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Pneumonie im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 11.3.2025

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Eine Pneumonie ist eine infektionsbedingte Entzündung des Alveolarraums und/oder des interstitiellen Lungenparenchyms. Im Kindes- und Jugendalter sind insb. Säuglinge und Kleinkinder <5 Jahren betroffen. Das Erregerspektrum hängt neben dem Alter auch von der Infektionsquelle ab, daher werden die ambulant erworbene Pneumonie (Pediatric Community-acquired Pneumonia, pCAP) und die nosokomiale Pneumonie unterschieden. Insb. bei Säuglingen und Kleinkindern liegen am häufigsten virale Infektionen vor.

Die Diagnosestellung erfolgt i.d.R. klinisch, wobei die Kombination aus Fieber und Tachypnoe die sensitivste Befundkonstellation darstellt. Im Allgemeinen kann die Symptomatik einer Pneumonie im Kindes- und Jugendalter sehr unspezifisch bzw. nur diskret ausgeprägt sein (insb. bei atypischen Pneumonien oder im Säuglingsalter). Weitere Diagnostik (bspw. Bildgebung) ist nur bei schweren und/oder komplizierten Verläufen sowie bei rezidivierenden Pneumonien (zum Ausschluss einer zugrunde liegenden Erkrankung) erforderlich. Da Pneumonien häufig durch Viren verursacht werden, sollte nur bei klinischem V.a. eine bakterielle Infektion eine (i.d.R orale) antibiotische Therapie erfolgen, Mittel der Wahl ist hierfür Amoxicillin. Unterstützend muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und körperliche Schonung geachtet werden. Die Prognose bei einer Pneumonie im Kindes- und Jugendalter ist auch bei schweren Verläufen sehr gut. Wirksame präventive Maßnahmen stehen mit den – teils von der STIKO empfohlenen – Impfungen gegen mehrere Pneumonieerreger zur Verfügung.

Dieses Kapitel widmet sich den besonderen Aspekten einer Pneumonie im Kindes- und Jugendalter, für allgemeine Informationen siehe: Pneumonie.

Dieses Kapitel ist CME-zertifiziert. Wenn du die CME-Fragen zu diesem Kapitel erfolgreich beantwortest, erhältst du 2 CME-Punkte (siehe: Tipps & Links)!

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz: Ca. 300/100.000 ≤16-Jährige pro Jahr (in Mittel-/Nordeuropa) [1][2][3]
    • Altersgipfel: 0–5 Jahre [4]
    • Saisonalität: Häufung in den Wintermonaten
    • Geschlecht: > in allen Altersgruppen [5]
  • Hospitalisierungsrate: Ca. 160/100.000 <18-Jährige pro Jahr [6]
  • Mortalität
    • Weltweit: Häufigste Todesursache bei <5-Jährigen [7]
    • Deutschland: <100 Todesfälle/Jahr [6]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Infektionsweg [8]

Erreger

  • Viren (ca. 70%) [4][5]
  • Bakterien (ca. 10–15%) [4][5]
  • Mischinfektionen (ca. 20–30%) [8]
  • Pilze (selten) [4][7]

Die häufigsten bakteriellen Erreger der pCAP sind Pneumokokken (≤5-Jährige) und Mycoplasma pneumoniae (≥6-Jährige)!

Die meisten pCAP sind jedoch viral bedingt, wobei auch viral-bakterielle Mischinfektionen oder virale Koinfektionen auftreten!

Risikofaktoren für eine Pneumonie im Kindes- und Jugendalter [4][5]

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Klassifikationtoggle arrow icon

Einteilung nach Entstehungsort [8]

  • Ambulant erworbene Pneumonie (pCAP, Pediatric Community-acquired Pneumonia): Symptombeginn
    • Außerhalb des Krankenhauses oder
    • ≤48 Stunden nach stationärer Aufnahme
  • Nosokomiale Pneumonie: Symptombeginn
    • >48 Stunden nach stationärer Aufnahme oder
    • ≤1 Woche nach stationärer Entlassung

Einteilung nach Symptomatik

Einteilung der pCAP nach klinischem Schweregrad [8]

Bei der nicht-schweren pCAP ist eine ambulante Versorgung möglich, wenn die Betreuungspersonen über Warnzeichen aufgeklärt werden.

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Pathophysiologietoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Die Symptome einer Pneumonie im Kindesalter sind häufig sehr unspezifisch! Die höchste Spezifität für das Vorliegen einer Pneumonie hat die Kombination aus Fieber und Tachypnoe! [8]

Fieber kann das einzige Symptom einer Pneumonie sein, aber auch gänzlich fehlen! [8]

Klinische Hinweise auf die Genese einer Pneumonie im Kindes- und Jugendalter [4][9]
Merkmale Virale Genese oder atypische Erreger Bakterielle Genese
Verlauf
  • Schleichender Beginn
  • Plötzlicher Beginn
Allgemeinzustand
  • Leicht oder mäßig reduziert
  • Stark reduziert
Fieber
  • Gering (≤39 °C)
  • Hoch (>39 °C)
Husten
  • Trocken
  • Initial fehlend
Atemnebengeräusche
  • Keine oder trockene (Pfeifen/Giemen)
  • Feucht (Rasselgeräusche)
Begleitsymptome

Klinische Hinweise ermöglichen keine sichere Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Klinische Diagnosestellung [8]

Die Diagnosestellung einer Pneumonie im Kindesalter erfolgt primär klinisch!

Klinische Zeichen einer Pneumonie, Bronchiolitis und/oder Bronchitis können parallel vorliegen, da die Übergänge teils fließend sind!

Weiterführende Diagnostik bei pCAP

Nicht-schwere Pneumonie

  • Labordiagnostik: Nicht routinemäßig empfohlen
  • Erregerdiagnostik: Nicht routinemäßig empfohlen
  • Bildgebung: Nicht routinemäßig empfohlen

Schwere pCAP, Komplikationen oder Therapieversagen

Labordiagnostik

Erregerdiagnostik

  • Kulturelle Anzucht aus
  • Bei V.a. atypische Erreger zusätzlich
    • (Multiplex‑)PCR aus nasopharyngealem Abstrich [4]
    • Alternative: Serologie
    • Ggf. erregerspezifische Untersuchung, z.B.

Bildgebung

Eine weiterführende Diagnostik ist nur bei schwerer pCAP, Komplikationen oder Therapieresistenz indiziert!

Eine sichere Differenzierung zwischen viraler und bakterieller Genese ist anhand von Anamnese und Diagnostik häufig nicht möglich!



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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Hospitalisierungskriterien [8]

  • Therapiepflichtige Hypoxämie: spO2 <90%
  • Tachydyspnoe bzw. drohende respiratorische Erschöpfung
  • Nahrungsverweigerung
  • Dehydratation
  • Bewusstseinseintrübung
  • Pleuraerguss oder andere Komplikationen
  • Unzureichende soziale Rahmenbedingungen im häuslichen Umfeld
  • Stationäre Aufnahme erwägen bei
    • Alter <6 Monate
    • Schweren Vorerkrankungen [6]
    • Ungesicherter Diagnose
    • Therapieresistenz [6]

Die Indikation zur stationären Aufnahme sollte bei schlechtem Allgemeinzustand sowie im 1. Lebenshalbjahr großzügig gestellt werden!

Bei ambulantem Verbleib sollten die Betreuungspersonen über Warnsymptome wie anhaltendes Fieber >48 h, Nahrungsverweigerung, Dehydratation oder eine Zustandsverschlechterung aufgeklärt werden!

Kriterien für eine intensivmedizinische Betreuung [8]

Entlasskriterien [8]

  • Adäquate ambulante Weiterbetreuung
  • Normalisierung der Vitalparameter (insb. spO2 >90% unter Raumluft, auch im Schlaf)
  • Ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme

Ambulant sollte nach 48–72 h und im stationären Setting mind. 1× täglich eine klinische Verlaufskontrolle erfolgen!

Allgemeine Maßnahmen [8]

Eine der wichtigsten supportiven Maßnahmen bei einer pCAP ist eine ausreichende Hydratation!

Antiinfektive Therapie

Antibiotika [6][8]

Nicht jede Pneumonie muss antibiotisch behandelt werden! Bei Säuglingen und Kleinkindern liegt häufig eine virale Infektion vor, weshalb die Indikationsstellung besonders restriktiv erfolgen sollte!

Eine orale antibiotische Therapie ist auch bei Patient:innen mit schwerer pCAP möglich!

Empirische antibiotische Therapie bei pCAP [8]
Auswahlkriterium Therapieempfehlung
Säuglinge und Kinder ≥1 Monat bis <12 Jahre Jugendliche ≥12 Jahre
Mittel der 1. Wahl
Orale Alternative

Parenterale Alternative

Schwere pCAP mit Hinweis auf Mykoplasmen- oder Chlamydien-Infektion
Verdacht auf bakterielle Koinfektion bei Influenza-/Masernerkrankung
Hinweise auf Beteiligung von Anaerobiern

Das Mittel der 1. Wahl bei einer nicht-schweren pCAP ist Amoxicillin p.o.!

Bei V.a. eine virale Genese sollte kein Antibiotikum gegeben bzw. eine begonnene antibiotische Therapie beendet werden!

Virostatika

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Antibiotische Therapie spezieller Pneumonieformentoggle arrow icon

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Komplikationentoggle arrow icon

Risikofaktoren für (sehr) schwere pCAP und/oder Komplikationen [8]

Pulmonale Komplikationen

Parapneumonische Ergüsse (Pleuraerguss, Pleuraempyem) im Kindesalter

Bei einem parapneumonischen Pleuraerguss ist eine antibiotische Therapie häufig ausreichend!

Atelektase im Kindesalter

Nekrotisierende Pneumonie im Kindesalter

Lungenabszess im Kindesalter

Systemische Komplikationen

Rezidivierende oder therapierefraktäre Pneumonien

Bei rezidivierenden und/oder therapierefraktären Pneumonien sollte eine Grunderkrankung ausgeschlossen werden!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

  • pCAP: Gute Prognose auch bei schweren Verläufen [8]
    • Meist rasche Besserung
    • I.d.R. vollständige Genesung
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Präventiontoggle arrow icon

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Sonderform: Neugeborenenpneumonietoggle arrow icon

Sonderformen der Pneumonie im Neugeborenen- und frühen Säuglingsalter

Chlamydia-trachomatis-Pneumonie [16]

Candida-Pneumonie [16]

Beatmungsbedingte Neugeborenenpneumonie [16]

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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