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Perinatale Asphyxie und hypoxisch-ischämische Enzephalopathie

Letzte Aktualisierung: 3.3.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die perinatale Asphyxie ist die häufigste Ursache zerebraler Schädigungen bei Neugeborenen. Verschiedene Ursachen wie Geburtskomplikationen (z.B. Uterusruptur, Plazentalösung) oder eine pulmonale Insuffizienz können dazu führen, dass die kindlichen Organe (insb. das Gehirn) vor, während oder unmittelbar nach der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dies führt u.a. zu einer schweren Azidose und kann in einigen Fällen eine hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) verursachen. Um die langfristigen Folgeschäden einer HIE zu reduzieren, sollten alle Neugeborenen mit perinataler Asphyxie zügig anhand klinischer Scores beurteilt und bei Erfüllung aller Einschlusskriterien innerhalb der ersten 6 Lebensstunden eine sog. Hypothermiebehandlung erhalten. Neben akuten Komplikationen wie Neugeborenenanfällen oder einer akuten Nierenschädigung kann eine perinatale Asphyxie mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie zu einer periventrikulären Leukomalazie mit intrazerebraler Zystenbildung (insb. bei Frühgeborenen) oder parasagittalen Hirnschädigungen (insb. bei reifen Neugeborene) führen. 10–20% aller Betroffenen entwickeln später eine Zerebralparese. Die Prognose ist abhängig vom Schweregrad der zerebralen Schäden.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Ursachen und Risikofaktoren einer perinatalen Asphyxie [1]
Ursachen Beispiele
Prä- oder perinatal
  • Gestörte Nabelschnurdurchblutung
Postnatal
  • Pulmonale Insuffizienz
  • Kardiale Insuffizienz
Weitere Einflüsse
Risikofaktoren
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Pathophysiologietoggle arrow icon

Das therapeutische Fenster bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie bei Neugeborenen beträgt ca. 6 h und liegt zwischen dem primären und sekundären Energiemangel!

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Symptomatiktoggle arrow icon

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Diagnostiktoggle arrow icon

Vorgehen bei V.a. perinatale Asphyxie

Diagnostik

Diagnosestellung

Der niedrige pH-Wert (Säureüberschuss) und der negative Base Excess (Basendefizit) entstehen u.a. durch eine Anhäufung von Lactat (Lactatazidose)!

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Vorgehen bei V.a. hypoxisch-ischämische Enzephalopathietoggle arrow icon

Diagnostik

Scores zur Schweregradbeurteilung einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie beim Neugeborenen

Sarnat-Score

Sarnat-Score [1]
Kategorie Kriterium Schweregrade
Leicht (I) Mittelschwer (II) Schwer (III)
1 Vigilanz
  • Wach
  • Lethargisch
2 Aktivität
  • Normal
  • Vermindert
  • Keine
3 Muskeleigenreflexe
  • Verstärkt
  • Verstärkt
  • Reduziert oder
  • Fehlend
Haltung
  • Normal
  • Schlaff
4 Tonus
  • Normal
  • Schlaff
5 Primitivreflexe Saugreflex
  • Aktiv
  • Schwach
  • Fehlend
Moro-Reflex
  • Verstärkt
  • Inkomplett
  • Fehlend
Greifreflex
  • Normal oder
  • Verstärkt
  • Verstärkt
  • Fehlend
Vestibulo-okulärer Reflex
  • Normal
  • Überschießend
  • Reduziert oder
  • Fehlend
6 Autonome Funktionen Pupillen
  • Dilatiert, reagibel
  • Eng, reagibel
  • Weit, entrundet, lichtstarr
Herzfrequenz
Atmung
  • Regelmäßig
  • Periodisch, unregelmäßg
Neugeborenenanfälle
  • Keine
  • Häufig
  • Häufig
EEG
  • Normal
  • Amplitudendepression (<25 μV)
  • Periodisch oder
  • Paroxysmal
  • Periodisch oder
  • Isoelektrisch
aEEG
  • Normal
  • Moderat abnorm
  • Schwer abnorm

Thompson-Score

Thompson-Score [2]
Kriterium Punkte
0 1 2 3
Muskeltonus
  • Normal
  • Erhöht
  • Reduziert
  • Fehlend
Vigilanz
  • Normal
  • Übererregbar
  • Lethargisch
Neugeborenenanfälle
  • Keine
  • Selten (<3/d)
  • Häufig (≥3/d)
Körperhaltung
  • Normal
  • Fäusteln/Tretbewegungen
Moro-Reflex
  • Normal
  • Partiell
  • Fehlend
Greifreflex
  • Normal
  • Schlecht
  • Fehlend
Saugreflex
  • Normal
  • Schlecht
  • Fehlend
Atmung
  • Normal
Fontanelle
  • Normal
  • Gut gefüllt, nicht gespannt
  • Gespannt

Diagnosesicherung [1]

Indikationsprüfung zur Hypothermiebehandlung

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Therapietoggle arrow icon

Vorgehen bei perinataler Asphyxie

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Hypothermiebehandlung bei HIE nach perinataler Asphyxietoggle arrow icon

Prinzip

Indikation

Bei Neugeborenen ≥36+0 SSW mit schwerer perinataler Asphyxie und mittelschwerer bis schwerer HIE ist innerhalb der ersten 6 Lebensstunden eine Hypothermiebehandlung indiziert!

Durchführung

Während der Hypothermiebehandlung erfolgt ein kontinuierliches aEEG-Monitoring, um rechtzeitig die Therapie bei Neugeborenenanfall einleiten zu können!

Nebenwirkungen

Die Halbwertszeit eingesetzter Medikamente (z.B. Midazolam für die Sedierung oder Phenobarbital bei Neugeborenenanfällen) kann durch die Kühlung verlängert sein!

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Nachsorgetoggle arrow icon

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Prognosetoggle arrow icon

  • Allgemein [1]
    • Milde HIE: Neurologische Entwicklung i.d.R. unauffällig
    • Moderate HIE: In 20–35% der Fälle mit Spätfolgen
    • Schwere HIE: In 75% der Fälle letal, ansonsten erhebliche Spätfolgen
  • Nach Thompson-Score [2]
    • Auswertung
      • Score max. <10 oder Score 0 am 7. Lebenstag: Neurologische Entwicklung voraussichtlich unauffällig
      • Score max. >15: In 92% der Fälle neurologische Spätfolgen
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

P20.-: Intrauterine Hypoxie

P21.-: Asphyxie unter der Geburt

P91.-: Sonstige zerebrale Störungen beim Neugeborenen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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