Zusammenfassung
COVID-19 (Coronavirus Disease 19) wird durch eine Infektion mit SARS-CoV-2 verursacht, das erstmalig im Januar 2020 in China nachgewiesen wurde und sich anschließend weltweit ausbreitete (COVID-19-Pandemie).
Die Übertragung des Virus erfolgt insb. über Aerosole und Tröpfchen und kann nach einer Infektion zu einer Erkrankung (COVID-19) führen. Diese geht oft mit Symptomen eines oberen Luftwegsinfektes (Husten, Rhinitis, Halsschmerzen, Fieber), Müdigkeit, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall einher. Im Vergleich zu Erwachsenen verläuft COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen meist mild. Schwere akute Verläufe oder postinfektiöse Komplikationen - bspw. Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) oder Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter - sind selten.
Therapeutisch steht bei mildem oder moderatem Verlauf die symptomatische Behandlung im Vordergrund. Bei schwerer Erkrankung oder beim Vorliegen von Risikofaktoren kommen antiinflammatorische, antivirale und immunmodulatorische Therapiemöglichkeiten infrage. Zur Prävention der Erkrankung steht neben allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen und Impfungen auch eine Prä- und Postexpositionsprophylaxe zur Verfügung.
Die Prognose von COVID-19 im Kindes- und Jugendalter ist gut. Strikte Kontaktbeschränkungen und die Schließung von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen (Lockdown) haben jedoch zu einer Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatischen Symptomen und psychischen Erkrankungen geführt.
Für ergänzende Informationen siehe:
Epidemiologie
- Inzidenz [1]
- Geschlechterverteilung [8]
- Krankheitsschwere [1]
- Insg. selten schwerer oder kritischer Verlauf (Hospitalisierungsrate ca. 2%)
- Abhängig vom Alter: Schwere Verläufe häufiger bei Neugeborenen und Säuglingen (Hospitalisierungsrate ca. 6%)
- Abhängig von Risikofaktoren: Siehe Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen
- Siehe auch: COVID-19 - Epidemiologie
COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ist sehr häufig!
Schwere Verläufe mit Hospitalisierung treten selten und überwiegend bei Kindern ≤1 Jahr und/oder mit Vorerkrankungen auf!
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Symptomatik
Das klinische Bild von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ähnelt dem bei Erwachsenen. Siehe auch: COVID-19 - Symptome/Klinik
Allgemeines
- Manifestationsindex: 55–85% [10]
- Inkubationszeit: 4–6 Tage [10]
- Verlauf: Meist kürzer und selbstlimitierender als bei Erwachsenen
- Krankheitsschwere: Meist geringer als bei Erwachsenen
Nicht jede SARS-CoV-2-Infektion führt auch zu COVID-19!
Bei Kindern und Jugendlichen verläuft COVID-19 im Vergleich zu Erwachsenen meist milder und kürzer!
Klinisches Bild [9]
- Fieber (40–64%)
- Müdigkeit (bis 65%), Kopfschmerzen (4–60%), Myalgien (7–10%)
- Husten (30–40%), Rhinitis (11–63%), Halsschmerzen (7–10%), Pseudokrupp (selten) [11]
- Störung des Geruchs- und Geschmackssinns (4–60%)
- Erbrechen (4–20%), Durchfall (3–20%)
- Myokarditis (selten) [12]
- COVID-Zehen und/oder -Finger [13][14][15]
- Erythematöse bis livide Makulae, Papeln oder Plaques (ähnlich Perniones oder Chilblain-Lupus)
- Teils sekundärer Übergang in vesikuläre oder bullöse Läsionen
- Oft schmerzhaft/juckend und geschwollen
- I.d.R. spontane Rückbildung innerhalb von 1–8 Wochen
- Kausaler Zusammenhang umstritten
Das klinische Bild einer SARS-CoV-2-Infektion ist abhängig von der Virusvariante! [9][16][17]
Schweregrade [9]
COVID-19-Schweregrade im Kindes- und Jugendalter | |
---|---|
Schweregrad | Symptome/Kriterien |
Mild | |
Moderat | |
Schwer |
|
Kritisch |
|
Hyperinflammatorisch |
Diagnostik
Diagnostik bei V.a. COVID-19 [18][19]
- Indikation (mind. ein Testkriterium)
- Schwere respiratorische Symptome (z.B. Atemnot, akute Bronchitis oder Pneumonie)
- Akute Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns
- Enger Kontakt mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und Symptome
- Klinische Verschlechterung einer bestehenden respiratorischen Symptomatik
- Akute respiratorische Symptome jeder Schwere, insb. bei
- Personen, die einer Risikogruppe angehören
- Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus
- Zurückliegendem oder zukünftigem Kontakt zu vielen Personen (insb. zu Personen mit Risikofaktoren)
- Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit respiratorischen Symptomen ungeklärter Ursache und eine erhöhte 7-Tage-Inzidenz (>35/100.000) von COVID-19 im Land-/Stadtkreis
- Direkter Erregernachweis
- Material: Tiefer Nasenrachenabstrich oder Mundrachenabstrich + Abstrich Nasenvorhöfe
- Methode: RT-PCR auf SARS-CoV-2 oder Antigen-Nachweis
- Zu beachten: Korrektes Anlegen/Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung
Das Robert Koch-Institut veröffentlicht regelmäßig ein aktualisiertes Flussdiagramm zu Maßnahmen und Testkriterien bei V.a. COVID-19 (siehe: Tipps & Links)!
Diagnostik bei stationärer Aufnahme [9][20]
Erregernachweis
- Direkter Erregernachweis: RT-PCR auf SARS-CoV-2 aus tiefem Nasenrachenabstrich oder BAL (bei stabilen beatmeten Patient:innen:)
- Indirekter Erregernachweis: Bestimmung spezifischer Antikörper im Blutserum
- Ausschluss anderer Differenzialdiagnosen
- Blutkulturdiagnostik
- Ggf. Multiplex-PCR auf respiratorische Erreger
Labordiagnostik
- Großes Blutbild
- Bei Hinweisen auf Hämolyse oder Thrombozytopenie (<100.000/μL): Blutausstrich
- Klinische Chemie
- CRP, Procalcitonin, IL-6, Ferritin
- Elektrolyte, BGA, Lactat, LDH, Albumin
- Leber- und Nierenwerte, Harnstoff
- CK, CK-MB, Troponin T, NT-proBNP
- Löslicher IL-2-Rezeptor, Triglyceride [21]
- Gerinnungsdiagnostik
- Typische Laborbefunde
- Bei mildem Verlauf
- Blutbildveränderungen (Leukozytopenie <5.500/μL und/oder Lymphozytopenie <1.200/μL)
- CK↑
- CRP, LDH und D-Dimere i.d.R. normwertig
- Bei schwerem und/oder hyperinflammatorischem Verlauf
- Blutbildveränderungen (Lymphozytopenie <800/μL, Thrombozytopenie, Nachweis von Fragmentozyten im Blutausstrich)
- Entzündungswerte↑ (CRP ≥50 mg/L, IL-6 >100 pg/mL, Ferritin >700 μg/L)
- Transaminasen↑, Lactat↑, D-Dimere↑ und Troponin↑, LDH↑
- Albumin↓
- Bei Makrophagenaktivierungssyndrom oder sekundärer hämophagozytischer Lymphohistiozytose evtl. zusätzlich
- Panzytopenie
- Ferritin↑↑, löslicher IL-2-Rezeptor↑, Triglyceride↑
- Fibrinogen↓
- Bei mildem Verlauf
Bei deutlich erhöhten Entzündungswerten sollte an eine bakterielle (Ko‑)Infektion und/oder ein Hyperinflammationssyndrom gedacht werden!
Apparative Diagnostik
- Pulsoxymetrie zur spO2-Messung
- EKG, ggf. Echokardiografie
-
Röntgen-Thorax: Bei Risikofaktoren für ein Fortschreiten der Erkrankung [22]
- Meist bilaterale milchglasartige Infiltrate (ca. 65%)
- Seltener unilaterale Infiltrate (ca. 35%)
-
CT-Thorax je nach Verlauf
- Siehe auch Beispiele unter: COVID-19-Computertomografien
Ergänzende Informationen
- Siehe: COVID-19 - Diagnostik
Therapie
Die Empfehlungen zur COVID-19-Therapie bei Kindern und Jugendlichen beruhen auf Studien zur Therapie von erwachsenen Patient:innen (siehe: COVID-19 - Therapie schwerer Verläufe). Eine ausreichende Evidenz für die Wirksamkeit bei Kindern liegt für keines der bislang verwendeten Medikamente vor. Insb. der Einsatz antiviral oder immunmodulatorisch wirkender Arzneimittel erfolgt i.d.R. als Off-Label Use für Hochrisikopatient:innen .
Übersicht
COVID-19-Therapie im Kindes- und Jugendalter | ||||
---|---|---|---|---|
Schweregrad | Symptomatische Therapie | Antiinflammatorische Therapie | Antivirale Therapie | |
Virostatika | Neutralisierende monoklonale Antikörper | |||
Mild | ✓ | — | (—) | (—) |
Moderat | ✓ | — | (—) | (—) |
Schwer | ✓ | ✓ | ✓ | (—) |
✓ | ✓ | — | — | |
Hyperinflammatorisch | ✓ | ✓ | — | — |
Alle Kinder und Jugendlichen mit COVID-19 sollten symptomatisch behandelt werden!
Die Indikation für eine zusätzliche antiinflammatorische und/oder antivirale Therapie ist im Einzelfall zu prüfen! Im Zweifel stehen der STAKOB und die DGPI für eine individuelle Falldiskussion und Therapieberatung zur Verfügung (siehe: Tipps & Links).
Symptomatische Therapie
- Antipyrese und Analgesie (siehe: Fiebersenkung in der Pädiatrie)
- Sauerstoffgabe
- Flüssigkeitssubstitution
- Inhalationstherapie nicht routinemäßig empfohlen
- Applikation bevorzugt über Dosieraerosol mit Spacer oder Pulverinhalation
Antiinflammatorische Therapie
Systemische Glucocorticosteroide
- Indikation
- Schwerer Verlauf
- Kritischer Verlauf
- Hyperinflammatorischer Verlauf (siehe: PIMS - Therapie)
- Medikamente
- Dexamethason [9]
- Hydrocortison [9]
- Methylprednisolon [9]
Die Gabe systemischer Glucocorticosteroide ist nur bei schwerem Krankheitsverlauf mit erhöhtem Sauerstoffbedarf indiziert!
Antibiotische Therapie
- Indikation
- Hinweis auf bakterielle (Super‑)Infektion (laborchemisch oder mikrobiologisch)
- Klinisch schwere oder komplizierte Pneumonie
- Sepsis
- Medikamente
- Bei V.a. bakterielle Pneumonie (ambulant erworben): Empirische Initialtherapie, z.B. mit Amoxicillin (pädiatrisch) oder Ampicillin (pädiatrisch) [23]
- Bei Sepsis: Empirische Initialtherapie, z.B. mit Cefotaxim (pädiatrisch), Ceftriaxon (pädiatrisch), Piperacillin/Tazobactam (pädiatrisch) oder einem Carbapenem im Kindes- und Jugendalter, ggf. in Kombination mit einem Aminoglykosid
- Durchführung [24]
- Reevaluierung nach 48–72 h, ggf. Anpassung an mikrobiologische Befunde
- Beendigung, sobald sich der V.a. eine bakterielle Infektion nicht bestätigt
- Dauer: 5–7 Tage
Bakterielle Superinfektionen sind selten – eine prophylaktische Antibiotikagabe ist daher nicht empfohlen! [24]
Antikoagulation
- Häufigkeit thromboembolischer Komplikationen bei Kindern und Jugendlichen: Ca. 1–2%
- Prophylaktische Dosierung [9]
- Sinnvoll bei Jugendlichen >12 Jahre mit schwerem Verlauf
- Ggf. bei hyperinflammatorischem Verlauf (siehe: PIMS - Therapie)
- Therapeutische Dosierung [9]
- Einzelfallentscheidung je nach Alter, Schweregrad und vorbestehenden Risikofaktoren
- Ggf. bei hyperinflammatorischem Verlauf (siehe: PIMS - Therapie)
- Stets Rücksprache mit pädiatrisch erfahrenen Intensivmediziner:innen oder Hämostaseolog:innen
Eine Antikoagulation in prophylaktischer Dosierung ist bei allen Jugendlichen >12 Jahre mit schwerem COVID-19-Verlauf sinnvoll!
Antivirale Therapie
Virostatika
- Remdesivir (Veklury®)
- Wirkmechanismus: Inhibition der viralen RNA-Polymerase
- Beginn: In der frühen Phase der viralen Replikation (≤7 Tage nach Symptombeginn)
- Bedingte Zulassung: Für Jugendliche ≥12 Jahre und ≥40 kg mit
- Pneumonie und erhöhtem Sauerstoffbedarf oder nicht-invasiver Atemunterstützung und/oder
- Hochrisikofaktoren
- Indikation
- Schwerer Verlauf
- Hochrisikopatient:innen mit mildem oder moderatem Verlauf
- Kontraindikation und Indikation zur Therapiepause/-abbruch
- Dosierung
- <12 Jahre bzw. <40 kg [9]
- ≥12 Jahre bzw. ≥40 kg [9]
- Vorsichtsmaßnahmen/Monitoring
- Effektive Empfängnisverhütung bei Mädchen / jungen Frauen im gebärfähigen Alter
- Tägliche Kontrolle der Leber- und Nierenfunktionsparameter
- Kontinuierliche EKG-Überwachung
- Keine gleichzeitige Anwendung von starken P-Glykoprotein-Induktoren (z.B. Rifampicin)
- Keine Empfehlung für
Neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK)
- Wirkmechanismus: Bindung an das Spike-Protein → Verhinderung des Viruseintritts in die Wirtszelle [24]
- Beginn: In der frühen Phase der viralen Replikation (≤5 Tage nach Symptombeginn)
- Zulassung: Für Jugendliche ≥12 Jahre und ≥40 kg mit Hochrisikofaktoren und akuter Erkrankung ohne Sauerstoffsupplementation
- Indikation
- Hochrisikopatient:innen mit mildem oder moderatem Verlauf
- Schwerer Verlauf bei gleichzeitiger Seronegativität und stabiler respiratorischer Situation mit max. Low-Flow-O2
- Prä- und Postexpositionsprophylaxe von COVID-19 im Kindes- und Jugendalter
- Medikamente
- Sotrovimab (Xevudy®) [9]: Höchstwahrscheinlich nicht wirksam gegen Unterform BA.2 der Omikron-Variante [25]
- Casirivimab/Imdevimab (Ronapreve®): Nicht wirksam gegen Omikron-Varianten
Antiviral wirksame Medikamente sollten nur in der frühen Phase der Virusreplikation (≤5–7 Tage nach Symptombeginn) verabreicht werden!
Neutralisierende monoklonale Antikörper zur COVID-19-Therapie haben eine unterschiedliche Wirksamkeit gegen verschiedene Virusvarianten - die Auswahl der Antikörper sollte sich daher an den zirkulierenden Varianten orientieren!
Immunmodulatorische Ansätze
- Interleukin-6-Rezeptor-Antagonist: Tocilizumab (RoActemra®) [9]
- Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen mit ausgeprägter pulmonaler Hyperinflammation und dynamischer Verschlechterung (Gabe innerhalb von 24 h nach primärer Intubation)
- Kontraindikationen
- Schwere unkontrollierte Infektion anderer Ursache
- Blutbildveränderungen (Neutropenie <1.000/μL oder Thrombozyten <50.000/μL) [26]
- ALT >5× Norm
- Erhöhtes Risiko für gastrointestinale Perforation
- Zu beachten
- Keine Zulassung im Kindes- und Jugendalter (Off-Label Use)
- Keine zeitgleiche Anwendung von Baricitinib
- Komedikation mit Dexamethason empfohlen
- Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist: Anakinra (Kineret®) [9]
- Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen
- Kontraindikationen
- Neutropenie <1.500/μL
- Schwere unbehandelte Infektion
- Zu beachten
- Keine Zulassung im Kindes- und Jugendalter (Off-Label Use)
- Komedikation mit Dexamethason empfohlen
- JAK-Inhibitor: Baricitinib (Olumiant®)
- Indikation: Einzelfallentscheidung bei kritisch kranken Patient:innen mit hohem Sauerstoffbedarf, nicht-invasiver oder invasiver Beatmung
- Zu beachten
- Keine Zulassung im Kindes und Jugendalter (Off-Label Use)
- Keine zeitgleiche Anwendung von Tocilizumab
- Komedikation mit Dexamethason empfohlen
Komplikationen
Neben den seltenen schweren Verläufen der Akutinfektion mit respiratorischem Versagen und ARDS (insb. bei Risikogruppen, siehe: Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen) kann es auch zu postinfektiösen Komplikationen wie dem Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) oder dem Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter kommen.
Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)
- Siehe: Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)
Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS)
Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter [12][27][28][29]
Das Long-COVID-Syndrom ist ein heterogenes Krankheitsbild, das nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 auftreten kann und aufgrund der unspezifischen Symptomatik oft nur schwer von direkten Organschäden (bspw. Myokarditis) und indirekten negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, wie bspw. den Folgen von Lockdown-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, abgrenzbar ist.
Diagnosekriterien des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter [12][29]
- Nachweis einer (vorangegangenen) SARS-CoV-2-Infektion
- Positiver Nachweis von SARS-CoV-2 in der RT-PCR und/oder
- Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person und positiver Nachweis spezifischer Antikörper
- ≥2 typische Symptome, die
- Vor der SARS-CoV-2-Infektion noch nicht vorlagen
- >4 Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion persistieren, neu oder erneut auftreten
- Zu einer Beeinträchtigung des Alltags führen
- Nicht durch eine andere Ursache erklärt werden können
Einteilung
- Nach Dauer der Symptome
- >4 Wochen: Long-COVID-Syndrom
- 4–12 Wochen: Fortwährend symptomatisches COVID-19
- >12 Wochen: Post-COVID-Syndrom
- >4 Wochen: Long-COVID-Syndrom
Epidemiologie [12][28][30]
- Prävalenz nach SARS-CoV-2-Infektion: 0,8–13%
- Gehäuftes Auftreten
- Jugendliche
- Mädchen und Frauen
- Schwerer Verlauf der Akutinfektion
- Chronische Vorerkrankung (inkl. Allergien und Diabetes mellitus)
Pathogenese [12][28]
- Bislang unklar, vermutet wird
- Anhaltende Aktivierung des Immunsystems durch Persistenz von Virusbestandteilen
- Virusvermittelte Organschädigung
- Inflammation mit nachfolgender Fibrose
- Autoantikörpervermittelte Prozesse
- Endotheliitis mit Mikrozirkulationsstörung
- Siehe auch: COVID-19 - Pathophysiologie
Symptome [12][29]
Mögliche Symptome bei Long-COVID-Syndrom im Kindes und Jugendalter | |
---|---|
Respiratorisch | |
Kardial | |
Muskuloskelettal | |
Dermatologisch |
|
Neurologisch |
|
Psychiatrisch |
|
Erschöpfungsbeschwerden |
|
Weitere |
|
Vorgehen bei V.a. Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter [12][28]
- Anamnese erheben
- Führende drei Beschwerden?
- Symptomdauer?
- Zurückliegende SARS-CoV-2-Infektion?
- Krankenhausaufenthalte im Rahmen von COVID-19 oder PIMS?
- Symptomverschlechterung nach milden Alltagsbelastungen?
- Fehltage in der Betreuungseinrichtung bzw. der Eltern am Arbeitsplatz?
- Vorerkrankungen?
- Körperliche Untersuchung durchführen
- Diagnosekriterien prüfen: Siehe: Diagnosekriterien des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter
- Kriterien nicht erfüllt
- Symptomtagebuch
- Klinische Verlaufskontrolle
- CAVE: Differenzialdiagnosen bedenken
- Kriterien erfüllt → Siehe 4.
- Kriterien nicht erfüllt
- Dringlichkeit weiterer Maßnahmen einschätzen
- Hohe Dringlichkeit: Sehr starke Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen und/oder >10 Fehltage/Monat in einer Betreuungseinrichtung bzw. der Eltern am Arbeitsplatz
- Weitere Diagnostik und Therapie je nach Dringlichkeit durchführen
- Alle: Basisdiagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter + klinische Verlaufskontrollen mind. alle 3 Monate bis zur Beschwerdefreiheit
- Bei hoher Dringlichkeit: Erweiterte Diagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter und/oder Vorstellung in spezialisierter Long-COVID-Ambulanz
Basisdiagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter | |
---|---|
Labordiagnostik | Apparative Diagnostik |
|
Erweiterte Diagnostik bei Long-COVID-Syndrom im Kindes- und Jugendalter . | ||
---|---|---|
Symptomatik | Labordiagnostik | Apparative Diagnostik |
Alle | — |
|
Kardiologisch |
| |
Pulmonal | — |
|
Gastroenterologisch |
|
|
Neurologisch/Erschöpfung |
|
|
Rheumatologisch/Hautveränderungen |
|
Ziel der Diagnostik von Long-COVID ist der Ausschluss anderer behandelbarer Differenzialdiagnosen!
Treten Palpitationen und Thoraxschmerzen in zeitlichem Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion auf, sollte eine Myokarditis ausgeschlossen werden!
Therapie [12][29]
- Bislang kein kausaler Ansatz
- Psychosomatische Therapieprinzipien/Gesprächsführung
- Psychosoziale Unterstützung (bspw. Nachteilsausgleich in Schule oder Ausbildung)
- Symptomatische Therapie je nach Beschwerdebild
- Bronchiale Hyperreagibilität: Inhalative Glucocorticoide (pädiatrisch)
- Funktionelle Atemstörung: Atemtherapie
- Orthostatische Dysregulation (z.B. POTS): Siehe: Therapie bei POTS
- Erhöhte Flüssigkeitszufuhr, salzreiche Kost
- Kompressionsstrümpfe, Anpassung der Körperposition
- Körperliche Aktivität und Meidung auslösender Situationen
- Physiotherapie und/oder Ergotherapie je nach Belastbarkeit
- COVID-Zehen: Wärme, ggf. topische Glucocorticoide
- Bei schwerem Verlauf / Zeichen einer Ischämie: Rheumatologisch-hämostaseologische Abklärung, ggf. Immunsuppression, Vasodilatation, Antikoagulation
- Geruchsveränderungen: Riechtraining
- Postexertionelle Malaise (PEM): Pacing
- Fatigue ohne PEM: Körperliche Aktivität
- Psychische Störungen (bspw. Depression, Angststörung, Zwangsstörung, PTBS): Kinder- und Jugendpsychotherapie
- Bei starker Beeinträchtigung bzw. hoher Dringlichkeit : Stationäre Therapie/Rehabilitation
Neben einer symptomatischen Therapie sollte eine psychosomatische Grundversorgung und psychosoziale Betreuung angeboten werden!
Bei schwerem Krankheitsverlauf mit stark beeinträchtigter Alltagsaktivität und -teilhabe sollte eine stationäre Therapie in Betracht gezogen werden!
Prognose [28]
- Meist allmählicher Rückgang der Symptombelastung (insb. bei jüngeren Kindern innerhalb von 3 Monaten)
Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Prävention
Zur Prävention von COVID-19 im Kindes- und Jugendalter gibt es verschiedene effektive Maßnahmen. Allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen und Maßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sind dabei die Grundvoraussetzung für eine Reduktion der Transmission. Darüber hinaus stehen sichere und effektive Impfstoffe zur aktiven Immunisierung sowie monoklonale Antikörper zur Prä- und Postexpositionsprophylaxe von Patient:innen mit Risikofaktoren für einen sehr schweren Verlauf zur Verfügung.
Allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen
- Für aktuelle Empfehlungen je nach epidemiologischer Lage siehe: Tipps & Links
- Für ergänzende Informationen zu allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen siehe: COVID-19 - Aufklärungsmaßnahmen zu Infektionsschutz und Prävention
- Für eine strukturierte Auflistung der Ziele siehe auch: Ziele der COVID-19-Impfung [31]
Mund-Nasen-Schutz im Kindes- und Jugendalter [32][33][34][35][36][37]
- Empfehlung
- Kinder und Jugendliche ≥10 Jahre
- Kinder zwischen 6 und 9 Jahren optional bzw. risikoadaptiert
- Keine Empfehlung: Kinder <6 Jahre, Kinder mit schweren Atemproblemen oder schwerer psychomotorischer Retardierung, intellektueller Reifungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeit
- Individuelle Entscheidung: Kinder mit chronischer Grunderkrankung
- Voraussetzung
- Keine geschlossenen Masken (z.B. Staubschutzmasken aus dem Baumarkt)
- Anpassung an die Gesichtsgröße des Kindes
- Fähigkeit, die Maske eigenständig zu entfernen
- Atteste zur „Befreiung von der Maskenpflicht“
- Pflicht zum Tragen einer Maske geht aus Rechtsverordnung des Landes hervor → Keine ärztliche Befugnis zur Befreiung von dieser Pflicht
- In Einzelfällen ärztliches Attest möglich
Es gibt keine Hinweise darauf, dass es durch das korrekte Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu einer relevanten Reduktion der Sauerstoffsättigung oder Rückatmung von CO2 kommt!
Grundvoraussetzung für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist die Fähigkeit, die Maske eigenständig entfernen zu können – Kinder unter 2 Jahren sowie schlafende oder bewusstlose Kinder dürfen keine Maske tragen!
Maßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen
Allgemein
- Möglichst konsequente Einhaltung der AHA+L-Regeln
- Abstand: Kohortierung, Reduktion der Gruppengröße, Distanz-, Hybrid- oder Wechselunterricht
- Hygiene: Regelmäßiges Waschen und Desinfizieren der Hände
- Alltag mit Maske: Sachgerechtes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes
- Lüftung: Regelmäßiges Öffnen der Fenster , CO2-Sensoren/-Ampeln , ggf. ergänzender Einsatz mobiler Luftfilter
- Meidung aerosolgenerierender Aktivitäten in Innenräumen (z.B. Singen, Spielen von Blasinstrumenten, Sport)
- Bei COVID-19-Symptomen: Kein Besuch der Gemeinschaftseinrichtung bis 48 h nach Ende der Symptome
- Quarantäne nach Kontakt zu bestätigtem COVID-19-Fall gemäß Bewertung des zuständigen Gesundheitsamtes
Systematische Testungen
- PCR-Pool-Test (Lolli-PCR-Test)
- Anwendung: Kitas und Grundschulen
- Durchführung: Lutschen an einem Abstrichtupfer für ca. 30 s → Sammeln aller Abstrichtupfer einer Gruppe in einem gemeinsamen Röhrchen → Ein gemeinsamer PCR-Test
- Auswertung: Positives Testergebnis = Mind. eine Person infiziert → Probeentnahme für Einzel-PCR-Tests (sog. Poolauflösung)
- Vorteile: Angenehme Durchführbarkeit, hohe Akzeptanz, Einsparung von Ressourcen, zuverlässige und frühzeitige Ergebnisse
- Antigen-Schnelltest (Selbsttest)
- Anwendung: Weiterführende Schulen
- Durchführung: Je nach Hersteller, i.d.R. als Nasenabstrich , Beaufsichtigung durch geschultes Personal
- Auswertung: Positiver Befund → Bestätigungsdiagnostik
- Vorteile: Einfache Anwendung, schnelles Ergebnis
- Nachteile: Geringere Sensitivität und Spezifität [38], kurzzeitige Aussagekraft
- Weitere diagnostische Möglichkeiten: Siehe Diagnostik bei COVID-19
Ziel der Infektionsschutzmaßnahmen in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen muss die Aufrechterhaltung eines regulären Betriebs sein!
Impfung
STIKO-Empfehlungen
- Indikationen
- Keine Standardimpfung bei <18-Jährigen
- Indikationsimpfung: Säuglinge und Kinder ≥6 Monate
- Mit erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Verläufe (siehe: Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen )
- Mit engem Kontakt zu Personen mit vermutlich unzureichender Immunantwort auf eine COVID-19-Impfung
- Berufsbedingte Impfung: Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen mit direktem Patientenkontakt
- Impfstoffe: Siehe COVID-19-Impfstoffauswahl nach Altersgruppen
- Impfschema für die COVID-19-Impfung im Kindesalter (nach STIKO-Empfehlungen)
- Grundimmunisierung: 1–3 Impfdosen, bis die für die SARS-CoV-2-Basisimmunität erforderlichen ≥3 Antigenkontakte (inkl. ≥1 Impfung) erreicht sind [40]
- 1. und 2. Impfdosis: Mindestabstand von 4 Wochen (idealerweise 12 Wochen)
- 3. Impfdosis: Mindestabstand von 6 Monaten zur 2. Impfdosis
- Auffrischungsimpfungen: Jährlich im Herbst
- Impfschema gemäß Zulassung/Fachinformation: Siehe COVID-19-Impfstoffe
- Bei Immunsuppression: Siehe COVID-19-Impfung bei Immunsuppression
- Nach SARS-CoV-2-Infektion: Siehe COVID-19-Impfung bei Rekonvaleszenten
- Grundimmunisierung: 1–3 Impfdosen, bis die für die SARS-CoV-2-Basisimmunität erforderlichen ≥3 Antigenkontakte (inkl. ≥1 Impfung) erreicht sind [40]
- Kontraindikationen
- Grundsätzliche Kontraindikationen für Impfungen
- Frühere schwere allergische Reaktion auf
- Inhaltsstoffe des Impfstoffes [41]
- Vorangegangene COVID-19-Impfung
- Komplikation nach vorangegangener COVID-19-Impfung
- Mindestabstände zu Begleittherapien [41]
- Antikörper (z.B. Xolair®, Dupixent®, Nucala®, Fasenra®): Mindestabstand 7 Tage
- Sublinguale Immuntherapie (SLIT): Nach Impfung 1–2 Tage Pause
- Subkutane Immuntherapie (SCIT): Mindestabstand 7 Tage
- Impfreaktionen
- Schmerzen an der Einstichstelle (ca. 80%)
- Müdigkeit/Abgeschlagenheit (ca. 80%)
- Kopfschmerzen (ca. 30%)
- Rötung/Schwellung an der Einstichstelle (ca. 20%)
- Gliederschmerzen (ca. 10%)
- Impfkomplikationen: Myokarditis/Perikarditis nach COVID-19-Impfung (selten)
- Durchführung
- Tipps für schwierige Impfgespräche: Siehe Impfgesprächskarten des RKI
Im Alter <18 Jahren wird die COVID-19-Impfung nur noch als Indikationsimpfung empfohlen!
Prä- und Postexpositionsprophylaxe
Sowohl zur Prä- als auch zur Postexpositionsprophylaxe werden neutralisierende monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 verwendet.
Präexpositionsprophylaxe (PrEP) [42][43][44]
- Indikation: Alle Punkte müssen erfüllt sein
- Hochrisikopatient:innen ≥12 Jahre und ≥40 kg, siehe: Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen
- Erfolgloser Versuch der aktiven Immunisierung mit mind. 4 Impfungen , siehe: Impfung gegen COVID-19 im Kindes- und Jugendalter
- Serologisches Impfversagen
- Negativer SARS-CoV-2-Virusnachweis (bevorzugt PCR-Test, nicht älter als 3 Tage)
- Präparate: Neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK) [44]
- Tixagevimab/Cilgavimab [42][43][44]
- Casirivimab/Imdevimab [42][43]
- Durchführung
- Überwachung für 30–60 min
- Möglichkeit zur Behandlung einer Hypersensitivitätsreaktion oder Anaphylaxie muss gegeben sein
Die Präexpositionsprophylaxe ist kein Ersatz für die Impfung!
In Gebieten mit einer Dominanz der Omikron-Variante sollte Tixagevimab/Cilgavimab zur Präexpositionsprophylaxe eingesetzt werden!
Postexpositionsprophylaxe (PEP) [43][45]
- Indikation: Alle Punkte müssen erfüllt sein
- Hochrisikopatient:innen ≥12 Jahre und ≥40 kg, siehe: Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen
- Virusexposition innerhalb der letzten 96 h
- Negative COVID-19-Anamnese und aktueller negativer SARS-CoV-2-Virusnachweis (PCR-Test oder Antigen-Schnelltest) oder positive COVID-19-Anamnese und negativer Nachweis von Anti-Nukleokapsid-Antikörpern
- Fehlender oder unvollständiger Impfschutz oder serologisches Impfversagen (vermutetet oder nachgewiesen )
- Präparat: Casirivimab/Imdevimab [42][43]
- Durchführung
- Überwachung für 30–60 min
- Möglichkeit zur Behandlung einer Hypersensitivitätsreaktion oder Anaphylaxie muss gegeben sein
Casirivimab/Imdevimab ist nicht gegen Omikron-Varianten wirksam!
Folgen von Lockdown-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche
Die Folgen der Kontaktbeschränkungen und Schließungen von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen (Lockdown) im Zuge der COVID-19-Pandemie können durch den Begriff Long-Lockdown-Syndrom zusammengefasst werden. Sie sind oft nur schwer von Symptomen des Long-COVID-Syndroms im Kindes- und Jugendalter abgrenzbar.
- Zunahme psychischer Belastung
- Eingeschränkte Lebensqualität .
- Erhöhtes Risiko für
- Psychische Erkrankungen (Angststörungen, Essstörungen, Depressionen)
- Psychosomatische Symptome (Kopf- und Bauchschmerzen, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen)
- Verhaltensauffälligkeiten (Gereiztheit, Hyperaktivität, Aggressivität)
- Verändertes Gesundheitsverhalten
- Zunahme von Medienkonsum
- Abnahme sportlicher Aktivität
- Ungesunde Ernährung
- Reduzierte Inanspruchnahme der gesundheitlichen Versorgung → Zunahme schwerwiegender Krankheitsverläufe (z.B. schwere Ketoazidose bei Diabetes mellitus)
- Überforderung familiärer Ressourcen
- Familiäre Konflikte
- Schulische Probleme
- Kindeswohlgefährdung
- Risikofaktoren
- Migrationshintergrund
- Soziale Benachteiligung
- Psychiatrische Erkrankung
- Schwere chronische Erkrankung oder Behinderung
- Opfer häuslicher Gewalt
Der Besuch von Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen trägt maßgeblich zur persönlichen Entwicklung, sozialen Teilhabe und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bei!
Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund sind von negativen Folgen der Lockdown-Maßnahmen in besonderem Maße betroffen! Dies führt zu einer Zunahme der sozialen Ungerechtigkeit!
Besondere Patientengruppen
Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen
Liegen bestimmte Risiko- bzw. Hochrisikofaktoren vor, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Impfversagen und/oder einen schweren Verlauf. Die Unterscheidung zwischen Risikopatient:innen und Hochrisikopatient:innen spielt insb. bei der Impfstrategie und beim Einsatz antiviral wirksamer Medikamente zur Prophylaxe und Therapie bei COVID-19 im Kindes- und Jugendalter eine wichtige Rolle.
Pädiatrische COVID-19-Risikogruppen | ||
---|---|---|
Risikopatient:innen [44] | Hochrisikopatient:innen [9][43][44] | |
Beispiele |
|
|
Handlungsempfehlung |
|
|
Kinder- und Jugendliche mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe!
Bei einer Störung des Immunsystems muss das Ausmaß der Immundefizienz mit daraus resultierenden prophylaktischen und/oder therapeutischen Maßnahmen stets individuell beurteilt werden!
Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter [48]
Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter sollten besondere Aufmerksamkeit erhalten, da je nach Infektionszeitpunkt der Schwangeren bzw. Mutter bestimmte Auswirkungen zu befürchten bzw. Maßnahmen zu beachten sind.
- Präpartal
- Diaplazentare Infektion möglich, Relevanz unklar
- Erhöhtes Risiko für
- Intrauterinen Fruchttod
- Plazentainsuffizienz
- Hypertensive Schwangerschaftserkrankung
- Frühgeburt
- Kein erhöhtes Risiko für
- Fehlgeburten oder Fehlbildungen
- Fetale Wachstumsretardierung
- Empfehlung bei Infektion der Schwangeren
- Sonografische Überwachung des Fötus (Biometrie, Doppler-Sonografie, Fruchtwassermenge) alle 2–4 Wochen
- Regelmäßige Blutdruckkontrollen
- Für weiterführende Informationen siehe: COVID-19 - Schwangerschaft
- Peripartal
- Infektion während der Geburt möglich, jedoch äußerst selten
- Keine Kontraindikation für vaginale Entbindung
- Postpartal
- Stillen empfohlen
- Abgepumpte Muttermilch muss nicht pasteurisiert werden
- Trennung von Mutter und gesundem Neugeborenen nicht erforderlich
- Bonding unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen möglich
Prognose
- Akute Infektion [49]
- Krankheitsschwere
- Meist milder oder moderater Verlauf
- Selten schwerer oder kritischer Verlauf (Hospitalisierungsrate ca. 2%) [1][12]
- Bei Hospitalisierung
- Vollständige Genesung bei Entlassung: Ca. 76%
- Restsymptome bei Entlassung: Ca. 22%
- Folgeschäden: Ca. 0,3%
- Letaler Verlauf: Ca. 0,2–0,3%
- Letalität: Sehr gering [1]
- Abhängig vom Alter: Höchste Rate bei Neugeborenen und Säuglingen
- Krankheitsschwere
- Postinfektiöse Komplikationen
Die Letalität von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ist sehr gering – seltene Todesfälle treten überwiegend bei Kindern <1 Jahr und/oder Vorerkrankungen auf!
Meldepflicht
- Siehe: COVID-19 - Meldepflicht
AMBOSS-Podcast zum Thema
Long-COVID (1): Zahlen, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle (Dezember 2023)
Long-COVID (2): Aufklären, behandeln, weitervermitteln (Dezember 2023)
Psychische Effekte von Quarantänemaßnahmen (April 2020)
COVID-19 im Kindes- und Jugendalter (Februar 2022)
Interesse an noch mehr Medizinwissen zum Hören? Abonniere jetzt den AMBOSS-Podcast über deinen Podcast-Anbieter oder den Link am Seitenende unter "Tipps & Links"
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
COVID-19: Kindern erklärt
COVID-19
Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- Siehe: COVID-19 - ICD-Kodierung
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.