–60 min und
      • Anstieg von vWF-Antigen-Konzentration und vWF-Aktivität sowie Faktor-VIII-Aktivität auf >0,5 IE/mL (>50%) für mind. 4 h
    • Subtypspezifische Befunde (ggf. zusätzlich diagnostischer Wert)
      • Deutlicher Abfall der Thrombozytenzahl: V.a. vWS Typ 2B
      • Abfall der Faktor-VIII-Aktivität nach 4 h: V.a. vWS Typ 2N
      • Abfall der vWF-Spiegel nach 4 h: Erhöhte vWF-Clearance

Von-Willebrand-Faktor-Konzentrate

  • Indikation: Therapie oder Prophylaxe von Blutungen, wenn Desmopressin nicht (ausreichend) wirksam oder kontraindiziert ist
  • Anwendung: Je nach vWS-Typ
    • Typ 1: Insb. im Rahmen umfangreicher invasiver Eingriffe oder schwerer Verletzungen
    • Typ 2: Wenn Desmopressin nicht ausreichend wirksam oder kontraindiziert ist
    • Typ 3: vWF-Substitution erforderlich (ggf. ergänzend Faktor-VIII-Konzentrat)
  • Anwendungshinweis: Gabe bei Blutungssymptomen oder ca. 1–2 h vor geplantem invasiven Eingriff
  • Therapieziel: vWF-Aktivität >60 IE/mL (>60%) und Faktor-VIII-Aktivität >40 IE/mL (>40%)
  • Nebenwirkungen (sehr selten): Allergische Reaktionen, Fieber, Kopfschmerzen

Präparate

  • Humane Präparate
    • Kombinationspräparate (enthalten in unterschiedlichen Verhältnissen vWF und Faktor VIII)
      • Haemate
      • Voncento®
      • Wilate®
    • Reines vWF-Konzentrat (nur geringer Faktor-VIII-Gehalt)
      • Willfact®
      • Wenn rasche Korrektur der Blutgerinnung erforderlich und Faktor-VIII-Aktivität <40 IE/mL (<40%) oder unbekannt: Zusätzliche Substitution von Faktor VIII bei der 1. Gabe
      • Bei geplanten invasiven Eingriffen: Therapie 12–24 h vor dem Eingriff beginnen, 1 h vor dem Eingriff wiederholen
  • Rekombinantes vWF-Konzentrat (enthält keinen Faktor VIII)
    • Vonicog alfa (Veyvondi®)
      • Wenn rasche Korrektur der Blutgerinnung erforderlich und Faktor-VIII-Aktivität <40 IE/mL (<40%) oder unbekannt: Zusätzliche Substitution von rekombinantem Faktor VIII bei der 1. Gabe

Tranexamsäure

  • Indikation: Unterstützend bei Schleimhautblutungen (alle Typen)
  • Applikation

Therapie des erworbenen Von-Willebrand-Syndroms

Die Therapie des erworbenen vWS sollte an die Genese und den klinischen Zustand angepasst sein.

  • Identifikation und spezifische Behandlung der Grunderkrankung
  • Bei akutem Behandlungsbedarf: Spezifische medikamentöse Therapie (analog zur angeborenen Form )
  • Meldung von Fällen im internationalen Register (siehe: Tipps & Links)

Übersicht: Medikamentöse Therapieoptionen bei Von-Willebrand-Syndrom

Medikamentöse Therapieoptionen bei Von-Willebrand-Syndrom
Substanz Typ 1 Typ 2A Typ 2B Typ 2M Typ 2N Typ 3
Desmopressin (✓) Kontraindiziert (✓) (✓) Wirkungslos
vWF-Konzentrate
Tranexamsäure
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Nachsorgetoggle arrow icon

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Prognosetoggle arrow icon

  • Angeborene Formen: Gute Prognose bei Betreuung durch spezialisierte Zentren (auch bei schweren Formen) [2]
  • Erworbene Formen: Abhängig von der Grunderkrankung
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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