Zusammenfassung
Die Röntgen-Thorax-Untersuchung ist ein im klinischen Alltag häufig eingesetztes Verfahren und nach der körperlichen Untersuchung oftmals der nächste diagnostische Schritt. Sie kann bspw. bei V.a. Pneumonie, zur Verlaufsbeurteilung einer kardiopulmonalen Stauung oder als Screening-Untersuchung vor einer Operation eingesetzt werden. Wichtig bei diesem Verfahren ist, den Befund immer in Zusammenschau mit der klinischen Symptomatik zu sehen, da sich sehr viele Krankheiten im Röntgenbild ähnlich darstellen und erst die Symptomatik den entscheidenden Hinweis gibt. In der Befundung ist dabei gerade für Anfänger wichtig, ein einheitliches Vorgehen beizubehalten, da Nebenbefunde ansonsten leicht übersehen werden – insb. wenn der Hauptbefund unmittelbar ins Auge springt. Dies wird dir in dem Kapitel Befundung eines Röntgen-Thorax erklärt.
In diesem Kapitel werden Differenzialdiagnosen zu Pathologien der einzelnen Thoraxregionen dargestellt, anhand ihrer Charakteristika näher erläutert und durch Beispielbilder mit Overlays verdeutlicht. Der Übersicht halber werden hier nur die häufigsten Differenzialdiagnosen genannt!
Pathologien der Thoraxwand - Weichteile
Differenzialdiagnosen bei Aufhellungen der Weichteile
- Weichteilemphysem
- Streifige und unregelmäßige Aufhellung im Weichteilmantel
- Bei der Maximalvariante ist eine Fiederung der gesamten Thoraxmuskulatur, v.a. des M. pectoralis, erkennbar
- Mögliche zugrunde liegende Erkrankungen:
- Z.n. thoraxchirurgischen Eingriffen oder Pneumothorax [1]
- Rippenfraktur
- Iatrogen
- Fortgeleitet durch ein Mediastinalemphysem
- Subkutanes Fettgewebe
- Meist glatt und regelmäßig berandete Aufhellung unmittelbar unterhalb der Haut
- Ist häufig als dünne, dunkle Linie an der lateralen Thoraxwand oder den Halsweichteilen erkennbar
Differenzialdiagnosen bei Verschattungen der Weichteile
- Weichteilhämatom
- Relativ homogene Verdichtung des Weichteilmantels
- I.d.R. ist anamnestisch ein Thoraxtrauma bekannt
- Weichteiltumoren
- Knotige Verdichtungen im sonst homogenen Weichteilmantel
- Meist scharf abgrenzbar
- Ggf. liegen Verkalkungen vor
- Bei Mamma-Verkalkungen sollte man differenzialdiagnostisch an das Fibroadenom oder die Fettgewebsnekrose denken
- Diffuse Ablagerungen von Calcium in Haut, subkutanem Gewebe und Muskeln bei Dermatomyositis und Polymyositis möglich
- Bei Verkalkungen im Bereich des Schultergelenks können systemische (chronische Niereninsuffizienz) und lokale (degenerative Prozesse der Sehnen) Faktoren zugrunde liegen
Veränderungen der Weichteile und des Knochens können sich auf die Lunge projizieren und intrapulmonale Veränderungen vortäuschen! [1]
Pathologien der Thoraxwand - Knochen
Differenzialdiagnosen bei Aufhellungen der Knochen
- Osteolytische Metastasen
- Unscharf begrenzte solitäre oder multifokale Aufhellungen, i.d.R. umschrieben
- Destruktion ganzer Knochenareale
- Keine Kortikalis mehr abgrenzbar
- Maligne primäre Knochentumoren
- Ewing-Sarkom und Chondrosarkome können typischerweise auch Rippen und Wirbelsäule betreffen
- Unscharf begrenzte unifokale Aufhellungen, i.d.R. umschrieben
- Ausgeprägte Osteolysen mit einzelnen Knocheninseln möglich (sog. Mottenfraß)
- Vermehrte Anlagerung von Knochen an die Kompakta (sog. Periostreaktion)
- Osteoporose
- Gesamtes Skelett: Diffuse Dichteminderung, verschmälerte Kortikalis, Dichteminderung der Spongiosa
- Insb. pathologisch veränderte Wirbelkörper: Rarefizierung der Trabekel mit Schwund der Spongiosabälkchen im Zentrum des Wirbelkörpers
- Vertikal gestreifte Wirbelkörper
- Rahmenwirbel
- Ggf. Wirbelkörperfrakturen
- Osteomalazie
- Kortikalis-Auflockerungen, verwaschene Knochenstruktur
- Deformationen: Kyphoskoliose, Glockenthorax
- Ggf. Kompressionsfraktur der Wirbelkörper
- Hyperparathyreoidismus
- Morbus Paget
- Fibröse Dysplasie
- Osteonekrosen
- Morbus Scheuermann
- Kyphose der Brustwirbelsäule bei Verkleinerung des ventralen Intervertebralraums
- Einstülpung von knorpeligem Bandscheibenmaterial in die Deck- oder Bodenplatte des Wirbelkörpers (Schmorl-Knötchen)
- Morbus Scheuermann
- Osteomyelitis
- Nach 2 Wochen lokalisierte bis diffuse Zerstörung von Spongiosa erkennbar, bei Affektion der Kortikalis auch Periostreaktionen möglich
- Im Verlauf Nekrotisierung, die sich röntgenologisch als Verschattung präsentiert
- Wird bei Befall von Wirbelkörpern und umgebenden Bandscheiben als Spondylodiszitis bezeichnet
Differenzialdiagnosen bei Verschattungen der Knochen
- Osteoblastische Metastasen
- Sklerotische multifokale Läsionen
- Unscharfe Begrenzung / Periostreaktionen
- Mögliche zugrunde liegende Erkrankungen:
- V.a. Prostatakarzinom
- Kallusbildung
- Kann nach einer abgeheilten Fraktur entstehen
- Meist rundliche, scharf begrenzte Verschattung im Verlauf des betreffenden Knochens
- Bei einer Rippenserienfraktur häufig Kallusbildung an gleicher Stelle an mehr als 3 Rippen
- Primäre Knochentumoren
- Siehe Beschreibung unter: Differenzialdiagnosen bei Aufhellungen der Knochen
- Morbus Bechterew
- Siehe Beschreibung unter: Konventionelles Röntgen bei Morbus Bechterew
- Osteopetrose
- Homogene, marmorierte Verdichtung der Knochenstrukturen
Differenzialdiagnosen bei Kontinuitätsunterbrechung der Knochen
- Frakturen
- Allgemeine radiologische Frakturzeichen: Kortikalis unterbrochen, Aufhellungslinien, Stufenbildung, Zerstörung der Trabekelstruktur, Fragmentdislokation
- Speziell bei Wirbelkörperfrakturen: Höhenminderung bzw. Deformation eines Wirbelkörpers, ggf. Anzeichen für Osteoporose sichtbar
- Epiphysenfugen [2]
- Im Kindes- und Jugendalter sind bis zum Abschluss des Längenwachstums die Epiphysenfugen als physiologische Kontinuitätsunterbrechung eines Röhrenknochens zu beachten
- Maligne primäre Knochentumoren [1]
- Siehe Beschreibung unter: Differenzialdiagnosen bei Aufhellungen der Knochen
- Chondrosarkom, Osteosarkom und Ewing-Sarkom können auch die Kortikalis betreffen und damit zur Kontinuitätsunterbrechung des Knochens führen
Pathologien des Zwerchfells
Differenzialdiagnosen des einseitigen Zwerchfellhochstands
- Phrenikusparese
- Unregelmäßige, bucklige Zwerchfellkontur bei unvollständiger Zwerchfelllähmung
- Ggf. radiologische Anzeichen für ein Bronchialkarzinom sichtbar
- Zwerchfelleventration [3] [4]
- Partielle Ausbeulung des Zwerchfells nach kranial (meist im Bereich der Zwerchfellkuppel)
- Zwerchfellruptur
- Traumatische Zwerchfellruptur kann Zwerchfellhochstand vortäuschen
- Normale Kontur des Zwerchfells ist nicht abgrenzbar
- Verlagerung von luftgefüllten Darmschlingen in den Thorax, die bis weit nach kranial reichen
- In manchen Fällen ist ein Luft-Flüssigkeits-Spiegel erkennbar
- In ausgeprägten Fällen ist eine Mediastinalverschiebung zur kontralateralen Seite erkennbar
- Abdominelle Prozesse
- Hepatomegalie, Lebertumoren
- Splenomegalie
- Subphrenischer Abszess
- Thorakale Ursachen
- Lungenhypoplasie
- Atelektase
- Pleuritis
- Z.n. Pneumonektomie
- Subpulmonaler Erguss kann Zwerchfellhochstand vortäuschen
- Skoliose
Differenzialdiagnosen des beidseitigen Zwerchfellhochstands
- Allgemein abdominelle Volumenzunahme
- Adipositas
- Schwangerschaft
- Aszites: Abdominell homogene Transparenzminderung
- Meteorismus: Luftgefüllte Darmschlingen
- Tumor: Abdominelle Verschattung
- Peritonitis
- Luftgefüllte Darmschlingen
Differenzialdiagnosen des einseitigen Zwerchfelltiefstands
- Spannungspneumothorax
- Meist einseitiger Zwerchfelltiefstand
- Fremdkörperaspiration mit Ventilmechanismus
Differenzialdiagnosen des beidseitigen Zwerchfelltiefstands
- Lungenemphysem
- Meist beidseitiger Zwerchfelltiefstand
- Abflachung der Zwerchfellkuppeln
- Asthma bronchiale
- Zeichen der Lungenüberblähung während eines Anfalls: Abgeflachtes Zwerchfell, verbreiterte Interkostalräume
- Bei längerem Bestehen: Ggf. Fassthorax
- Asthenischer Habitus
Pathologien des Oberbauchs
Differenzialdiagnosen bei subphrenischen Aufhellungen
- Freie abdominelle Luft (Perforation)
- Doppelkontrast von Darm- und Magenwand
- Luftsichel unterhalb der Zwerchfellkuppeln
- Aerobilie
- Magenblase
Differenzialdiagnosen bei subphrenischen Verschattungen
- Verkalkungen der Gallenblase
- Abdominelle Tumoren
- Kontrastmittel
Differenzialdiagnosen bei Spiegelbildung
- Ileus
- Dilatierte Darmschlingen
Pathologien der Pleura
Differenzialdiagnosen bei Raumforderungen und Verdickungen der Pleura
- Abgekapselter Erguss
- Ovale, homogen dichte Raumforderung, die der Thoraxwand anliegt bzw. sich konvex in die Lunge vorwölbt
- Interlobäre Ergüsse stellen sich spindelförmig oder als Rundherd dar [1]
- Zur Differenzierung zwischen Raumforderungen und einem abgekapselten Erguss helfen Voraufnahmen: Ein abgekapselter Erguss entsteht i.d.R. deutlich schneller als ein Tumor
- Pleuraempyem
- Ein Pleuraempyem kann im Röntgen-Thorax nicht sicher von einem Pleuraerguss unterschieden werden
- Extrapleurales Hämatom
- Ovale, homogen dichte Raumforderung, die der Thoraxwand anliegt
- Anamnestisch ist meist ein Thoraxtrauma vorhanden
- Pleuraschwarte/-schwiele
- Bei apikalen Schwielen kommen differenzialdiagnostisch eine abgelaufene Tuberkulose oder ein Pancoast-Tumor infrage
- Basale Lokalisation: Verschattung des Sinus phrenicocostalis mit Ausziehungen des Zwerchfells durch die Vernarbung (sog. Zwerchfelladhärenz)
- Größere Schwielen zeigen Verkalkungen und lassen sich als flächige Transparenzminderung abgrenzen
- Kann Hinweis auf eine vorausgegangene Asbestexposition sein
- Bei knotiger Konfiguration und einer Dicke von >1 cm sollte an eine maligne Raumforderung der Pleura gedacht werden
- Pleuramesotheliom
- Lateral liegende, der Pleura aufsitzende Verschattung
- Meist mit einem Pleuraerguss vergesellschaftet
- Zur Lunge hin bucklige/knotige Oberfläche
Differenzialdiagnosen bei Verschattungen des Randwinkels
- Pleuraerguss
- Meniskusartige Verschattung des costophrenischen Winkels
- Bei Liegendaufnahmen können Pleuraergüsse erst ab größeren Ergussmengen diagnostiziert werden (ca. 500 mL)
- Zwerchfellkontur unscharf
- Laterale Recessus verschattet
- Randsaumverbreiterung
- Homogen geminderte Strahlentransparenz des betroffenen Hemithorax [1]
- Liegt zusätzlich ein Pneumothorax vor, bildet sich ein Seropneumothorax mit Flüssigkeitsspiegel aus
- Unter Umständen sind die Ursachen des Pleuraergusses oder des Hämatothorax ebenfalls auf dem Röntgenbild erkennbar
- Hämatothorax
- Traumatisch bedingt oder iatrogen verursacht
- Ausgeprägter Weichteilmantel
- Basal liegende Verdickungen (siehe: Differenzialdiagnosen bei Raumforderungen und Verdickungen der Pleura)
Differenzialdiagnosen bei Sichtbarwerden einer Pleuralinie
- Pneumothorax
- "Pneulinie": Pleura visceralis als feine Haarlinie sichtbar
- Transparenzsprung: Im Bereich der Luftansammlung zeigt sich eine vermehrte Strahlentransparenz (der Bereich ist also "dunkler"), während das Lungengewebe partiell kollabiert ist und stärker die Röntgenstrahlen absorbiert (es ist also "heller")
- Abbruch der Gefäßzeichnung: Die Lungengefäße, die normalerweise bis in die Peripherie sichtbar wären, brechen an der "Pneulinie" ab
- Erguss im Interlobärspalt
- Scapularandschatten
- Vertikal verlaufende Hautlinien und Mammaschatten
Pathologien der Trachea
Differenzialdiagnosen bei Deviation der Trachea [5]
- Siehe Differenzialdiagnosen bei Mediastinalverlagerung
Differenzialdiagnosen bei Einengung der Trachea
- Äußere Kompression
- Pulmonalisschlinge: Rechter Hauptbronchus wird ebenfalls verdrängt
- Doppelter Aortenbogen: Ösophagus wird ebenfalls verdrängt
- Branchiogene Zyste: Bei subkarinärer Lage Überblähung meist einer Lunge durch Ventilmechanismus
- Säbelscheidentrachea
- Stenosierung
- Trachealstenose (z.B. durch Narbenzug, Striktur nach Langzeitbeatmung, Relapsing Polychondritis)
- Fremdkörperaspiration: Ggf. röntgendichtes Material sichtbar
- Tumoren
Weitere Differenzialdiagnosen
- Trachealdivertikel
- Meist etwa 5 cm unterhalb der Stimmritze lokalisiert
- Verkalkungen
- Verdichtung der Knorpelspangen
Pathologien der Lunge
Differenzialdiagnosen bei Transparenzminderung
Differenzialdiagnosen bei Konsolidierungen
- Pneumonie
- Bronchopneumonie
- Herdförmige, fleckige, multilobuläre sowie broncho-/alveoläre Konsolidierungen
- Meist bilateral, asymmetrisch, hauptsächlich die Lungenbasis betreffend
- In späten Stadien kein Bronchopneumogramm erkennbar
- Im Rahmen der Primärtuberkulose kann bei bronchogener Streuung ein radiologisches Bild resultieren, das der Bronchopneumonie ähnelt. Möglicherweise können dann zusätzlich Ringschatten im Sinne von Kavernen detektiert werden. In Verdachtsfällen ist eine CT indiziert.
- Aspirationspneumonie
- Diffuse Konsolidierung
- Je nach Material unterschiedliche Verteilung
- Bei stehenden Patient:innen sind eher die basalen Lungenareale, bei liegenden eher die posterioren Oberlappen- und kranialen Unterlappensegmente betroffen
- Lobärpneumonie
- Lokalisierte Konsolidierung: Alveoläre Infiltration eines Lappens/Segments
- Meist scharf begrenzter Flächenschatten mit positivem Bronchopneumogramm
- Durch ein begleitendes Ödem kann der Lappen an Volumen gewinnen und die Fissuren konvex nach außen drücken
- Evtl. begleitender Pleuraerguss
- Bronchopneumonie
- Lungenödem
- Kardiales Lungenödem
- Schmetterlingsform
- Zeichen der Herzinsuffizienz: Vergrößertes Herz, Kerley-Linien, unscharf begrenzte Lungengefäße, basoapikale Umverteilung der Lungendurchblutung mit Vergrößerung der Lungengefäße in den Oberlappen
- Nicht-kardiales Lungenödem
- I.d.R. keine Schmetterlingsform, keine Zeichen der Herzinsuffizienz
- Bspw. im Rahmen eines Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS): Bilaterale diffuse Verschattungen mit positivem Bronchopneumogramm, ohne Veränderung der Herzgröße und initial ohne Pleuraergüsse
- Kardiales Lungenödem
- Atelektase [6]
- Volumenminderung → Umliegende Strukturen verschieben sich in Richtung der Atelektase (Zwerchfellhochstand, Mediastinal- und Hilusverlagerung)
- Fehlendes Bronchopneumogramm
- Homogene Transparenzminderung
- Ggf. Silhouettenphänomen
- Lungenkontusion
- Fleckige Konsolidierungen nach bekanntem Thoraxtrauma
- Verschwinden i.d.R. innerhalb einiger Tage
- Lungeninfarkt
- Lokalisierte, meist keilförmige Konfiguration in der Peripherie
- Die Basis des Keils liegt der Thoraxwand an
- Lungentuberkulose
- Siehe Beschreibung unter Typische Radiologiebefunde bei Lungentuberkulose
- Mangelhafte Inspiration
- Beidseitig homogene Transparenzminderung des gesamten Lungenparenchyms
- Kein Bronchopneumogramm
- Adipositas
- Beidseitig generalisierte Transparenzminderung des Lungenparenchyms
- Kein Bronchopneumogramm
- Vor allem basal betont
- Auslaufender Pleuraergussbei liegenden Patient:innen
- Ein- oder beidseitig generalisierte Transparenzminderung des Lungenparenchyms
- Kein Bronchopneumogramm
- Vor allem basal betont, nach kranial auslaufend
- Ggf. Ursachen des Pleuraergusses erkennbar (Pneumonie, Herzinsuffizienz, Bronchialkarzinom)
Differenzialdiagnosen bei interstitiellem Verschattungsmuster
- Interstitielle/atypische Pneumonie [1][7]
- Feinfleckige, retikuläre oder streifige Zeichnungsvermehrung (meist beidseits)
- Streifenschatten sind bevorzugt perihilär sichtbar bzw. vom Hilus nach peripher ausgehend
- Kerley-Linien
- Kerley-A-Linien: Bis zu 5 cm lange Linien, von hilär nach apikal verlaufend
- Kerley-B-Linien: 1–2 cm lange, horizontale Streifenschatten in der basalen Peripherie
- Kerley-C-Linien: Feinmaschige, netzartige Zeichnungsvermehrung, die alle Lungenfelder betreffen kann
- Verteilungsmuster ist unabhängig von der Lage der zu behandelnden Person bzw. von der Schwerkraft[5]
- I.d.R. kein Bronchopneumogramm erkennbar
- Bei bakterieller Co-Infektion können zusätzlich unscharf begrenzte, konfluierende Fleckschatten auftreten
- Feinfleckige, retikuläre oder streifige Zeichnungsvermehrung (meist beidseits)
- Chronische Herzinsuffizienz
- Retikuläres Muster
- I.d.R. kein Bronchopneumogramm erkennbar
- Zeichen der Herzinsuffizienz: Vergrößertes Herz, Kerley-Linien, unscharf begrenzte Lungengefäße, basoapikale Umverteilung der Lungendurchblutung mit Vergrößerung der Lungengefäße in den Oberlappen
- Interstitielle Lungenerkrankungen
-
Sarkoidose
- Bihiläre Lymphadenopathie, Verkalkungen möglich
- Retikulonoduläre Zeichnungsvermehrung bis hin zur Lungenfibrose
- Silikose
- Idiopathische Lungenfibrose: Honigwabenmuster
-
Sarkoidose
- Lymphangiosis carcinomatosa
- Meist bilaterale, fleckige, retikuläre Veränderungen
- I.d.R. kein Bronchopneumogramm erkennbar
Differenzialdiagnosen bei homogener Verschattung einer Lungenhälfte
- Atelektase
- Mediastinalverlagerung zur betroffenen Seite
- Zwerchfellhochstand
- Generalisierte Transparenzminderung des Lungenparenchyms
- Pleuraerguss
- Mediastinalverlagerung zur gesunden Seite
- Zwerchfelltiefstand
- Generalisierte Transparenzminderung des Lungenparenchyms
- Spätstadium-Pneumonie
- Randsinus häufig frei
- Generalisierte Transparenzminderung des Lungenparenchyms
- Ungenaue Positionierung
- Siehe auch: Kriterien für eine zentrierte Aufnahme
- Homogene einseitige Verschattung einer gesamten Lunge
- Z.n. Mastektomie der Gegenseite
- Mamma-Schatten auf einer Seite nicht abgrenzbar
- Lungenaplasie, Lungenagenesie, Pneumonektomie
- Pulmonale Sequestration
Differenzialdiagnosen bei Lungenrundherden
- Bronchialkarzinom
- Poststenotische Atelektase, Pneumonie, seltener Überblähung mit Hypertransparenz [8]
- Corona radiata , Pleurafinger , Rigler-Nabelzeichen [8]
- Allgemeine Zeichen für Malignität: Unscharfe Begrenzung, schnelle Zunahme der Größe und Anzahl an Läsionen
- Begleitender Pleuraerguss möglich
- Metastasen
- Häufig multiple Rundherde, glatt begrenzt
- Benigne Tumoren
- Scharfe Begrenzung, vereinzelte Läsionen, langsames Wachstum
- Oft Verkalkungen vorhanden
- Aspergillom
- Raumforderung innerhalb einer präformierten Höhle
- Bildung einer Luftsichel möglich
- Postentzündliches Granulom
- Meist verkalkt
- Rundatelektase
- Tuberkulom [9]
- Solitäre, scharf begrenzte Raumforderung
- Umgebende, kleinere Satellitenläsionen häufig
- Kavernenbildung möglich
- Abszess
- Spiegelbildung möglich
- Echinokokkuszyste [10]
- Scharf begrenzte (multiple) Rundherde mit homogener Verschattung, bis zu 30 cm groß
- Lufteintritt mit Bildung einer Luftsichel und/oder Spiegelbildung innerhalb der Zyste möglich
Differenzialdiagnosen bei Ringschatten
- Zysten
- Echinokokkuszyste
- Embryonale Fehlentwicklungen
- Höhlen
- Abszesse (Lungenabszess, Amöbenabszess)
- Kavernen im Rahmen der Tuberkulose
- Emphysembullae
- Bronchialkarzinom
- Myzetom
- Zystische Bronchiektasen
- Intralobuläre Sequestration
Differenzialdiagnosen bei Transparenzerhöhung
- Lungenemphysem
- Destruktionsprozesse im Alveolarraum → Vergrößerung des Luftraums distal der terminalen Bronchiolen
- Rarefizierung der Gefäße → Verminderte Gefäßzeichnung mit Kalibersprüngen
- Bullae: Umschriebene Transparenzerhöhung, meist in Ringform
- Diffuse Transparenzerhöhung des gesamten Lungenparenchyms
- Sekundäre Veränderungen je nach Ausprägung: Tiefstehende Zwerchfellkuppeln, verbreiterte ICR, vergrößerter Retrosternalraum und Fassthorax
- Pneumothorax
- Abbruch der Gefäßzeichnung, ggf. „Pneulinie“ erkennbar
- Im Liegen sammelt sich die Luft ventral
- Z.n. Lobektomie
- Thromboembolie
- Swyer-James-Syndrom
Pathologien der Hilusregion
Differenzialdiagnosen bei einseitiger Vergrößerung
- Bronchialkarzinom
- Polylobulierte Vergrößerung
- Lymphknotenvergrößerung bei Tuberkulose
- Polylobulierte Vergrößerung
Bei einer einseitigen Hilusvergrößerung ist bis zum Beweis des Gegenteils von einem Bronchialkarzinom auszugehen.
Differenzialdiagnosen bei beidseitiger symmetrischer Vergrößerung
- Sarkoidose
- Polylobulierte Vergrößerung
- Infektiöse Mononukleose
- Polylobulierte Vergrößerung
- Silikose
- Polylobulierte Vergrößerung
- Pulmonalvenöse Stauung
- Erweiterung der Gefäße
- Tubuläre Vergrößerung
- Vitien
- Pulmonale Hypertonie
- Tubuläre Vergrößerung
Differenzialdiagnosen bei beidseitiger asymmetrischer Vergrößerung
- Lymphknotenvergrößerung
- Lymphknotenmetastasen
- Maligne Lymphome : Polylobulierte Vergrößerung
Pathologien des Mediastinums und des Herzens
Differenzialdiagnosen bei Raumforderungen des Mediastinums
- Lymphom
- Thymom
- Teratom
- Schilddrüsen-Struma
- Aortenaneurysma
- Lymphknotenmetastasen
- Bronchialkarzinom
- Ösophaguskarzinom
- Magenhernie
- Achalasie
- Neurogene Tumoren
- Wirbelsäulenmetastasen
Differenzialdiagnosen bei Mediastinalverlagerung
- Spannungspneumothorax
- Verlagerung des Mediastinums nach kontralateral (Tracheal-, Gefäß- und Herzverlagerung)
- Lunge teilweise oder vollständig kollabiert
- Zwerchfelltiefstand ipsilateral
- Ausgeprägter Pleuraerguss
- Verlagerung des Mediastinums nach kontralateral (Tracheal-, Gefäß- und Herzverlagerung)
- Z.n. Lobektomie/Pneumonektomie
- Verlagerung des Mediastinums nach ipsilateral (Tracheal-, Gefäß- und Herzverlagerung)
- Ausgeprägte Atelektase
- Verlagerung des Mediastinums nach ipsilateral (Tracheal-, Gefäß- und Herzverlagerung)
- Transparenzminderung / homogene Verschattung des betroffenen Lungenabschnitts
- Zwerchfellhochstand ipsilateral
Differenzialdiagnosen bei Vergrößerung des Herzens
Differenzialdiagnosen bei Vergrößerung der linken Herzkontur
- Vergrößerung des linken Ventrikels
- Linksherzinsuffizienz
- Chronische arterielle Hypertonie
- Aortenklappenvitium
- Mitralklappeninsuffizienz
- Vergrößerung des rechten Ventrikels
- Vergrößerung des linken Vorhofs
Differenzialdiagnosen bei Vergrößerung der rechten Herzkontur
- Vergrößerung des rechten Vorhofs
- Trikuspidalklappenfehler
- Vorhofseptumdefekt
Differenzialdiagnosen bei Vergrößerung des gesamten Herzens
- Perikarderguss
- Herzinsuffizienz
- Pulmonale Stauungszeichen bei Linksherzinsuffizienz: Vermehrte Gefäßzeichnung, perihiläres/interstitielles Lungenödem, basaler Pleuraerguss
- (Peri‑)Myokarditis
- Nur im Röntgen-Thorax sichtbar, wenn ein begleitender Perikarderguss besteht oder bereits eine Herzinsuffizienz eingetreten ist
Fremdmaterialien
Fremdmaterialien kommen im klinischen Alltag häufig vor (insb. auf der Intensivstation). Es ist deshalb wichtig, sie zu erkennen und die korrekte Lage beurteilen zu können.
Zentralvenöse und pulmonalarterielle Zugangssysteme
Katheterart | Lageverhältnis/Projektion in der Röntgenaufnahme |
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Zentraler Venenkatheter (ZVK) | Katheterspitze sollte sich in der VCS ca. 2 cm oberhalb der Mündung in den rechten Vorhof befinden |
Shaldon-Katheter | Katheterspitze sollte sich in der VCS kurz vor der Mündung in den rechten Vorhof projizieren |
Port | Das Reservoir sollte sich kaudal der Clavicula, die Katheterspitze etwa an der Mündung der VCS in den rechten Vorhof projizieren |
Pulmonaliskatheter (nach Swan/Ganz) | Lage nicht weiter als 2 cm abseits der Hilusgrenze, Beurteilung von anlagebedingten Komplikationen (Pneumothorax) und Verschlingungen des Katheters |
Herzschrittmachersysteme
Zur Beurteilung der korrekten Lage von Schrittmachersystemen: Siehe auch Radiologische Überprüfung der Schrittmacherlage!
Herzklappenersatzmaterial
Das röntgendichte Material künstlicher Herzklappen bzw. Clips o.Ä. findet sich häufig auf Röngenaufnahmen und kann meist recht guteiner bestimmten Lokalisation zugeordnet werden.
Weitere iatrogene Fremdkörper
Lageverhältnis/Projektionen der Röntgenaufnahme | |
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Intraaortale Ballonpumpe (IABP) | Nachweis einer röntgendichten Markierung distal des Abgangs der A. subclavia sinistra |
Endobronchiale Tuben | Röntgenologische Lagekontrolle häufig nach notfallmäßiger Intubation indiziert: Tubusspitze sollte sich einige Zentimeter oberhalb der Carina projizieren |
Magensonde | Meist röntgendichte Markierung am Ende der Sonde, wichtig ist der Ausschluss von Fehllagen (z.B. in Trachea oder Hauptbronchus) |
Akzidentelle Fremdkörper
Röntgendichte Fremdkörper | Nicht-röntgendichte Fremdkörper |
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