Zusammenfassung
Das Abdominaltrauma beschreibt den Folgezustand stumpfer oder penetrierender Gewalteinwirkungen auf das Abdomen. Ursachen stumpfer Verletzungen sind bspw. Stürze oder Verkehrsunfälle. Penetrierende Verletzungsmuster wie nach Schuss- oder Stichverletzungen sind in Europa eher selten. Die Schwere der Verletzungen variiert stark: Von häufigen, aber eher ungefährlichen Prellungen bis zu Polytraumata oder Gefäßverletzungen mit Massivblutung. Letztere gehen mit einer hohen Letalität einher. Ein gutes Schockraummanagement ist sehr wichtig, um rasch auf lebensbedrohliche Komplikationen zu reagieren. Diagnostisch stehen – neben der klinischen Untersuchung – bildgebende Verfahren wie Sonografie, Röntgen und CT im Vordergrund. Bei instabilen Patient:innen wird auf diese Diagnostik jedoch zugunsten einer raschen Therapie verzichtet. Dabei ist meist die explorative Laparotomie angezeigt, bei der dann im Sinne der Damage Control Surgery die Blutungs- und Kontaminationskontrolle im Vordergrund steht. Gegebenenfalls ist dazu ein zweizeitiges Vorgehen zur endgültigen Versorgung angezeigt.
Dieses Kapitel befasst sich mit traumatischen Abdominalverletzungen. Für nicht-traumatische Abdominalschmerzen siehe: Akutes Abdomen. Für traumatische Thoraxverletzungen siehe: Thoraxtrauma.
Epidemiologie
- Inzidenz bei Polytrauma: 20–40% [1][2][3][4]
- Meist stumpfes Abdominaltrauma (85–95%)
- Selten penetrierende Verletzung [5]
- Penetrierendes Abdominaltrauma: In 89% der Fälle Männer mittleren Alters betroffen [5]
Häufigkeit von Organverletzungen bei Abdominaltrauma [6] | ||
---|---|---|
Organsystem | Stumpfes Abdominaltrauma | Penetrierendes Abdominaltrauma |
Milz | 20–30% | 8–9% |
Leber | 15–20% | 29–34% |
Retroperitoneum | 10–15% | k.A. |
Mesenterium | 10% | 25–30% |
Niere | 9% | 14–17% |
Pankreas | 9% | 6–7% |
Dünndarm | 8% | 48–60% |
Dickdarm | 7% | 36–42% |
Magen | k.A. | 17–18% |
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
Stumpfes Abdominaltrauma [4][7]
- Definition: Traumatische Verletzung des Abdomens ohne Eröffnung des Peritoneal- und/oder Retroperitonealraumes
- Äußerliche Verletzungen meist nur oberflächlich
- Typische Ursachen
- Arbeits- bzw. Verkehrsunfall
- Sturz aus großer Höhe
- Sport- bzw. Freizeitunfall
- Körperliche Gewalt
- Mechanismen der Organverletzung
- Quetschung (bspw. gegen die Wirbelsäule)
- Lazeration (insb. von fixierten Strukturen)
- Ruptur bzw. Berstung (ggf. auch zweizeitig)
- Abriss bzw. Ausriss (insb. der Blutgefäße)
- Indikatorverletzungen [6]
- Rippenserienfraktur 4.–7. Rippe rechts: Verletzung von Leber und/oder Niere rechts
- Rippenserienfraktur 4.–7. Rippe links: Verletzung von Milz und/oder Niere links
- Wirbelkörperfraktur Th12–L1: Verletzung von Pankreas und/oder Duodenum
Penetrierendes Abdominaltrauma [1][5]
- Definition: Traumatische Verletzung des Abdomens mit Eröffnung des Peritoneal- und/oder Retroperitonealraumes
- Äußerliche Verletzungen immer tief (Durchdringen der Haut und der darunterliegenden Gewebsschichten)
- Typische Ursachen
- Meist Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen
- Seltener Explosions- oder Pfählungsverletzungen
- Mechanismen der Organverletzung
- Direkte Läsion durch einen Fremdkörper
- Zusätzliche Schädigung durch kinetische bzw. thermische Energie möglich
Klassifikation
Bauchwandverletzungen [1][8]
Klassifikation nach Dennis
Klassifikation von Bauchwandverletzungen nach Dennis [1] | |
---|---|
Grad | Verletzung |
I | Subkutane Weichgewebskontusion mit/ohne Hämatom |
II | Hämatom der Bauchwandmuskulatur |
III | Diskontinuität eines Bauchwandmuskels |
IV | Komplette Diskontinuität der Bauchwandmuskeln |
V | Komplette Diskontinuität der Bauchwandmuskeln mit intraabdomineller Hernierung |
VI | Komplette Diskontinuität der Bauchwandmuskeln mit Eviszeration |
Klassifikation nach Berná
Klassifikation des Rektusscheidenhämatoms nach Berná [8][9] | |
---|---|
Typ | Verletzung |
I | Einseitiges intramuskuläres Hämatom (oval oder spindelförmig) |
II | Ein- oder beidseitiges intramuskuläres Hämatom (auch zwischen Muskel und Fascia transversalis) |
III | Beidseitiges extra- und/oder intramuskuläres Hämatom (mit Beteiligung des prävesikalen Raumes) |
Leber
Liver Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
---|---|
Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Gallenwege
Extrahepatic Biliary Tree Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
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Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Milz
Spleen Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
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Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
Pankreas
Pancreas Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
---|---|
Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Magen
Stomach Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
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Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Duodenum
Duodenum Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
---|---|
Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
Dünn- und Dickdarm
Small Bowel Injury Scale bzw. Colon Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
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Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Niere
Kidney Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | |
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Grad | Verletzung |
I |
|
II |
|
III |
|
IV |
|
V |
|
Extraparenchymale Gefäße
Abdominal Vascular Injury Scale der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) | ||
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Grad | Verletzung | |
I |
| |
II |
| |
III |
| |
IV |
| |
V |
|
Diagnostik
Eigen- bzw. Fremdanamnese
- Fokus auf genauem Erfassen des Traumazeitpunkts und -mechanismus
- Zusätzlich Erfragen von Verletzungsmuster, Symptomen und bisheriger Behandlung
- Erheben allgemeiner Informationen, bspw.
- Relevante Vorerkrankungen bzw. Voroperationen
- Bekannte Allergien bzw. Unverträglichkeiten
- Dauermedikation (insb. gerinnungshemmende Wirkstoffe)
Der Traumamechanismus ist von essenzieller Bedeutung für die weiteren Diagnostik- und Therapieentscheidungen!
Körperliche Untersuchung [1][2]
- Begrenzte Aussagekraft, Durchführung dennoch empfohlen
- Maßnahmen
- Erfassen der Vitalparameter
- Auskultation und Palpation des Abdomens, ggf. DRU
- Sorgfältige Inspektion aller Ein- und Austrittswunden
- Bei offenen Wunden ggf. vorsichtige Sondierung erwägen
- Bei Polytrauma Bodycheck und Vorgehen nach cABCDE-Schema
- Im Körper verbliebene Fremdkörper (insb. Messer) zunächst nicht manipulieren
- Typische klinische Zeichen einer (intra)abdominellen Verletzung
- Abdomineller Schmerz bzw. Druckschmerz oder Sensibilitätsverlust
- Prellmarken durch den Anschnallgurt (Seat Belt Sign)
- Größere abdominelle Hautabschürfungen
- Subkutane Hämatome bzw. Ekchymosen
- Fluktuierende Weichteilschwellung
- Palpable Dehiszenzen bzw. Herniationen
- Gespanntes Abdomen mit hämodynamischer Instabilität
- Sichtbare Ruptur bzw. Perforation der Bauchdecke
- Befunddokumentation (bei Gewaltverbrechen ggf. auch strafrechtlich relevant)
Auch bei wachen Personen schließt ein unauffälliger Befund in der körperlichen Untersuchung eine relevante intraabdominelle Verletzung nicht aus! [10]
Durch Schocksymptomatik oder Begleitverletzungen können abdominelle Verletzungen verschleiert werden! [1]
Labordiagnostik
- Basisdiagnostik: Im Verlauf ggf. wiederholen
- (Bevorzugt arterielle) Blutgasanalyse
- Gerinnungsparameter
- Erweiterte Diagnostik: Nach klinischer Gesamtsituation
- Blutgruppenbestimmung mit Antikörpersuchtest
- Organspezifische Laborwerte
- Toxikologisches Screening
Art, Umfang und Frequenz der Labordiagnostik müssen an die konkrete klinische Situation angepasst werden!
Das Ausmaß einer traumainduzierten Koagulopathie kann durch die standardisierten Bedingungen der Labordiagnostik (konstante Temperatur mit Puffersubstanzen und Calziumüberschuss) verschleiert werden!
Bildgebende Diagnostik
- Sonografie: Gut zur initialen Einschätzung und zur Verlaufskontrolle geeignet
- Für die detaillierte Untersuchung bei hämodynamischer Stabilität siehe:
- Für die orientierende Untersuchung bei hämodynamischer Instabilität siehe: E-FAST
- Computertomografie: Goldstandard zur detaillierten Diagnostik des Verletzungsmusters bei Polytrauma
- Durchführung typischerweise als Ganzkörper-Computertomografie mit i.v. Kontrastmittelgabe [11]
- Bei isoliertem Abdominaltrauma ggf. auch einfache Röntgenaufnahme ausreichend
- MRT als mögliche Alternative bei hämodynamischer Stabilität mit vorliegender Kontraindikation gegen CT bzw. Röntgen
Bei schwerer hämodynamischer Instabilität aufgrund einer (vermuteten) intraabdominellen Verletzung muss ggf. auf eine bildgebende Diagnostik verzichtet und unmittelbar laparotomiert werden!
Invasive Diagnostik
- Explorative Laparoskopie [1]
- Voraussetzung: Hämodynamische Stabilität
- Indikation: Visuelle Beurteilung der Verletzungsschwere bzw. von Begleitverletzungen, bspw. bei
- Stichverletzungen mit unklarem Verletzungsausmaß
- Hinweisen auf Zwerchfellverletzungen [2]
- Durchführung siehe: Allgemeiner Ablauf einer laparoskopischen Operation
- Druck des Kapnoperitoneums möglichst niedrig halten
- Bei kleineren intraabdominellen Verletzungen ggf. unmittelbare chirurgische Therapie möglich
- Konversion auf offenes Verfahren bei Nachweis ausgeprägter intraabdomineller Verletzungen
Therapie
- Art und Umfang der Therapie abhängig von
- Verletzungsschwere
- Klinischer Symptomatik
- Bei Polytrauma: Priorisierung der therapeutischen Maßnahmen („Treat first what kills first“)
- Häufig dynamische Situation: Vorausschauendes Handeln und regelmäßige Reevaluation sinnvoll
- Frühzeitig Anlage großlumiger Infusionszugänge erwägen
- Hämodynamisches Monitoring bei Bedarf erweitern
- Kontrolluntersuchungen einplanen
- Für die allgemeinen Prinzipien der Notfallversorgung siehe:
Konservative Therapie
- Voraussetzungen [2][4]
- Hämodynamische Stabilität
- Ausschluss freier abdomineller Flüssigkeit
- Keine relevanten Begleitverletzungen
- Kein abdominelles Kompartmentsyndrom [1]
- Möglichkeit zur kontinuierlichen Überwachung
- Durchführung
- Versorgung oberflächlicher Verletzungen
- Bedarfsadaptierte Analgesie (siehe: Akutschmerztherapie in der Notaufnahme)
- Anlage einer Magensonde (bei Polytrauma oder V.a. Darmatonie) [12]
- Erforderliche Kontrolluntersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Sonografie des Abdomens nach 6 h [1]
- Blutgasanalyse und Laborwerte nach Klinikstandard
Zur initialen Überwachung einer konservativen Therapie nach Abdominaltrauma bietet sich die Aufnahme auf eine Intensiv- oder Intermediate-Care-Station an!
In ca. 15–20% der Fälle ist nach initialer konservativer Therapie doch noch eine operative Behandlung erforderlich! [1]
Operative bzw. interventionelle Therapie
Lokale Wundexploration und primärer Wundverschluss
- Indikation: Oberflächliche abdominelle Wunden mit intakter Faszie
- Durchführung
- Wundexploration
- Ggf. Ausräumen eines (subkutanen) Hämatoms
- Primärer Wundverschluss
- Anlage einer Redon-Drainage
Explorative Laparotomie (Goldstandard) [1][2]
- Typische Indikationen
- Stumpfes Abdominaltrauma mit Nachweis freier Luft oder Flüssigkeit
- Perforierendes Abdominaltrauma
- Im Körper verbliebene Fremdkörper
- Verletzung von Pankreasgängen
- Durchführung: Mediane Laparotomie in Rückenlage [10]
- Systematische Inspektion aller Quadranten der Bauchhöhle [1]
- Sorgfältige Begutachtung aller Organe (inkl. Bursa omentalis)
- Durchmusterung des kompletten Darms und Mesenteriums
- Mobilisation des Duodenums und Pankreaskopfes (Kocher-Manöver)
- Darstellung und Inspektion beider Ureteren
- Optional Kennzeichnung von Verletzungen
- Bei Hinweis auf zentrale Gallengangsverletzung ggf. intraoperative Cholangiografie bzw. Sonografie
- Bei V.a. Verletzungen des Rektums ggf. intraoperative Rektoskopie
- Zur Beurteilung der Harnblase ggf. Instillation von Methylenblau über einen Dauerkatheter
- Blutstillung [1][13]
- Manuelle Kompression (insb. bei venösen Blutungen)
- Selektive Ligatur , Umstechung, Naht, Elektro- oder Argonkoagulation
- Bei größeren Leberverletzungen ggf. Pringle-Manöver oder Packing
- Spezifische Therapie nach vorliegendem Verletzungsmuster
- Anlage einer Drainage und Wundverschluss
- Systematische Inspektion aller Quadranten der Bauchhöhle [1]
- Damage Control Surgery: Bei ausgedehnten Verletzungen bzw. kritischem Allgemeinzustand [10][14]
- Beurteilung des Verletzungsmusters im Vier-Augen-Prinzip
- Fokus auf Blutungs- und Kontaminationskontrolle
- Beschränkung des operativen Traumas auf das Mindestmaß (Dauer <60 min)
- Keine Anlage primärer Darmanastomosen bzw. eines Enterostomas
- Temporärer Bauchdeckenverschluss (Laparostoma)
- Second-Look-Operation bzw. definitive Versorgung im Verlauf
- Laparostoma-Anlage: Bei ausgeprägter Kontamination bzw. Peritonitis, starker Wunddehiszenz oder geplanter Relaparotomie [1][10][15]
- Auf ausreichende Ablaufmöglichkeit für Wundsekret achten
- Bei Verwendung eines Vakuumverbands Sog von 100–150 mmHg einstellen
- Frühestmöglichen Bauchdeckenverschluss anstreben
Die explorative Laparotomie ist der Goldstandard in der operativen Therapie nach schwerem Abdominaltrauma!
Bei ausgedehnten Verletzungen bzw. kritischem Allgemeinzustand sollte die operative Therapie nach dem Konzept der Damage Control Surgery durchgeführt werden!
Endovaskuläre Blutstillung
Antibiotische Therapie
Antibiotikaprophylaxe [16][17]
- Indikation: Penetrierendes Abdominaltrauma bzw. operativer Eingriff nach Abdominaltrauma
- Durchführung: Intravenöse Gabe idealerweise 30–60 min vor Hautschnitt
- Bei fehlender Hohlorganverletzung Single-Shot-Gabe ausreichend
- Bei Operationsdauer >2 h oder hohem Volumenumsatz repetitive Gabe erforderlich
- Bei hämorrhagischem Schock Dosiserhöhung um das Zwei- bis Dreifache erwägen [1]
- Wirkstoffe: Breitspektrumtherapie (Abdeckung des aeroben und anaeroben Erregerspektrums) [16][18]
- Ampicillin/Sulbactam [19]
- Cefazolin [20] und Metronidazol [21]
- Cefuroxim [22] und Metronidazol [21]
- Piperacillin/Tazobactam [23]
- Clindamycin [24]
Bei stumpfem, nicht operationspflichtigem Abdominaltrauma ist keine Antibiotikaprophylaxe erforderlich!
Antibiotikatherapie
- Indikation [16]
- Hohlorganperforation mit Peritonitis
- Postoperativ nicht-sanierter Infektfokus
- Durchführung: Intravenöse Gabe über 3–4 Tage, dann Reevaluation
- Wirkstoffauswahl nach klinischer Gesamtsituation, siehe:
Eine Antibiotikagabe >24 h ist nur bei Hohlorganperforation mit Peritonitis bzw. postoperativ nicht-saniertem Infektfokus indiziert! [16]
Spezielle Organverletzungen
Traumatische Verletzung der Bauchdecke [1][8][9]
- Besonderheiten
- Bauchdecke bei allen Formen des Abdominaltraumas mitbetroffen
- Zweizeitige Organruptur nach stumpfem Abdominaltrauma möglich
- Ort und Größe einer abdominellen Wunde nur bedingt aussagekräftig
- Spezielle Therapie
- Oberflächliche Wunden: Lokale Wundexploration und primärer Wundverschluss
- Morel-Lavallée-Läsion: Operative Hämatomausräumung [8]
- Rektusscheidenhämatom [8][9]
- Einseitig begrenztes intramuskuläres Hämatom (Typ I der Klassifikation nach Berná)
- Meist Kompression und lokale Kühlung ausreichend
- Stationäre Aufnahme i.d.R. nicht erforderlich
- Flächiges intra- und/oder extramuskuläres Hämatom (Typ II oder III der Klassifikation nach Berná)
- Optimierung der Gerinnung
- Ggf. operative Blutstillung und Hämatomausräumung
- Engmaschige Labor- und Sonografiekontrollen über 48 h
- Einseitig begrenztes intramuskuläres Hämatom (Typ I der Klassifikation nach Berná)
- Bauchmuskelruptur [8]
- Geringgradige Bauchmuskelverletzung (Grad I–III der Klassifikation nach Dennis)
- Meist konservative Therapie ausreichend
- Individuelle Indikationsstellung zur Hämatomausräumung
- Operative Versorgung bei drohender Inkarzeration abdomineller Organe
- Komplette Diskontinuität der Bauchmuskeln (Grad IV der Klassifikation nach Dennis)
- Laparotomie bzw. Laparoskopie mit Direktnaht
- Nach individueller Indikationsstellung auch konservative Therapie möglich
- Komplette Diskontinuität der Bauchmuskeln mit Hernierung bzw. Eviszeration (Grad V–VI der Klassifikation nach Dennis)
- Explorative Laparotomie
- Falls möglich primäre Rekonstruktion der Bauchdecke, ggf. mit Netzimplantation
- Bei Kontamination (bspw. durch eine begleitende Hohlorganverletzung) ggf. mehrzeitiges Vorgehen
- Geringgradige Bauchmuskelverletzung (Grad I–III der Klassifikation nach Dennis)
- Eviszeration: Operative Reposition der hernierten Darmanteile
- Großer Substanzverlust der Bauchwand: Temporärer Bauchdeckenverschluss (Laparostoma) und kontinuierliche Traktion
- Typische Komplikationen
- Wundheilungsstörungen
- Infizierung von Hämatomen
- Äußere Hernien [8]
Traumatische Verletzung der Leber [1][25]
- Besonderheiten
- Letalität bei Lebertrauma 10–25%
- Begleitende Verletzungen der Gallenwege möglich
- Spezielle Therapie
- Geringgradige Leberverletzungen (Liver Injury Scale Grad I–II): Konservative Therapie unter intensivmedizinischer Überwachung möglich
- Höhergradige Leberverletzungen: (Liver Injury Scale Grad III–V)
- Operative oder interventionelle Blutungskontrolle
- Befundabhängig ggf. atypische Leberresektion erforderlich (Resektionsdébridement)
- Leberhilusverletzungen
- Periphere Leckage / tangentiale Verletzung: Primäre Naht mit/ohne T-Drainage
- Zentrale Transsektion ohne Substanzverlust: End-zu-End-Choledocho-Choledochostomie
- Zentrale Transsektion mit Substanzverlust: Anlage einer biliodigestiven Anastomose
- Typische Komplikationen
- Nachblutung, Abszessbildung
- Ausbildung eines Bilioms bzw. einer Gallenfistel
Traumatische Verletzung der Milz
- Besonderheiten
- Zweizeitige Ruptur nach symptomfreiem Intervall möglich
- Siehe auch: Milzruptur
- Spezielle Therapie
- Kapselriss bzw. subkapsuläres Hämatom (Spleen Injury Scale Grad I)
- Bei hämodynamischer Stabilität: Konservative Therapie
- Bei hämodynamischer Instabilität: Operative Therapie
- Parenchymriss (Spleen Injury Scale Grad II–III)
- Bei hämodynamischer Stabilität: Intensivmedizinische Überwachung, ggf. Angioembolisation
- Bei hämodynamischer Instabilität: Operative Therapie
- Organfragmentierung, Hilusabriss oder Milzberstung: (Spleen Injury Scale Grad IV–V): Splenektomie
- Kapselriss bzw. subkapsuläres Hämatom (Spleen Injury Scale Grad I)
- Typische Komplikationen
- Massivblutung, hämorrhagischer Schock
- Infektion bzw. Abszessbildung
- Selten auch Pseudozysten der Milz oder Pseudoaneurysmen der Milzarterie
- Nach Splenektomie: Erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Sepsis (OPSI)
Traumatische Verletzung des Pankreas [1][25]
- Besonderheiten
- Meist Scherung/Quetschung gegen die Wirbelsäule
- Verletzung i.d.R. nur bei starker Gewalteinwirkung, daher häufig Begleitverletzungen an Hohlorganen
- Spezielle Therapie
- Isolierte Low-Grade-Verletzung (Pancreas Injury Scale Grad I–II): Konservative Therapie
- Anlage einer Magensonde
- Gabe eines Protonenpumpeninhibitors, bspw. Omeprazol [26]
- Initial Nahrungskarenz (ggf. mit parenteraler Ernährung), anschließend vorsichtiger Kostaufbau
- CT-Verlaufskontrolle nach 4–10 Tagen [27]
- Höhergradige Pankreasverletzungen: Operative Therapie
- Pancreas Injury Scale Grad III: Pankreaslinksresektion
- Pancreas Injury Scale Grad IV: Pankreatikoduodenektomie oder duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion mit Roux-Y-Rekonstruktion
- Pancreas Injury Scale Grad V: Pankreatikoduodenektomie
- Isolierte Low-Grade-Verletzung (Pancreas Injury Scale Grad I–II): Konservative Therapie
- Typische Komplikationen
- Arrosionsblutung
- Pankreasgangverletzung: Posttraumatische Pankreaspseudozyste , Pankreatitis, Pankreasfisteln, Abszesse, Sepsis
Traumatische Verletzung des Magens [1]
- Besonderheiten
- Traumatische Verletzung eher selten
- Schutz durch Rippenbogen und Nachbarorgane
- Ausweichmöglichkeit aufgrund der hohen Beweglichkeit
- Verletzung insb. durch Quetschung gegen die Wirbelsäule
- Hämatemesis bzw. kaffeesatzartiges Erbrechen als möglicher Hinweis auf eine Magenblutung
- Traumatische Verletzung eher selten
- Spezielle Therapie
- Oberflächliche Blutung bzw. geringgradige Lazerationen (Stomach Injury Scale Grad I): Endoskopische Therapie
- Höhergradige Magenverletzungen (Stomach Injury Scale Grad II–V): Explorative Laparotomie und Vorgehen nach Befund
- Typische Komplikationen
- Sepsis
- Ulcus ventriculi [28]
Traumatische Verletzung des Darms [1][6][10][25]
- Besonderheiten
- Erhöhtes Verletzungsrisiko bei vollem Darm
- Duodenumverletzungen: Duodenalsekret ist reich an (aggressiven) Verdauungsenzymen
- Dünndarmverletzungen: Ggf. längere Latenz bis zum Auftreten von Symptomen
- Dickdarmverletzungen: Selten isoliertes Auftreten
- Spezielle Therapie
- Duodenum
- Geringgradige Verletzungen (Duodenum Injury Scale Grad I–II)
- Ggf. konservative Therapie
- Bei Perforation: Explorative Laparotomie und Übernähung
- Höhergradige Verletzungen (Duodenum Injury Scale Grad III–IV)
- Explorative Laparotomie und Übernähung oder Segmentresektion
- Ggf. Gastroenterostomie zur Ausschaltung der duodenalen Nahrungspassage
- Geringgradige Verletzungen (Duodenum Injury Scale Grad I–II)
- Dünn- bzw. Dickdarm
- Geringgradige Verletzungen (Small Bowel Injury Scale bzw. Colon Injury Scale Grad I)
- Bei obstruktivem Wandhämatom: Konservatives Vorgehen, Anlage einer Magensonde
- Bei Organlazeration: Explorative Laparotomie und Übernähung
- Höhergradige Verletzungen (Small Bowel Injury Scale bzw. Colon Injury Scale Grad III–V)
- Explorative Laparotomie mit segmentaler Resektion und End-zu-End-Anastomose
- Dickdarmverletzungen: Primäre Anlage eines Kolostomas bei Massivtransfusion oder schweren Vorerkrankungen
- Geringgradige Verletzungen (Small Bowel Injury Scale bzw. Colon Injury Scale Grad I)
- Duodenum
- Typische Komplikationen
Traumatische Verletzung der Niere [29]
- Besonderheiten
- Auftreten fast ausschließlich im Zusammenhang mit einem Dezelerationstrauma
- Siehe auch: Traumatische Verletzungen der Niere und der ableitenden Harnwege
- Spezielle Therapie
- Hämodynamische Stabilität: Interventioneller Therapieversuch möglich
- Gilt prinzipiell für alle Nierenverletzungen (Kidney Injury Scale Grad I–V)
- Versuch der Blutungskontrolle durch selektive Angioembolisation
- Therapie nicht erfolgreich oder hämodynamische Verschlechterung: Explorative Laparotomie
- Hämodynamische Instabilität bzw. intrarenaler Fremdkörper: Operative Therapie
- Möglichst organerhaltende Therapie anstreben (insb. bei Personen mit nur einer Niere oder mit bilateraler Nierenverletzung)
- Nephrektomie bei arterieller Gefäßverletzung oder hochgradiger Parenchymschädigung häufig nicht zu vermeiden
- Hämodynamische Stabilität: Interventioneller Therapieversuch möglich
- Typische Komplikationen
- Arteriovenöse Fistelbildung
- Renale Hypertonie bei Parenchymschädigung
- Chronische Niereninsuffizienz durch Hydronephrose oder Nierenarterienstenose
Traumatische Verletzung großer abdomineller Gefäße [1][13][25]
- Besonderheiten
- Auftreten insb. bei penetrierendem Abdominaltrauma
- Am Torso (im Gegensatz zu den Extremitäten) keine direkte Blutungskontrolle mittels Kompression möglich
- Gefäßverletzungen besonders kritisch bei
- Fehlender Kollateralversorgung
- Schlechter anatomischer Erreichbarkeit
- Spezielle Therapie: Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß der Blutung
- Möglichkeit zur endovaskulären Blutstillung evaluieren
- Bei schwerer hämodynamischer Instabilität: Explorative Laparotomie und Vorgehen nach Befund
- Bei Verletzung der Aorta abdominalis: Okklusion (REBOA) oder Abklemmen der supradiaphragmalen Aorta erwägen
- Typische Komplikationen
- Massivblutung, hämorrhagischer Schock
- Neurologische Defizite durch Minderperfusion des Gehirns
Besondere Patientengruppen
Abdominaltrauma in der Schwangerschaft [30][31][32][33]
- Ursachen: Meist Verkehrsunfall oder häuslicher Sturz
- Besonderheiten
- Physiologische Anpassung der Organe und des Kreislaufs an die Schwangerschaft
- Thrombozytopenie bei 6–10% aller Schwangeren
- Spezielle Diagnostik
- CTG (Verlaufskontrolle!)
- Transabdominelle dopplergestützte Sonografie
- Vaginale Untersuchung (Blutung?)
- Bestimmung von fetalem Hämoglobin (HbF) im mütterlichen Blut
- CT aufgrund der Strahlenbelastung nach Möglichkeit vermeiden
- Spezielle Therapie: Anti-D-Prophylaxe (innerhalb von 72 h bei rhesus-negativen Müttern ab der 6. SSW) [6]
- Leichtes Trauma: Stationäre Überwachung für 24 h empfohlen
- Schweres Trauma: Explorative Laparotomie und Vorgehen nach Befund, ggf. Notsectio
- Komplikationen
- Vorzeitiger Blasensprung
- Vorzeitige Wehentätigkeit
- Plazentalösung (Abruptio placentae) [6]
- Uterusruptur [6]
Bei der Versorgung von Schwangeren sollte insb. im letzten Trimenon auf eine Linksseitenlagerung zur Vermeidung eines Vena-cava-Kompressionssyndroms geachtet werden!
Bei schwerem Abdominaltrauma kann der Fötus bereits im Schock sein, während die Mutter noch kompensiert ist!
Abdominaltrauma beim Kind [25][34]
- Ursachen: Meist Verkehrsunfall
- Besonderheiten
- Spezielle Diagnostik
- CT aufgrund der Strahlenbelastung nach Möglichkeit vermeiden
- Radiologische Diagnostik generell nach dem ALARA-Prinzip durchführen
- Spezielle Therapie
- Häufig konservative Therapie unter stationärer Überwachung ausreichend
- Keine zwingende OP-Indikation bei Nachweis freier intraabdomineller Flüssigkeit
- Bei gegebener Indikation zur operativen Therapie : Organerhaltende Therapie anstreben
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- Inklusive
- Abdomen
- Bauchdecke
- Flanke
- Exklusive
- Auswirkungen eines Fremdkörpers in:
- Erfrierungen (T33-T35)
- Fraktur der Wirbelsäule o.n.A. (T08.‑)
- Insektenbiss oder -stich, giftig (T63.4)
- Verbrennungen und Verätzungen (T20-T32)
- Verletzungen:
- Rücken o.n.A. (T09.‑)
- Rückenmark o.n.A. (T09.3)
- Rumpf o.n.A. (T09.‑)
S30.- Oberflächliche Verletzung des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- Exklusive: Oberflächliche Verletzung der Hüfte (S70.‑)
- Die folgenden fünften Stellen sind bei der Kategorie S30.- zu benutzen, um die Art der oberflächlichen Verletzung anzugeben:
- 0: Art der Verletzung nicht näher bezeichnet
- 1: Schürfwunde
- 2: Blasenbildung (nichtthermisch)
- 3: Insektenbiss oder -stich (ungiftig)
- 4: Oberflächlicher Fremdkörper (Splitter)
- 5: Prellung
- 8: Sonstige
- S30.1: Prellung der Bauchdecke
- Epigastrium
- Flanke
- Iliakalregion
- Inguinalregion
- Leiste
- S30.7: Multiple oberflächliche Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S30.8: Sonstige oberflächliche Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens [5. Stelle: 0-5,8]
- S30.9: Oberflächliche Verletzung des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens, Teil nicht näher bezeichnet [5. Stelle: 0-5,8]
S31.- Offene Wunde des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- Inklusive
- Offene Wunde des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens o.n.A.
- Offene Wunde mit Verbindung zu einer Fraktur, einer Luxation oder einer intraabdominalen Verletzung
- Benutze zusätzlich T89.0-, um das Vorliegen von Komplikationen wie Fremdkörper, Infektion oder verzögerte Heilung und Behandlung anzuzeigen.
- Exklusive
- Offene Wunde der Hüfte (S71.0)
- Traumatische Amputation von Teilen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens (S38.2-S38.3)
- S31.1: Offene Wunde der Bauchdecke
- Epigastrium
- Flanke
- Iliakalregion
- Inguinalregion
- Leiste
- Schambeinregion
- S31.7: Multiple offene Wunden des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S31.8: Offene Wunde sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Abdomens
- S31.80: Offene Wunde sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Abdomens
- S31.83: Offene Wunde (jeder Teil des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens) mit Verbindung zu einer intraabdominalen Verletzung
S35.- Verletzung von Blutgefäßen in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.0: Verletzung der Aorta abdominalis
- S35.1: Verletzung der V. cava inferior
- Vv. hepaticae
- Exklusive: V. cava o.n.A. (S25.2)
- S35.2: Verletzung des Truncus coeliacus oder der A. mesenterica
- Arteria gastrica
- Arteria gastroduodenalis
- Arteria hepatica
- Arteria lienalis
- Arteria mesenterica (inferior) (superior)
- Exklusive: Abriss des Milzhilus (S36.04)
- S35.3: Verletzung der V. portae oder der V. lienalis
- S35.4: Verletzung von Blutgefäßen der Niere
- A. renalis oder V. renalis
- S35.5: Verletzung von Blutgefäßen der Iliakalregion
- Arteria oder Vena iliaca
- S35.7: Verletzung mehrerer Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.8: Verletzung sonstiger Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.80: Verletzung epiduraler Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.81: Verletzung subduraler Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.82: Verletzung subarachnoidaler Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S35.88: Verletzung sonstiger Blutgefäße in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- Arteria oder Vena hypogastrica
- Arteria oder Vena ovarica
- Arteria oder Vena uterina
- S35.9: Verletzung eines nicht näher bezeichneten Blutgefäßes in Höhe des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
S36.- Verletzung von intraabdominalen Organen
- S36.0: Verletzung der Milz
- S36.00: Verletzung der Milz, nicht näher bezeichnet
- S36.01: Hämatom der Milz
- S36.02: Kapselriss der Milz, ohne größeren Einriss des Parenchyms
- S36.03: Rissverletzung der Milz mit Beteiligung des Parenchyms
- S36.04: Massive Parenchymruptur der Milz
- Abriss des Milzhilus
- Exklusive
- Verletzung der A. lienalis (S35.2)
- Verletzung der V. lienalis (S35.3)
- S36.08: Sonstige Verletzungen der Milz
- S36.1: Verletzung der Leber oder der Gallenblase
- S36.10: Verletzung der Leber, nicht näher bezeichnet
- S36.11: Prellung und Hämatom der Leber
- S36.12: Rissverletzung der Leber, nicht näher bezeichnet
- S36.13: Leichte Rissverletzung der Leber
- Rissverletzung, die nur die Kapsel betrifft oder ohne bedeutendere Beteiligung des Leberparenchyms (weniger als 1 cm tief)
- S36.14: Mittelschwere Rissverletzung der Leber
- Rissverletzung mit Beteiligung des Leberparenchyms, aber ohne größere Zerreißung des Parenchyms (weniger als 10 cm lang und weniger als 3 cm tief)
- S36.15: Schwere Rissverletzung der Leber
- Rissverletzung mit bedeutender Zerreißung des Leberparenchyms (mindestens 10 cm lang und mindestens 3 cm tief)
- Multiple mittelschwere Rissverletzungen, mit oder ohne Hämatom
- S36.16: Sonstige Verletzungen der Leber
- S36.17: Gallenblase
- S36.18: Gallengang
- S36.2: Verletzung des Pankreas
- S36.20: Teil nicht näher bezeichnet
- S36.21: Kopf
- S36.22: Körper
- S36.23: Schwanz
- S36.29: Sonstige und mehrere Teile
- S36.3: Verletzung des Magens
- S36.4: Verletzung des Dünndarmes
- S36.40: Dünndarm, Teil nicht näher bezeichnet
- S36.41: Duodenum
- S36.49: Sonstiger und mehrere Teile des Dünndarmes
- S36.5: Verletzung des Dickdarmes
- S36.50: Dickdarm, Teil nicht näher bezeichnet
- S36.51: Colon ascendens
- S36.52: Colon transversum
- S36.53: Colon descendens
- S36.54: Colon sigmoideum
- S36.59: Sonstige und mehrere Teile des Dickdarmes
- S36.6: Verletzung des Rektums
- S36.7: Verletzung mehrerer intraabdominaler Organe
- S36.8: Verletzung sonstiger intraabdominaler Organe
- S36.81: Peritoneum
- S36.82: Mesenterium
- S36.83: Retroperitoneum
- S36.88: Sonstige intraabdominale Organe
- S36.9: Verletzung eines nicht näher bezeichneten intraabdominalen Organs
S37.-: Verletzung der Harnorgane und der Beckenorgane
- Exklusive: Peritoneum (S36.81), Retroperitoneum (S36.83)
- S37.0: Verletzung der Niere
- S37.00: Verletzung der Niere, nicht näher bezeichnet
- S37.01: Prellung und Hämatom der Niere
- S37.02: Rissverletzung der Niere
- Mit Beteiligung von Nierenkapsel und Nierenbecken
- Kapselriss
- S37.03: Komplette Ruptur des Nierenparenchyms
- Nierenruptur
- S37.1: Verletzung des Harnleiters
S38.- Zerquetschung und traumatische Amputation von Teilen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- Exklusive: Wenn die Art der Verletzung bekannt ist (z.B. Prellung, Fraktur, Luxation, innere Verletzung), verschlüssele nur nach der Art der Verletzung
- S38.1: Zerquetschung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S38.3: Traumatische Abtrennung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- Exklusive: Querschnittverletzung in Höhe des Abdomens (T05.8)
S39.-Sonstige und nicht näher bezeichnete Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S39.0: Verletzung von Muskeln und Sehnen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S39.6: Verletzung eines oder mehrerer intraabdominaler Organe mit Beteiligung eines oder mehrerer Beckenorgane
- S39.7: Multiple Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S39.8: Sonstige näher bezeichnete Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S39.88: Sonstige näher bezeichnete Verletzungen des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
- S39.9: Nicht näher bezeichnete Verletzung des Abdomens, der Lumbosakralgegend und des Beckens
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.